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Deutschland / Weltweit Klagen über schlechte Bankberatung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Klagen über schlechte Bankberatung
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23:00 22.12.2013
Von Reinhard Urschel
Fast 11.000 Kunden haben sich in diesem Jahr von ihrem Geldinstitut schlecht beraten gefühlt.
Fast 11.000 Kunden haben sich in diesem Jahr von ihrem Geldinstitut schlecht beraten gefühlt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Berlin

Das geht aus einer Auflistung des Bundesfinanzministeriums hervor, die der HAZ vorliegt. Bankkunden sehen sich generell im Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen) schlechter beraten als im Süden der Republik. Den Schaden durch Falschberatung bei Finanzprodukten schätzen Experten auf 30 bis 50 Milliarden Euro.

Mithilfe eines neuen Melderegisters sollen Kleinkunden seit November 2012 besser vor Falschberatung bewahrt und der Anlegerschutz gestärkt werden. Im Vorfeld der Finanzkrise hatten Banken massenhaft riskante Zertifikate der US-Pleitebank Lehman verkauft – auch an risikoscheue Anleger. Die Zahl der Beschwerden legt nahe, dass in diesem Jahr an jedem Öffnungstag der Geldinstitute fast 50 Kunden schlecht oder gar falsch beraten worden sind – auch bei ihrer Altersvorsorge.

Obwohl es gesetzlich vorgesehen ist, hat die Bundesregierung im ersten Jahr der neuen Regelung keine Bußgelder verhängt – bis zu 200 000 Euro sind möglich. Die Verbraucherexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, die die aktuelle parlamentarische Anfrage gestellt hatte, sieht darin einen großen Nachteil: „Ich finde es bezeichnend, dass die Bundesregierung sich scheut, Sanktionen gegenüber Banken auszusprechen. Ohne ein staatliches Durchgreifen mit Bußgeldern werden Kunden auch weiterhin schlechte und unpassende Finanzprodukte angedreht.“
In dem neuen Melderegister sind die Namen aller Bankberater in Deutschland sowie die ihrer Vorgesetzten aufgelistet, insgesamt mehr als 180 000 Personen. Die Banken müssen unabhängig von ihrer Stichhaltigkeit sämtliche Kundenbeschwerden an die Bafin weiterleiten. Die Aufseher ordnen sie den einzelnen Beratern und Filialen zu, um eingreifen zu können, wenn sich Beschwerden häufen. Die Finanzbranche steht dem Register ablehnend gegenüber.

Nicht alle Beschwerden sind stichhaltig. Mancher Kunde ärgere sich nur, dass seine Aktie gefallen sei, heißt es von seiten der Banken. Bei näherem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass Banker laut Beratungsprotokoll nicht nach Risikobereitschaft, Einkommen oder Vermögen ihres Kunden gefragt haben.

Nach Einschätzung von Bärbel Höhn sind die bestehenden Regelungen lückenhaft, oder Verstöße werden wie beim Beschwerderegister einfach nicht geahndet: „Wenn es um Gewinnmargen geht, helfen keine frommen Gespräche zwischen Aufsichtsbehörden und Vertriebsverantwortlichen in den Banken.“

Carola Böse-Fischer 22.12.2013