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Landtagswahlen Schaumburger Kernland besser im Fokus
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00:16 23.01.2013
Wer macht das Rennen? Im Kreishaus herrscht permanent reges Interesse daran, einen Blick in die Ergebnislisten zu erhaschen.
Wer macht das Rennen? Im Kreishaus herrscht permanent reges Interesse daran, einen Blick in die Ergebnislisten zu erhaschen. Quelle: rg
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Landkreis (vin)

Zwei Christdemokraten, Otto Deppmeyer und Karsten Heineking, sowie zwei SPD-Politiker, Karsten Becker und Grant Hendrik Tonne, werden den Landkreis in Niedersachsen vertreten. Nachdem Tonne im Wahlkreis Nienburg/ Schaumburg erneut gegen Heineking unterlegen ist, zieht er über den fünften Listenplatz sicher in den Landtag ein.

 Doch etwas Entscheidendes ist seit gestern anders. Mit Karsten Becker ist der Kernlandkreis in einer Regierungsfraktion vertreten. Bislang vertraten Deppmeyer und Heineking Schaumburger Interessen in dieser Position. Doch Beide wohnen nicht im Landkreis, die Schaumburger Bevölkerung macht nur einen geringen Anteil ihrer Wahlkreise aus.

 Bleibt es bei dem knappen Vorsprung für Rot-Grün auf Landesebene, hat Schaumburg einen Fürsprecher in der Regierung, der die Belange der Bevölkerung vor Ort gut kennt.

 Bei einer rot-grünen Landesregierung könnte sich außerdem die Grünen-Politikerin Anja Piel wirkungsvoll für die Schaumburger Bevölkerung einsetzen. Die in Fischbeck an der Grenze zu Schaumburg wohnende Spitzenpolitikerin hat betont, sich auch als Schaumburgerin zu fühlen und sich besonders für die Belange der Menschen hier einzusetzen.

 Während Karsten Becker neu in den Landtag einzieht, wird sich Heiner Bartling nach 27 Jahren von der landespolitischen Bühne verabschieden. Der ehemalige SPD-Innenpolitiker unterlag im Wahlkreis 38 Hameln/Rinteln gegen Otto Deppmeyer.

 Bemerkenswert sind auch die Entwicklungen der kleinen Parteien. Die Grünen machten gerade bei den Erststimmen einen kräftigen Schritt nach vorn. Die FDP und die Linken hingegen wandelten bei den Erststimmen unter ferner liefen. Die Liberalen haben bei den Zweitstimmen, wie auch auf Landesebene, satt dazu gewonnen.

 Langt es am Ende in Hannover für eine rot-grüne Koalition, könnte die Wirkung für den Landkreis im niedersächsischen Landtag mit Karsten Becker und Anja Piel kräftiger werden. Das könnte bei künftigen Entscheidungen von Vorteil sein.

„Mir war klar, dass es eine knappe Sache wird“

„Sehr erfreut“ zeigte sich Otto Deppmeyer (CDU) über seinen erneuten Wahlsieg. „Mir war schon vorher klar, dass es sowohl in Niedersachsen als auch bei uns in Hameln und Rinteln eine knappe Sache wird“, sagte der Christdemokrat gestern im Gespräch mit der SN. Die ersten Hochrechnungen verfolgte Deppmeyer von zu Hause. Als sein Sieg über Heiner Bartling so gut wie sicher war, machte er sich auf den Weg zu Wahlkampfhelfern. „Der Abstand zwischen mir und dem Kontrahenten der SPD ist kleiner geworden. Das ist der einzige Wehmutstropfen.“ Überrascht über die Niederlage Bartlings ist Deppmeyer nicht. „In Rinteln hat er vielleicht einen Namen, aber hier in unserer Region nicht.“
Bartling war gestern nicht zu erreichen.

Deppmeyer tritt zweite Amtszeit an

Erneuter Wahlerfolg für Otto Deppmeyer: Der Landtagsabgeordnete der CDU setzte sich im Wahlkreis 38 Hameln/Rinteln mit 16 819 Erststimmen (40,22 Prozent) gegen Heiner Bartling (SPD) durch. Der ehemalige Innenminister kam mit 16 548 Stimmen auf 39,57 Prozent.
Wie auch auf Landesebene war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Christdemokraten aus Hemering und dem Sozialdemokraten aus Steinbergen. Erst um 21.23 Uhr stand das vorläufige Gesamtergebnis fest. Die beiden Kandidaten trennten gerade einmal rund 250 Erststimmen. Nach 27 Jahren im Niedersächsischen Landtag wird Heiner Bartling nun die politische Landesbühne verlassen. Otto Deppmeyer tritt nun seine zweite Amtszeit als Landesabgeordneter an.
Während die CDU und SPD an Erststimmen zulegte, verloren die Christdemokraten 5,45 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen. Die Sozialdemokraten legten im Wahlkreis 38 um 3,81 Prozentpunkte zu.
Einen großen Erfolg konnte die Grünen-Kandidatin Anja Piel gestern feiern. Sie erreichte 11,44 Prozent der Erststimmen und legte damit um 4,08 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2008 zu. Bei den Zweitstimmen konnten sich die Grünen um 5,10 Prozentpunkte steigern.
Die Linke verlor sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen kräftig an Prozentpunkten. 1461 Wählen machten ihr Kreuz bei Bernd Mex. Das ist ein Minus von 4,01 Prozentpunkten. Bei den Zweitstimmen verlor die Linke 4,59 Prozentpunkte.
Die Liberalen kamen bei den Zweitstimmen auf 9,68 Prozent, ein Plus von 1,25 Prozentpunkten.
Die Wahlbeteiligung lag in Hameln und Rinteln bei 53,59 Prozent und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von etwa 60 Prozent. 19 555 Bürger weniger beteiligten sich an der Wahl der Landesregierung. Von 79 211 Wahlberechtigten gaben lediglich 42 451 ihre Stimme ab.

