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Landtagswahlen Medien zeigen enormes Interesse an Landtagswahl
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00:15 19.01.2013
Von Bernd Haase
Foto: Helmpflicht im Landtag: Die Beleuchtungstechniker montieren die Lichtquellen für das Studio des ZDF.
Helmpflicht im Landtag: Die Beleuchtungstechniker montieren die Lichtquellen für das Studio des ZDF. Quelle: Ole Spata
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Hannover

Die bundesweite Aufmerksamkeit für den Urnengang in Niedersachsen ist enorm. „Wir registrieren einen stärkeren Andrang als noch vor fünf Jahren“, sagt Kai Sommer, Sprecher der Landtagsverwaltung. Bei den Wahlen 2003, als der Christdemokrat Christian Wulff den SPD-Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel ablöste, war das Interesse aber schon einmal ähnlich hoch.

Das Gebäude darf am Sonntag nur betreten, wer eine Akkreditierung vorweisen kann. Bis gestern Abend hatte der Landtag knapp 1500 Anträge registriert. Sommer schätzt, dass die Zahl bis zum Wahltag noch auf mindestens 1900 anwachsen wird. „Viel mehr können wir auch nicht erteilen, das lassen unter anderem die Brandschutzbestimmungen nicht zu“, erklärt der Sprecher.

Unter den Akkreditierten sind natürlich Politiker, Mitarbeiter der Parteien und solche von Cateringfirmen, aber eben auch bislang 1200 Medienvertreter. Dazu zählen allerdings nicht nur die Journalisten, sondern auch diejenigen, die hinter den Kulissen etwa in der Technik arbeiten. Alle großen Fernsehsender wollen live auf Sendung gehen. Rund 70 Presseagenturen werden Berichterstatter schicken, dazu kommen die Zeitungs- und viele freie Journalisten. Weil der Ausgang der Wahl als völlig offen gilt, und weil sie auch eine Art Blaupause für die Bundestagswahl sein könnte, geht es international zu: „Wir haben erstmals Journalisten aus China bei einer Landtagswahl“, sagt Sommer. Das Schweizer Fernsehen wird vor Ort sein; und auch Journalisten aus Anatolien haben sich angesagt.

Insgesamt werden allein die vielen Fernsehstudios rund 1800 Quadratmeter Fläche belegen. Für 170 davon ist ein am rheinischen Zungenschlag unschwer zu erkennender Trupp aus Köln vom Westdeutschen Rundfunk zuständig. Seit Dienstag ist er in der Stadt, die Wagen stehen auf den Parkplätzen vor dem Leineschloss. Die Abläufe wirken routiniert, die Handgriffe sitzen. Das ist auch kein Wunder: „Wir bauen bei jeder Wahl das Wahlstudio auf“, sagt die Bühnenhandwerkerin Miriam Reins, die einzige Frau in der sechsköpfigen Mannschaft.

Das Ganze wirkt ein wenig wie Messebau, wenn da nicht die vielen Leuchten wären, die an Schienen über dem Studio hängen werden. In der Mitte steht ein Podest. Hinter dem wird am Sonntag Jörg Schönenborn Stellung beziehen, der Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks. Den Fernsehzuschauern ist er als Mann der Zahlen ein Begriff – er kommt immer ins Bild, wenn Prognosen und neue Hochrechnungen zu verkünden sind. „Ich hoffe, dass wir am Sonntagabend die Ersten sind, die Zahlen präsentieren“, sagt Miriam Reins. Journalistischen Ehrgeiz entwickeln also auch die, die im Hintergrund agieren.

Bis Sonnabend muss das Studio fertig sein, dann folgt eine Generalprobe. Dabei wird Schönenborn von einem sogenannten Lichtdouble vertreten, also einem Mann, der in etwa seine Statur hat. Wenn der echte Moderator dann am Sonntag die Zuschauer begrüßt und bestens ins Licht gesetzt ist, kann man kaum ahnen, wie viel Arbeit hinter den Kulissen dazu erforderlich ist.

Am Sonntagabend, so viel steht fest, wird es hektisch werden im Landtag, man kennt das mittlerweile von vielen Wahlen. Die Fernsehsender und Printjournalisten werden sich um die hochkarätigen Interviewpartner balgen, und die Spitzenkandidaten David McAllister und Stephan Weil werden wieder Helfer brauchen, die ihnen den Weg durchs Getümmel in die Studios bahnen. Für Reins und ihre Kollegen wird es dann ruhiger zugehen. Sie sind erst danach wieder gefragt: Das Studio muss abgebaut, verladen und nach Köln zurückgebracht werden. Auf Wiedersehen dann in München, bei der bayerischen Landtagswahl.

16.01.2013
Heike Manssen 16.01.2013