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Deutschland / Weltweit 5G-Auktion: Newcomer 1&1 mischt die Mobilfunkbranche auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit 5G-Auktion: Newcomer 1&1 mischt die Mobilfunkbranche auf
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16:01 11.04.2019
Der neue 5G-Standard soll sehr schnelles mobiles Internet ermöglichen. Quelle: dpa
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Jetzt ist es doch passiert. Die Gebote bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen sind über die Schwelle von fünf Milliarden Euro gesprungen. Nach der 177. Runde hatten sich die vier Unternehmen am Donnerstagnachmittag auf Gebote mit einer Gesamtsumme von 5,14 Milliarden Euro hochgeschraubt. Der maßgebliche Grund für den unerwarteten Wettstreit der Bieter: Mit 1&1 Drillisch hat ein Newcomer die Bühne betreten, der die Mobilfunk-Branche in den nächsten Jahren ziemlich aufmischen dürfte. Bislang betreiben nur die Deutsche Telekom, Telefonica/O2 und Vodafone Funknetze für Smartphones.

Im Vorfeld der Auktion hatte es in Bieterkreisen immer wieder geheißen, dass man die Kosten für die Erlaubnis zum Funken begrenzen wolle, weil auf die Unternehmen noch ein sehr kostspieliger Ausbau der Netze zukommt. So müssen die Erwerber der Lizenzen bis 2022 mit ihren Netzen 98 Prozent der Haushalte, alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde versorgen, was weitgehend mit der etablierten 4G-Technik umgesetzt wird.

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Ein Großteil der Experten taxierte, dass zwei bis vier Milliarden Euro bei der Auktion zusammenkommen. Von den Mobilfunkunternehmen war immer wieder zu hören, dass mit den fünf Milliarden eine Schmerzgrenze erreicht werde, über die man tunlichst nicht hinausgehen wollte. Nun wird der Staatskasse doch noch ein heftigen Geldregen beschert, wobei die Einnahmen für den Ausbau der Telefon-Festnetze eingesetzt werden sollen.

Die drei etablierten Betreiber der Mobilfunknetze waren sich eigentlich schon vor Beginn der Versteigerung weitgehend einig, wer welche Stücke vom Kuchen bekommen soll. Jedes Unternehmen braucht eine bestimmte Anzahl von Frequenzabschnitten, um künftig seine Kunden mit der neuen superschnellen Mobilfunktechnik versorgen zu können, die bis zu 100 Mal schneller als 4G sein soll, aber frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts flächendeckend zur Verfügung stehen wird. Auch wusste jeder Bieter, was die anderen benötigen.

1&1 Drillisch überraschte die Konkurrenz

Man hätte sich also auch an einen Tisch setzen und die Frequenzblöcke untereinander aufteilen können. Doch dann kam relativ spät und überraschend Drillisch hinzu – ein Unternehmen, das bislang keine eigenen Mobilfunknetze hat und stattdessen Netz-Kapazitäten bei den drei anderen Unternehmen zu Großhandelskonditionen einkauft und sie an seine Kunden weitergibt.

Zunächst wurde vermutet, dass das Unternehmen sich auf eine Art Wadenbeißer-Rolle beschränkt, damit droht, die Preise nach oben zu treiben, um so den Boden für günstige Konditionen bei künftigen Geschäften mit den großen Drei zu bereiten. Drillisch preschte dann auch gleich in der ersten Runde mit hohen Geboten vor, die zu dieser Strategie passen würden. Doch mehr als 170 Runden später ist klar: Drillisch macht Ernst, will sich als neuer Netzbetreiber durchsetzen.

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Die Bundesnetzagentur hat als zuständige Behörde insgesamt 41 Frequenzblöcke im Angebot. Auf alle können die Vier in jeder Runde gleichzeitig bieten, sie wissen aber nicht, was die anderen tun. Kommen keine Gebote mehr, ist die Auktion beendet.

Am wertvollsten sind zwölf Abschnitte im Spektrum von zwei Gigahertz. Sie haben eine hohe Reichweite. Ein Mast kann unter idealen Bedingungen eine Fläche von fast fünf Kilometer im Umkreis abdecken. Hier gingen die Gebote am Donnerstagnachmittag bis zu rund 211 Millionen Euro für einen Frequenzblock. „Seit letztem Dienstag war klar, dass in diesem Bereich Telekom und Vodafone jeweils vier sowie Drillisch und Telefonica jeweils zwei Blöcke haben wollen“, sagte Professor Vitali Gretschko, Leiter der Forschungsgruppe Marktdesign beim Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

„Zermürbungskrieg“ zwischen den Anbietern

Erheblich heftiger umkämpft sind seit dem Beginn der Versteigerung am 19. März die 29 Blöcke im Frequenzbereich von 3,6 Gigahertz – die Reichweite der Funksignale liegt hier bei bestenfalls nur 1,5 Kilometer. „Die Verteilung war zwar auch hier schon relativ früh erkennbar“, betont Gretschko.

Doch dann sei die Situation eingetreten, dass einer der vier Bieter auf einen der von ihm eingeplanten Blöcke hätte verzichten müssen, um die Auktion zu beenden. Aber keiner aus dem Quartett wollte die Rolle des Verlierers übernehmen. Deshalb schossen die Gebote plötzlich in die Höhe. Innerhalb weniger Tage wurde zunächst die Vier- und kurz darauf die Fünf-Milliarden-Hürde genommen.

Es sei ein typisches Verhalten zu erkennen gewesen, so Gretschko, das dem Prinzip eines War of Attrition gehorche. Zu Deutsch in etwa: Zermürbungskrieg. Die Folge war auch, dass sich die Offerten für die einzelnen Blöcke zunächst sehr stark auseinanderentwickelten. Erst als die Eskalation sich ein wenig beruhigte, näherten sich die Preise wieder an. Sie bewegten sich am Donnerstag zwischen 97 und 109 Millionen Euro.

Auktion vor dem Ende?

Dies sei ein mögliches Zeichen, dass sich das Ende naht, hieß es in Bieterkreisen. Hinzu kam, dass die Gesamtsumme der Drillisch-Offerten bei rund einer Milliarde Euro lag. „Es könnte eine natürliche Grenze sein, an der die Kriegskasse des Unternehmens aufgebraucht ist“, sagte Gretschko dem RND. Was ein weiterer Faktor für einen baldigen Abschluss der Auktion wäre.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel