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Deutschland / Weltweit Air Berlin kommt nicht aus der Krise
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Air Berlin kommt nicht aus der Krise
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21:26 26.10.2011
Hohe Treibstoffkosten und die Luftverkehrssteuer machen Air Berlin schwer zu schaffen.
Hohe Treibstoffkosten und die Luftverkehrssteuer machen Air Berlin schwer zu schaffen. Quelle: dpa
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Bei einem Umsatzzuwachs von fast 11 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro brach der operative Gewinn (Ebit) auf 96,8 Millionen Euro ein – vor einem Jahr waren es noch 171,7 Millionen Euro. Allerdings habe man damals auch positive Einmaleffekte von knapp 27 Millionen Euro verbuchen können, teilte das Unternehmen mit.

Unter dem Strich steckt Air Berlin tief in den roten Zahlen und sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 600 Millionen Euro – an der Börse gilt das Unternehmen als absturzgefährdet: Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 30 Prozent ihres Wertes verloren. Allein im ersten Quartal hat die Gesellschaft einen Verlust von rund 188 Millionen Euro eingeflogen, im zweiten Quartal wurden weitere 32 Millionen Euro verbrannt. Wie hoch das Minus im vergangenen Vierteljahr war, will Air Berlin erst Mitte November bei der Vorlage der Zwischenbilanz verraten.

Die neuesten Zahlen hat das Unternehmen am Dienstagabend weit nach Börsenschluss veröffentlicht. Sie waren an die Ankündigung gekoppelt, eine neue Anleihe zu begeben. Air Berlin möchte damit bis 150 Millionen Euro einsammeln, um eine Wandelanleihe, die im April 2012 von den Investoren angedient werden kann, zurückkaufen zu können. Für das neue Papier zahlen die Berliner stolze 11,5 Prozent Zinsen im Jahr – für die letzte, im April begebene Anleihe beträgt der Koupon 8,25 Prozent.

„Dieser Zinssatz spricht für sich“, sagte Luftfahrtexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Angesichts der aktuellen Zahlen sei bei Air Berlin „keine echte Besserung der Lage“ zu erkennen. Nach dem Ende der Sommersaison muss sich die Gesellschaft auf ein flaueres Geschäft einstellen. „Ein harter Winter und andere externe Schocks könnten zu schweren Verlusten im vierten Quartal 2011 führen“, warnte DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky. Sein Kollege Johannes Braun von der Commerzbank bezweifelt sogar, dass Air Berlin 2012 die Trendwende gelingt.

Um wieder profitabel zu werden, hat der neue Konzernchef Hartmut Mehdorn unter der Überschrift „Shape & Size“ ein Sparprogramm aufgelegt. Der Nachfolger des langjährigen Firmenpatriarchen Joachim Hunold will die Zahl der Flugzeuge von 170 auf 152 verringern, die Flugpläne ausdünnen, die Verwaltung verschlanken und so die Kosten um 200 Millionen Euro jährlich senken.

Mehdorn führt das Unternehmen seit September – und hat hohe Erwartungen geweckt. „Wenn überhaupt einer bei Air Berlin etwas reißen kann, dann er“, sagte Experte Pieper. Auch dank der neuen Anleihe laufe dem neuen Mann an der Spitze die Zeit nicht allzu schnell davon. Mit liquiden Mitteln von dann fast 500 Millionen Euro könne man auch einen schwachen Winter überstehen.

Jens Heitmann