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Deutschland / Weltweit Arbeitsmarkt in Deutschland verblüfft die Experten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Arbeitsmarkt in Deutschland verblüfft die Experten
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22:16 31.03.2010
Quelle: ap (Archiv)
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Der deutsche Arbeitsmarkt trotzt überraschend der Krise. Obwohl die Wirtschaft immer noch unter den Folgen der schwersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ächzt, ist die Zahl der Erwerbslosen im März so stark gesunken wie zuletzt vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Die Quote liegt nach den von der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichten Zahlen bundesweit bei 8,5 Prozent. Das sind 3,568 Millionen Arbeitslose. Die Experten reagierten erstaunt. „Die Stabilität des Arbeitsmarktes ist wirklich verblüffend“, sagte NordLB-Volkswirt Mario Gruppe.

Viele Analysten hatten damit gerechnet, dass die Wirtschaftskrise im Laufe des Jahres 2010 mit Verzögerung voll auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Dafür gibt es bisher jedoch keine Anzeichen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich im März um 0,2 Prozentpunkte. Das ist trotz der üblichen Frühjahrsbelebung durch Außenberufe wie die Baubranche beachtlich: Auch im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Erwerbslosen bundesweit um 18 000 ab.

Als Gründe für die guten Zahlen nannte BA-Chef Frank-Jürgen Weise die hohe Flexibilität von Arbeitgebern und Beschäftigten, die durch den Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten Entlassungen vermieden hätten. Auch die Kurzarbeit zeige Wirkung. Nach Schätzungen der Behörde nutzten im ersten Quartal 850 000 Menschen in rund 60 000 Betrieben dieses Instrument. „Nie waren die Aussichten besser, dass es der hiesige Arbeitsmarkt tatsächlich ohne größere Blessuren durch die Krise schafft“, heißt es in einer veröffentlichten Studie der NordLB.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte dennoch vor zu viel Optimismus. Der Einbruch könne in den nächsten Monaten noch kommen. Selbst wenn die Auftragslage sich wieder bessere, müsse erst die Kurzarbeit abgebaut werden. Neueinstellungen werde es „viele, viele Monate“ nicht geben. Die Regierung halte an ihrer Prognose fest, wonach im Jahresdurchschnitt 3,7 Millionen Menschen ohne Job sein werden.

Auch in Niedersachsen fällt die Frühjahrsbelebung kräftig aus. Die Arbeitslosenquote lag im März bei 8,2 Prozent. Insgesamt waren 325 480 Menschen ohne Job, 2,6 Prozent weniger als im Februar. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen allerdings um 0,8 Prozent. Neben der Baubranche habe es auch in witterungsunabhängigen Bereichen wie Fertigung und Logistik einen „erfreulich deutlichen“ Zuwachs gegeben, berichtete BA-Regionalchef Klaus Stietenroth.

Gestiegen ist in Niedersachsen auch das Stellenangebot von Arbeitgebern – um fast neun Prozent auf rund 15 600 im Vergleich zum Vormonat. „Nach dem Einbruch der Personalnachfrage vor einem Jahr steigt der Bedarf wieder, erreicht aber noch nicht das Niveau der Jahre vor der Krise“, sagte Stietenroth dazu.

Dirk Schmaler

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Die Bundesagentur für Arbeit erwartet 2010 wegen der Wirtschaftskrise einen Anstieg der Erwerbslosenzahl in Niedersachsen um fünf bis zehn Prozent. „Der Arbeitsmarkt ist ein Spätindikator, er reagiert in der Regel ein halbes Jahr zeitversetzt auf konjunkturelle Entwicklungen“, sagte der Chef der Regionaldirektion, Klaus Stietenroth, am Dienstag in Hannover.

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