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Politik Bürgerinitiativen protestieren gegen neue Ökostromtrassen
Nachrichten Politik Bürgerinitiativen protestieren gegen neue Ökostromtrassen
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15:00 17.11.2010
Von Margit Kautenburger
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Neue Höchstspannungsmasten für den Ökostrom sind unbeliebt. Quelle: dpa
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Der Bau neuer „Stromautobahnen“ stößt auf heftigen Widerstand, allein in Südniedersachsen protestieren 15 Bürgerinitiativen gegen die vorgesehenen Freileitungen. Doch der Bedarf an neuen Höchstspannungstrassen wächst, weil immer mehr Strom aus Wind, Sonne und Biomasse produziert wird. Nach der neuen Netzstudie der Deutschen Energieagentur (Dena), die in Kürze veröffentlicht wird, sind bis 2020 rund 3600 Kilometer an neuen Leitungen in die Ballungszentren nötig. 2005 war in der ersten Dena-Netzstudie ein Bedarf von 850 Kilometern bis 2015 errechnet worden. Gebaut sind davon erst knapp 100 Kilometer.

„Norddeutschland wird zugepflastert“, warnt Norbert Braun, Sprecher der Bürgerinitiative „Vorsicht Freileitung!“ Bad Gandersheim, die sich gegen den Bau der geplanten etwa 200 Kilometer langen Freileitung von Wahle bei Peine nach Mecklar in Nordhessen wehrt. Die Anwohner befürchten eine Verschandelung der Landschaft durch die Megamasten sowie gesundheitliche Gefahren. „Wir sind nicht generell gegen neue Leitungen für den Ökostrom“, erklärt Braun. Aber es müsse sorgfältig geprüft werden, ob wirklich zusätzlich 3600 Kilometer nötig seien. Wenn es keine andere Lösung gebe, dann müssten die Kabel komplett unterirdisch verlegt werden. Andernfalls werde es überall Konflikte geben, „dann ist die Hölle los“, sagt Braun.

Die Dena-Studie gilt als Masterplan für den Ausbau der Stromtrassen. In dem 600 Seiten starken Bericht rechnet die Agentur mit einer Steigerung des Ökoenergieanteils von derzeit 17 auf bis zu 40 Prozent 2020. Rund sechs Milliarden Euro wird danach der Netzausbau bis 2020 kosten, vorausgesetzt es werden 380-Kilovolt-Freileitungen errichtet. Die Dena hat zwei weitere Optionen geprüft. Bei einer Erdverkabelung, wie sie die Bürgerinitiativen fordern, lägen die Kosten demnach um das Neunfache höher. Umweltschützer bezweifeln diese Zahl allerdings. Eine andere Variante bestände darin, die Stromtrassen mit Hochtemperaturseilen aufzurüsten. Das würde deren Kapazität verdoppeln, es würden nur 1500 Kilometer neue Leitungen gebraucht. Diese Alternative käme doppelt so teuer wie die Basisvariante.

Wegen der Konflikte um die Leitungen kommt der Netzausbau nur schleppend voran. Die Bundesregierung fordert eine Beschleunigung. Der Umweltverband BUND warnt vor „Stimmungsmache“ gegen die Bürgerinitiativen und stellt den prognostizierten Bedarf an Leitungsneubauten infrage. Der Stromverbrauch wachse nicht mehr. Nur wenn zusätzlich zum Ökostrom große Mengen an Kohle- und Atomstrom durchgeleitet würden, entstünden Probleme.