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Deutschland / Weltweit 5G-Versteigerung: Die wichtigsten Fragen und Antworten
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18:21 19.03.2019
Die Bundesnetzagentur versteigert ab Dienstag 41 Frequenzblöcke an verschiedene Anbieter. Die Auktion dürfte mehrere Wochen dauern. Quelle: Boris Roessler/dpa
Mainz 

Eine große Stoppuhr musste schon sein – auch wenn sie in den nächsten Wochen nicht wirklich gebraucht wird. So startete der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, mit einem Druck auf die symbolträchtige Stoppuhr eine Versteigerung, die nicht nur viel Geld bewegen, sondern vor allem die Technik-Landschaft verändern wird: Seit Dienstag geht es in Mainz um Funkfrequenzen für die neue superschnelle Mobilfunktechnik 5G.

Neben den drei großen Netzbetreibern (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica/O2) tritt 1&1-Drillisch an. Der Neueinsteiger hat dann auch gleich in der ersten Runde für einen Paukenschlag gesorgt und mit 207 Millionen Euro das bei Weitem höchste Gebot abgegeben. Das war ganz in Homanns Sinne: „Die Unternehmen sollen über ihr Bietverhalten zeigen, was ihnen die Frequenzen wert sind.“ Die Auktion wird wohl mehrere Wochen dauern.

5G wird den Mobilfunk revolutionieren. Es sollen ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, weil Daten mehr als hundertmal schneller übertragen werden können als bisher. Aber auch die Debatte über Sinn und Zweck der Auktion wird weitergehen. Denn erfolgreiche Bieter müssen sich verpflichten, bis Ende 2022 eine Reihe von Bedingungen zu erfüllen. Wir erklären, was es mit 5G auf sich hat.

Was bedeutet eigentlich 5G?

5G ist die Abkürzung für die fünfte Generation im Mobilfunk. Die Funknetze werden sich grundlegend von der bisher eingesetzten Infrastruktur unterscheiden. Ein Punkt ist die um ein Vielfaches höhere Bandbreite. So werden Downloads von Daten mit einer Geschwindigkeit von 10 000 Megabit pro Sekunde möglich. So lässt sich ein Spielfilm in HD-Qualität in zwei bis drei Sekunden auf ein Smartphone laden. Mit der aktuellen LTE-Technik sind 100 Megabit schon viel. Hinzu kommen bei 5G extrem kurze Verzögerungszeiten von weniger als einer tausendstel Sekunde. Das soll unter anderem chirurgische Eingriffe per Fernsteuerung ermöglichen.

Wie werden die ersten Anwendungen aussehen?

Die Technik wird zunächst vor allem in der Industrie eingesetzt – etwa zur Überwachung und Steuerung eines Chemiewerks oder für fahrbare Roboter, die Pakete für Onlinehändler in einer Lagerhalle zusammenstellen. Deshalb hat die Netzagentur auch bestimmte Frequenzen für Unternehmen reserviert, die lokal genutzt werden und bei der Versteigerung nicht unter den Hammer kommen.

5G: Wofür?

Ferngesteuerte Lastwagen und Chirurgie per Funk: Wofür braucht man 5G?

Was werden Verbraucher von 5G und der Versteigerung haben?

Neben geringeren Download-Zeiten bringt 5G überall da Vorteile, wo viele Menschen gleichzeitig mit ihren Smartphone Daten senden und empfangen – beim Open-Air-Konzert oder im Fußballstadion etwa. Mit großen 5G-Netzen wird es aber mutmaßlich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts dauern. Die Bundesregierung hat überdies beschlossen, dass die Auktion als Vehikel genutzt werden soll, um schnellen Mobilfunk auf dem Land durchzusetzen. Unternehmen, die Lizenzen ersteigern, müssen bis 2022 mit ihren Netzen jeweils 98 Prozent der Haushalte, alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit 100 Megabit pro Sekunde versorgen.

Wird damit das Problem der Funklöcher auf dem Land beseitigt?

Nein. Die Grünen haben hochgerechnet, dass 98 Prozent der Haushalte nur maximal 80 Prozent der Fläche bedeuten. Dünn besiedelte Gebiete etwa in Nordost-Deutschland oder im Bayerischen Wald werden dann noch immer kein schnelles mobiles Internet haben. Zudem genügt für die Vorgabe von 100 Megabit die bewährte LTE-Technik (4G). Sie hat den Vorteil, dass jeder Sendemast eine große Fläche abdeckt. Die Frequenzen aus der Versteigerung funken dagegen mit einer relativ hohen Frequenz, die Reichweite der Signale ist dadurch mit maximal fünf Kilometer relativ gering. Hinzu kommt, dass kein Hindernis im Weg stehen darf. Um größere Flächen abzudecken, müssten also erheblich mehr Sendemasten aufgestellt werden. Deshalb werden 4G und 5G noch viele Jahre parallel existieren.

