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Deutschland / Weltweit Anleger vor harter Entscheidung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Anleger vor harter Entscheidung
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19:18 26.04.2012
Von Albrecht Scheuermann
Der Potsdamer Platz in Berlin ist die bekannte Immobilie des SEB-ImmoInvest.
Der Potsdamer Platz in Berlin ist die bekannte Immobilie des SEB-ImmoInvest. Quelle: dpa
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Hannover

Die vielen tausend Sparer, die ihr Geld in den Fonds SEB ImmoInvest investiert haben, stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Die SEB Asset Management will den Fonds demnächst für einen Tag öffnen. Sollten zu viele Anleger ihr Geld abziehen wollen, wird der Fonds jedoch sofort wieder geschlossen - und dann abgewickelt. Anderenfalls bleibt der Fonds zwar bestehen, aber die Anleger müssten längere Zeit warten, bevor sie an ihr Geld kommen.

Die Gesellschaft wolle die Investoren selbst über die Zukunft des Fonds entscheiden lassen, erläuterte die Geschäftsführerin der SEB Asset Management, Barbara Knoflach in einem Schreiben an die Kundschaft. Deshalb habe sich die Gesellschaft in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde entschieden, den seit mittlerweile fast zwei Jahren geschlossenen Fonds am 7. Mai für einen Tag wieder zu öffnen. Sofern die Kasse ausreicht, um alle an diesem Tag eingehenden Verkaufsaufträge zu erfüllen, bleibt der Fonds bestehen. Noch am Abend soll er dann jedoch auf neue gesetzliche Regeln umgestellt werden, die spätestens am 1. Januar 2013 für alle offenen Immobilienfonds gelten.

„Angesichts des unkalkulierbaren Liquiditätsbedarfes“ beschränkt die Gesellschaft die Verfügungsmöglichkeit der Anleger aber stärker, als es das Gesetz vorsieht. „Konnten Sie über Ihre Anteile bisher täglich verfügen, ist Ihnen dieses bis auf Weiteres nur noch jährlich möglich“, schreibt die Gesellschaft den Anlegern. Diese Einschränkung verschaffe ihr „genau jene Handlungsspielräume, die zu einer erfolgreichen Weiterführung des Fonds im Sinne seiner Anteilsinhaber benötigt werden“. Wann genau die Fondsinhaber wieder über ihre Anteile verfügen können, wenn der Fonds bestehen bleibt, blieb am Donnerstag jedoch offen.

Der SEB ImmoInvest ist mit einem Wert von zuletzt mehr als 6 Milliarden Euro einer der großen offenen Immobilienfonds. Er gehört zu den insgesamt 14 Immobilienfonds, die nach Ausbruch der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 die Rücknahme der Anteile einstellten. Längstens ist dies zwei Jahre möglich. Dann muss der Fonds entweder wieder öffnen und Anteile zurücknehmen, oder er wird abgewickelt. Dies passiert dann, wenn nicht genügend Geld vorhanden ist, um alle ausstiegswilligen Kunden zu bedienen. Sieben der 14 Fonds befinden sich schon in Abwicklung. Die Immobilien werden nach und nach verkauft, die Erlöse nach Abzug der Kosten an die Anleger ausgeschüttet.

„Die Chance zur Weiterentwicklung des Fonds besteht somit einzig und allein in Ihrer Entscheidung, von der Möglichkeit, Ihre Anteile zu verkaufen, keinen Gebrauch zu machen“, appellierte SEB Asset Management an die Kunden. Inzwischen habe man durch Verkäufe schon eine Kasse von mehr als 30 Prozent des Fondsvermögens aufgebaut.

Am 7. Mai entscheidet sich nun, ob dies ausreicht. Rückgabewillige Anleger müssen einen Abschlag von 5 Prozent auf den Anteilswert hinnehmen. Sollten zu viele von der Rückgabemöglichkeit Gebrauch machen wollen, wird kein Anleger bedient, um eine Gleichbehandlung aller Kunden sicherzustellen.

Fondsmanagerin Knoflach begründete die Entscheidung am Donnerstag: „Wir möchten unsere Anleger in die Entscheidung einbeziehen und die Gleichbehandlung aller Anleger sicherstellen. Wir sehen dies als den einzig gangbaren Weg an und glauben, dass wir eine Chance haben. Sonst hätten wir uns nicht für dieses Vorgehen entschieden.“