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Deutschland / Weltweit Apotheken beraten oft nur mangelhaft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Apotheken beraten oft nur mangelhaft
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19:50 22.04.2010
Auch in stationären Apotheken fühlten sich die Tester nicht immer optimal beraten.
Auch in stationären Apotheken fühlten sich die Tester nicht immer optimal beraten. Quelle: dpa
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Gute Beratung? Fehlanzeige bei vielen Apotheken. Elf von 50 geprüften Anbietern in Berlin, Essen, Nürnberg und Augsburg bekommen von der Stiftung Warentest die Note mangelhaft. Besonders Versandhändler schneiden schlecht ab, sind dafür aber häufig billiger als der Apotheker vor Ort.

Schlichtweg „miserabel“ nennt Hubertus Primus von der Stiftung Warentest vor allem die Testergebnisse der 23 Versender. Nur vier Anbieter beraten die Kunde wenigstens befriedigend, elf gerade mal ausreichend und acht mangelhaft. Damit hat sich die Qualität der Versender seit der letzten Studie vor drei Jahren drastisch verschlechtert. Auch der damalige Testsieger Sanicare und der Versandriese Doc Morris schnitten schlecht ab.

So weigerten sich acht Versender zum Beispiel wegen des höheren Aufwands, spezielle Medikamente wie Salben für die verdeckten Testkunden anzufertigen. Dazu sind die Anbieter laut Primus aber verpflichtet. Auch bei drei Testfällen zur Beratung, wo die Wechselwirkung von bestellten Arzneien zu beachten war, versagten gleich vier Versender komplett: Apotal, Sanicare, zur Rose und Euroapo 24.

Gut geklappt habe dagegen der Versand selbst, betont die Stiftung Warentest. Meist wurde die Arznei in ein bis drei Tagen geliefert. Auch der Datenschutz bei den Anbietern sei akzeptabel. Beste Versender waren noch mediherz.de und mycare.de.

Deutlich verbessert hat sich dem Test zufolge der Service bei den stationären Anbietern. Trotzdem kritisieren die Verbraucherschützer auch bei den Apotheken vor Ort noch schwere Beratungsmängel, ähnlich wie vor drei Jahren. Testsieger wurde eine Apotheke in Essen, die der Kooperation „Meine Apotheke“ angehört. Sechs weitere stationäre Geschäfte bekamen ebenfalls die Note gut. Drei Anbieter erhielten allerdings sehr schlechte Bewertungen, zwei davon wegen falscher Beratung, einer wegen einer verweigerten Rezepturerstellung.

Arznei ist im Versand nicht automatisch billiger – auch das ist ein Ergebnis der neuen Studie. Die Versandkosten machen manchen Vorteil zunichte. Zudem gebe es, so die Tester, auch in Apotheken vor Ort immer mehr Preisvorteile, die meist aus gemeinsamem Einkauf in Kooperationen resultieren. Rund drei Viertel der 21 600 deutschen Apotheken haben inzwischen Markenbündnisse und Kooperationen, hinter denen oft Großhändler stehen, so Primus. Das Apothekermonopol gelte aber weiterhin. Demnach darf nur ein studierter Pharmazeut mit Kammerzulassung Eigentümer eine Apotheke sein und bis zu drei Filialen betreiben.

Die Verbraucherschützer raten, beim Medikamentenkauf aktiv nach Rat zu fragen und nachzuhaken, wenn die Auskunft dürftig ist. „Auch scheinbar harmlose Nahrungsergänzungsmittel können risikovolle Wechselwirkungen mit Medikamenten zur Folge haben, wie einer unserer Testfälle zeigt“, warnt Testleiter Holger Brackemann. Der Medikamentenkauf per Mausklick sei eher etwas für Patienten, die über das Präparat bereits gut informiert sind.

Thomas Wüpper