Mit welchen Interessen gehen die vier Bieter ins Rennen?

Klar ist, dass die großen Drei sich mit ausreichend Frequenzen versorgen müssen, um ihre Marktpositionen zu halten. Doch keiner der Netzbetreiber ist so stark, dass er einen anderen verdrängen könnte. Experten hatten deshalb gemutmaßt, dass Telekom, Vodafone und Telefonica sich mehr oder weniger schiedlich und friedlich die 41 Frequenzabschnitte, die 40 Jahre lang genutzt werden dürfen, aufteilen würden. Doch sehr spät kam dann noch 1&1-Drillisch als Bieter hinzu.

Welche Strategie verfolgt der Newcomer?

Drillisch hat bislang kein eigenes Funknetz. Das Unternehmen vermarktet unter der Marke 1&1 Mobilfunkverträge, für die Leitungen angemietet werden. Der Aufbau eines eigenen Netzes würde gigantische Summen verschlingen. Deshalb vermuten Branchenkenner, dass Drillisch gar nicht an Frequenzen interessiert ist, sondern als eine Art Auktionsschreck agieren wird und mit mutigen Geboten droht, die Preise in die Höhe zu treiben. Das mögliche Kalkül: Telekom und Co. könnten dem kleineren Konkurrenten bei 5G-Mietgeschäften günstigere Konditionen gewähren, damit Drillisch seine Preistreiberei bei der Auktion aufgibt.

Wie wird überhaupt gesteigert?

Alle 41 Frequenzblöcke werden gleichzeitig aufgerufen. In einer ehemaligen Kaserne in Mainz sitzen die vier Bieterteams, die keinerlei Kontakt miteinander haben dürfen. In jeder Runde kann jedes Team für jeden Block ein Gebot abgeben. Danach wird die höchste Offerte publik gemacht. Wird für einen Block in einer Runde kein neues Gebot abgegeben, ist der Frequenzabschnitt an den Höchstbietenden aus der Vorrunde vergeben. Sind alle Blöcke verteilt, ist die Auktion beendet. In der Branche wird geschätzt, dass zwischen zwei und fünf Milliarden zusammenkommen könnten. Das Geld geht an den Staat, der es in die Förderung des Breitbandausbaus stecken will.

Wie können andere Mobilfunker an 5G-Technik herankommen?

Den Firmen wird vorgeschrieben, dass sie Konkurrenten die Möglichkeit einräumen müssen, ersteigerte Frequenzen gegen eine Gebühr mit zu nutzen. Gibt es beim Mietpreis keine Einigung, spielt die Netzagentur den Schiedsrichter. Aus Sicht der großen Drei schafft dies rechtliche Unsicherheit, weil nicht klar sei, was letztlich bei diesem Prozedere herauskommt – das Teilen von Frequenzen kann den Wert erworbener Lizenzen verringern. Die Konzerne zogen vergeblich vor Gericht, um die Versteigerung zu vertagen und neue Regeln und zu verhandeln.

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Welche Auswirkungen hat der Streit auf die Versteigerung?

Es bleibt erhebliche Unsicherheit. Die Versteigerung bringe nur „Schuldendruck und Umsatzrisiken“ für Netzbetreiber, kritisiert etwa die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie hat gefordert, die gesamte Versteigerung abzublasen und die Frequenzen kostenlos an die Netzbetreiber zu vergeben – mit der Auflage, den Mobilfunk auf dem Land rasch auszubauen. Denn: „Geld, das für die Auktion ausgegeben wird, kann nicht mehr in die Infrastruktur gesteckt werden.“

Was passiert, wenn ein Netzbetreiber die Auflagen nicht erfüllt?

Dann drohen Sanktionen. Allerdings ist die Netzagentur in der Vergangenheit pfleglich mit den Unternehmen umgegangen und hat den Netzausbau eher lax kontrolliert. Der Beirat der Agentur hat für 5G nun durchgesetzt, dass ein „wirksames und permanentes Monitoring“ realisiert wird. Es gelte auch, den „Bußgeldrahmen zu erweitern.“ Details sollen bis Mitte des Jahres beschlossen werden. Kritiker weisen aber schon jetzt darauf hin, dass ein Netzbetreiber lieber eine Strafe von 100 000 Euro zahlen würde, als eine Vorschrift umzusetzen, die ihn viele Millionen Euro kostet.

Von RND/dpa