Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit 500 Flüge fallen heute aus – auch in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit 500 Flüge fallen heute aus – auch in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 21.03.2013
Foto: Am Donnerstag wird es aufgrund von Warnstreiks von Lufthansa-Mitarbeitern auf sieben deutschen Flughäfen zu Behinderungen im Flugverkehr kommen.
Am Donnerstag wird es aufgrund von Warnstreiks von Lufthansa-Mitarbeitern auf sieben deutschen Flughäfen zu Behinderungen im Flugverkehr kommen. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin/Frankfurt

An mehreren deutschen Flughäfen hat der Verdi-Warnstreik bei der Lufthansa begonnen. Am frühen Donnerstagmorgen legten Beschäftigte der Airline in Frankfurt, München und Düsseldorf die Arbeit nieder, wie Sprecher der Gewerkschaft und von Lufthansa bestätigten. „Da der Streik vorher angekündigt war, konnten sich die Fluggäste zum Glück darauf einstellen. Lange Schlangen an den Schaltern bilden sich derzeit noch nicht“, sagte Verdi-Sprecher Gerold Schaub am Morgen in Frankfurt. 

Auch an weiteren Flughäfen waren Warnstreiks geplant. Schwerpunkt der Aktionen sollte die größte Lufthansa-Basis in Frankfurt sein. Die Fluggesellschaft hatte bereits vorsorglich für diesen Donnerstag knapp 700 Verbindungen gestrichen. Betroffen sind nahezu alle Flüge in Deutschland und Europa. Der Interkontinentalverkehr sollte nach Möglichkeit aufrechterhalten werden, hieß es am Morgen bei Lufthansa. Kunden erhalten mehr Informationen auf der Homepage des Konzerns oder unter (069) 8679-9799.

Langstreckenverbindungen von Frankfurt, München und Düsseldorf sollten nach Möglichkeit stattfinden, teilte das Unternehmen mit. Die Passagiere werden gebeten, sich über die Internet-Seite www.lufthansa.com über den Status ihrer Buchung zu informieren. Die Gesellschaft verschickte nach Angaben eines Sprechers auch tausende Mails und Kurznachrichten, um ihre Kunden zu informieren. Auf innerdeutschen Verbindungen können die Lufthansa-Tickets über die Homepage einfach in Bahnfahrkarten umgewandelt werden. Grob wird mit mindestens 50 000 betroffenen Fluggästen gerechnet.

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für rund 33 000 Lufthanseaten vor allem aus den Technik- und Serviceeinheiten. Verdi will vor der für Freitag geplanten zweiten Verhandlungsrunde den Druck erhöhen. Der Aufruf zum Ausstand sei von den Beschäftigten „breit angenommen“ worden. Schaub zeigte sich zuversichtlich, dass die Aktion „Wirkung zeigen wird“. Die Gewerkschaft verlangt 5,2 Prozent mehr Geld und Kündigungsschutz. Lufthansa hat hingegen von den Arbeitnehmern Nullrunden und längere Arbeitszeiten als Sparbeiträge gefordert. Ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete den Warnstreik als „völlig überflüssig und unverhältnismäßig“.

Janine Peltier von Verdi Hamburg sieht angesichts der unterschiedlichen Vorstellungen der Gewerkschaft und des Lufthansa-Konzerns derzeit kaum Chancen für eine schnelle Einigung. „Wir empfinden die Forderung vom Arbeitgeber auch als Provokation gegenüber der Gewerkschaft. Wenn wir jetzt nicht Stärke zeigen, dann wird das ganz, ganz schwierig, sich überhaupt zu einigen.“

Die Positionen in dem Tarifkonflikt sind bislang weit voneinander entfernt. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle warf dem Unternehmen vor, die Gespräche unnötig zu belasten: „Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber und ihre Gegenforderungen zu Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung sind eine Provokation, die bei den Lufthanseaten zu starker Unruhe und Verärgerung geführt hat.“

Verdi verlangt für die Beschäftigten, die nicht von Sparten-Gewerkschaften vertreten werden, 5,2 Prozent mehr Geld und Schutz vor Entlassungen im Rahmen der Umstrukturierung des Konzerns. Die Lufthansa hat hingegen im Rahmen des Sparprogramms „Score“ Beiträge der Beschäftigten zur Verbesserung der Produktivität gefordert. Laut Verdi hat sie längere Arbeitszeiten, die Aussetzung von Stufensteigerungen und eine zweijährige Nullrunde verlangt.

Zuletzt hatten im vergangenen September die Flugbegleiter unter Führung der Gewerkschaft Ufo bei der Lufthansa den bislang härtesten Streiktag mit über 1000 Flugausfällen verursacht. Die festgefahrenen Verhandlungen wurden schließlich mit Hilfe des Schlichters Bert Rürup beigelegt. Auch mit den Piloten und ihrer Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) steckt die Lufthansa derzeit in schwierigen Tarifverhandlungen.

Der Lufthansa-Konzern äußerte sich zunächst nicht inhaltlich zu den bevorstehenden Warnstreiks. Vor Verhandlungsbeginn hatte Passage-Personalvorstand Peter Gerber aber den Zusammenhang der Tarifverhandlungen mit dem ambitionierten Sparprogramm „Score“ betont: „Und deshalb dürfen wir das, was wir durch die vielen Projekte einsparen und zusätzlich erwirtschaften, nicht sofort für Tarifabschlüsse ausgeben.“ Das Kabionenpersonal hat aus Sicht der Lufthansa mit dem Schlichtungsergebnis bereits seinen Beitrag abgeliefert.

Verdi-Vertreter Behle warb bei den Fluggästen um Verständnis für die Streikfolgen. Die Ankündigung sei bereits am Mittwoch erfolgt, damit sich jeder darauf einstellen könne. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, betonte jedoch: „Erneut wird ein Interessenskonflikt von Tarifparteien auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen.“ An den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg war es diesem Jahr bereits unabhängig vom Lufthansa-Tarifkonflikt an mehreren Tagen zu Flugausfällen gekommen, weil das private Sicherheitspersonal in den Ausstand trat.

Folgende Flüge aus Hannover sind betroffen:

Flugnummer

Abflug

Ankunft

LH2105

06:30 Hannover

07:45 München

LH049

06:45 Hannover

07:50 Frankfurt/Main

LH2088

06:50 München

08:00 Hannover

LH048

08:05 Frankfurt/Main

09:00 Hannover

LH2089

08:45 Hannover

10:00 München

LH2092

09:15 München

10:25 Hannover

LH053

09:35 Hannover

10:40 Frankfurt/Main

LH050

10:00 Frankfurt/Main

10:55 Hannover

LH2094

11:00 München

12:10 Hannover

LH2093

11:10 Hannover

12:25 München

LH055

11:30 Hannover 

12:35 Frankfurt/Main

LH052

13:10 Frankfurt/Main

14:05 Hannover

Eine Übersicht aller gestrichener Flüge.

Was steht Opfern des Warnstreiks zu?

Fallen Flüge wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung sorgen. Das kann in der Praxis sowohl eine Umbuchung auf die Bahn oder einen anderen Flug bedeuten. Wie schnell das passieren muss, ist laut dem Reiserechtler Paul Degott allerdings umstritten.

Auf innerdeutschen Strecken habe sich eingebürgert, dass Passagiere auf die Bahn umgebucht werden. Das hat auch die Lufthansafür den Warnstreik am Donnerstag angekündigt. „Innerdeutsch reisende Fluggäste, deren Flüge aufgrund des Streiks gestrichen wurden, können Züge der Bahn nutzen“, sagte ein Sprecher. Dazu müssten Passagiere ihr Ticket im Internet oder an einem Check-in-Automaten in einen Reisegutschein umwandeln. Ist das aus zeitlichen Gründen nicht möglich, könnten Betroffene auch einen Bahnfahrschein kaufen. Die Lufthansa ersetze dann später den Wert des Flugtickets - unabhängig davon, wie viel das Bahnticket gekostet hat.

Etwas schwieriger ist die Situation bei Flügen zu Zielen außerhalb Deutschlands. Passagiere würden auf Alternativflüge umgebucht, so der Lufthansa-Sprecher. Dabei kämen auch andere Airlines in Betracht. Wie lange Passagiere jedoch auf einen Alternativflug warten müssen, ist laut Degott unklar. Die EU-Fluggastrechteverordnung spreche lediglich von einer angemessenen Wartezeit. Bei wichtigen Terminen sollten Passagiere das Lufthansa-Personal kontaktieren. Unter Umständen dürfe der Reisende sich dann auch selbst um einen Ersatzflug kümmern und die Kosten der Lufthansa in Rechnung stellen, erklärt Degott. Das gelte zum Beispiel, wenn die Reise durch eine längere Verzögerung zwecklos werde.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.