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Politik Trittin kehrt nach Schwächeanfall ohne Pause zurück
Nachrichten Politik Trittin kehrt nach Schwächeanfall ohne Pause zurück
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22:26 22.10.2010
Jürgen Trittin bei der Diskussionsveranstaltung am Donnerstag in Northeim.
Jürgen Trittin bei der Diskussionsveranstaltung am Donnerstag in Northeim. Quelle: Hubert Jelinek
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Jürgen Trittin mutet sich einiges zu. Nach seinem Schwächeanfall auf einer Podiumsdiskussion der IG Metall in Northeim am Donnerstagabend will der Bundestags-Fraktionschef der Grünen schon am Sonnabend wieder Termine wahrnehmen. „Er hat sich schon wieder berappelt“, sagte eine Fraktionssprecherin, und es klang erleichtert. Lediglich ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Berlin habe Trittin am Freitag abgesagt.

Auch wenn sie den Vorfall in Northeim herunterspielen, die Sorge der Grünen um den 56-Jährigen Spitzenpolitiker, der Anfang des Jahres einen Herzinfarkt erlitten hatte, ist groß. In seiner Familie gebe es eine Veranlagung zu der Krankheit, hatte Trittin damals berichtet. Natürlich habe jeder zunächst wieder an das Schlimmste gedacht, ist aus Trittins Umfeld zu hören. Doch außer Anzeichen eines grippalen Infekts hätten die Ärzte nichts festgestellt. Nach einer Nacht im Göttinger Uni-Klinikum machte sich Trittin am Freitagmorgen wieder auf den Weg nach Berlin.

Sein Schwächeanfall dürfte dem Fraktionsvorsitzenden äußerst ungelegen kommen. Ausgerechnet in einer Phase, in der die Grünen zum Höhenflug ansetzen, zeigt sich ihr Spitzenmann angeschlagen. Er dürfte Spitzenkandidat für der Bundestagswahl 2013 sein. Sogar bei Spekulationen über einen möglichen eigenen Kanzlerkandidaten der Grünen fällt der Name Trittin.

Die Last der Verantwortung ruht bei den Grünen auf nur wenigen Schultern. So wird es eng, wenn künftig viel mehr Toppositionen zu besetzen sein könnten. Wenn sich Renate Künast, derzeit neben Trittin zweite Fraktionschefin, im Herbst 2011 in Berlin zur Wahl stellt, wäre Trittin unangefochtene Nummer eins. Die beiden Parteivorsitzenden, Claudia Roth und Cem Özdemir, müssen sich in den anstehenden Landtagswahlkämpfen bewähren. Das Gesicht der Grünen-Opposition im Parlament ist Trittin. Als ehemaliger Bundesumweltminister und Bundesvorsitzender hat er zudem die meiste Erfahrung aufzuweisen. Diesen Erwartungsdruck bekommt Trittin deutlich zu spüren. Er tingelt von Talkshow zu Talkshow, von einer Diskussionsveranstaltung zur nächsten. Als angriffslustiger, aber humorvoller Gesprächspartner ist er gefragt. Galt Trittin früher als arrogant und unterkühlt und war einer der unbeliebtesten Politiker, hat er sein Image inzwischen komplett verändert. Auch mit dem Joghurt-Tortenangriff in Hannover ist er kürzlich souverän umgegangen.

Mag sein, dass diese Anforderungen der Politikmaschine Trittin doch mehr zu schaffen machen, als er sich selber eingesteht. Wie viel Ärger sein Herz vertrage, wurde er nach seiner Genesung im Frühjahr gefragt. „Das greift mein Herz nicht an“, versicherte er. „Im Gegenteil, wenn ich mir Politik verkneifen würde, wäre das negativer Stress.“

Margit Kautenburger