Wahlbeteiligung ist im Landkreis gestiegen

Im Vergleich zur Landtagswahl 2008 sind mehr Bürger im Landkreis wählen gegangen. Das belegen die Zahlen der einzelnen Wahlkreise. Allein im Kernland, dem Wahlkreis 37, stieg die Zahl der Wähler um knapp zwei Prozentpunkte auf 59,03 Prozent. Von 84 204 Wahlberechtigten gingen 49 708 zur Urne oder schickten ihren Stimmzettel per Post. Dieses Ergebnis passt zum Landesdurchschnitt, der bei etwa 60 Prozent liegt. 667 ungültige Erst- und 618 ungültige Zweitstimmen wurden im Wahlkreis 37 festgestellt.
Im Wahlkreis 39 Nienburg/Schaumburg durften 72 038 Bürger ihre Kreuze setzen. Genutzt haben das 43 195 Wähler – eine Wahlbeteiligung von 59,96 Prozent. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren waren es 3,63 Prozentpunkte weniger. 562 ungültige Erst- und 533 ungültige Zweitstimmen wurden gezählt.
Im Wahlkreis 38 Hameln/Rinteln war die Wahlbeteiligung hingegen rückläufig. Sie lag bei 53,59 Prozent und damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Von 79 211 Wahlberechtigten traten nur 42 451 den Gang zur Urne an. Das macht ein Minus von 4,38 Prozentpunkten im Vergleich zur Landtagswahl 2008.

Kommentar: Mut auf der Hinterbank
von SN-Chefredakteur Uwe Graells

Dramatisch. Das Wort des Abends war auch im Kreishaus, der offiziellen Wahlzentrale, an allen Ecken und Enden zu hören. Die Blicke richteten sich dabei aber nicht auf die beiden Schaumburger Kontrahenten Karsten Becker (SPD) und Mike Schmidt (CDU), sondern immer wieder auf das TV-Gerät mit den Hochrechnnungen für das Gesamtergebnis in Hannover. Der Wahlkreis 37, so hatte es den Eindruck, spielte eine Nebenrolle. Kein Wunder, sehr früh war klar: Karsten Becker, Schaumburgs SPD-Chef, ist am Ziel. Er sitzt im neuen Landtag.
Schmidt, der junge CDU-Herausforderer, ist im ersten Anlauf gescheitert. Auf ein Neues in fünf Jahren, wird er sich sagen. Er sollte aber schnell seine Lehren aus seinem Wahlkampf ziehen. Auch mit einem noch so forschen Auftreten kann man fehlende Bekanntheit nicht kompensieren. Selbst der Besuch von Kanzlerin Merkel ein paar Tage vor der Wahl half nicht. Bei den Erststimmen verlor Schmidt für die CDU spürbar im Vergleich zur 2008er Wahl. Wenn er sein Engagement ernst meint, muss er zusehen, dass er in den nächsten Jahren eine Rolle in der Schaumburger CDU spielt. Aber wie? Im Kreistag sitzt er nicht. Und im Kreisvorstand auch nicht. Er ist lediglich ein (See-)Provinzler.
Karsten Becker ist am Ziel seiner Träume. Er tauscht seinen Schreibtischstuhl im Innenministerium gegen einen Sessel im Landesparlament – mutmaßlich in den hinteren Reihen. Becker wird sich schnell finden müssen, wenn er Schaumburger Interessen mit Gewicht vertreten will. Für ihn ist der Landtag Neuland, vernetzt in der SPD-Fraktion oder gar der Landesspitze der Partei ist er nicht. Und dann ist auch noch SPD-Urgestein Heiner Bartling im Wahlkreis 38 gegen Otto Deppmeyer (CDU) auf der Strecke geblieben. Becker muss damit auf einen Schaumburger verzichten, der als ehemaliger Minister und Fraktionsgeschäftsführer alle Türen für den Neuling hätte öffnen können.
So wird Becker auf sich alleine gestellt bleiben. Er hat aber einen Trumpf in der Hand: Auch als Hinterbänkler kommt es auf ihn an. Nach dem letzten Stand geht Rot-Grün mit einer Stimme Mehrheit in die neue Wahlperiode. Beckers Stimme ist also überlebenswichtig für den Machterhalt. Das eröffnet für ihn und damit für seinen Wahlkreis viele Chancen. Becker wird aber vor allem eines haben müssen: Mut. Denn ein Thema wird ganz sicher auf die Agenda kommen. An einer Gebietsreform führt kein Weg vorbei. Und da ist ein mutiger Becker wichtig.

Ergebnisse der Landtagswahl für die Wahlkreise 37, 38 und 39 sowie der Samtgemeindebürgermeisterwahl in Niedernwöhren am 20. Januar 2013 (738 kB)