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Deutschland / Weltweit Atomkatastrophe in Japan löst Kursstürze an Börsen aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Atomkatastrophe in Japan löst Kursstürze an Börsen aus
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15:46 15.03.2011
Die Angst vor dem Atom-GAU in Japan hat die Anleger erfasst.
Die Angst vor dem Atom-GAU in Japan hat die Anleger erfasst. Quelle: dpa
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Die Atomkatastrophe in Japan hat die Börsen weltweit abstürzen lassen. In Tokio versuchten Anleger in Panik scharenweise ihre Aktien loszuwerden - die Verkäufe lösten die größten Kursverluste seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zweieinhalb Jahren aus. Zeitweilig verlor der Leitindex mehr als 14 Prozent. In Deutschland stürzte der Aktienmarkt auf den tiefsten Stand seit Oktober 2010, in der Spitze verlor der DAX mehr als 5 Prozent. Auch die Devisen- und Rentenmärkte wurden voll von den fast stündlich neuen Hiobsbotschaften aus Japan erfasst.

Marktstratege David Buik von BG Partners sprach angesichts der bedrohlichen Lage in dem Atommeiler Fukushima Eins von einem „Anfall unkontrollierter Angst“ unter Anlegern. Seit dem Erdbeben wurden bislang mehr als 700 Milliarden Dollar (530 Mrd Euro) an Werten an der Tokioter Börse vernichtet.

Der Nikkei-225-Index rutschte am Dienstag letztendlich um 10,55 Prozent auf 8605,15 Punkte ab. Das war der größte Kursverlust seit Oktober 2008, kein einziger der 225 Nikkei-Werte schloss im Plus. Seit den jüngsten Höchstständen von Mitte Februar hat der Nikkei nunmehr knapp 21 Prozent verloren.

Vermeintlich sichere Anlagen waren von den tief verunsicherten Anlegern dagegen heiß begehrt. Sie flohen in deutsche und US-amerikanische Staatsanleihen. Auch am Devisenmarkt setzte eine Bewegung in „sichere Häfen“ wie den US-Dollar und den Schweizer Franken ein. Der Euro wurde umgekehrt belastet und gab zum Dollar zeitweise um mehr als einen Cent nach. Der Yen hält sich gleichwohl auf hohem Niveau. „Die Katastrophe historischen Ausmaßes in Japan lässt das Tagesgeschäft verblassen“, kommentierte die HSH Nordbank.

Am Aktienmarkt hätten Anleger nahezu alles verkauft, was sich noch an Aktien in ihren Portfolios befunden habe, erklärte Händler Chris Weston von IG Markets. In Tokio kamen Aktien aller Branchen regelrecht unter die Räder, nachdem am Vortag unter anderem die Bauwerte noch ein Kursplus verbucht hatten. Die Papiere des Autobauers Toyota zum Beispiel fielen um 7,40 Prozent auf 3065 Yen. Der Konzern stellt seine Produktion in allen japanischen Werken bis mindestens Mittwoch ein.

Die Aktien von Tokyo Electric Power (Tepco), dem Betreiber der von der Katastrophe betroffenen Anlagen in Fukushima, und die Papiere von Toshiba, das einige Reaktoren des Kraftwerks produziert hat, wurden nicht gehandelt - es gab schlichtweg zu viele Verkäufer und so gut wie keine Interessenten.

In China büßte der Leitindex CSI 300 am Ende 1,81 Prozent ein, zwischenzeitlich hatte er sogar mit rund dreieinhalb Prozent im Minus gelegen. Deutlicher als noch zum Wochenauftakt fiel auch das Minus an den europäischen Aktienmärkten aus. Der EuroStoxx 50 rutschte um 3,37 Prozent auf 2756,08 Punkte ab, so tief stand er seit Dezember vergangenen Jahres nicht mehr. Auch der Cac 40 in Paris und der FTSE 100 in London sackten ab.

In Frankfurt büßte der Dax 4,06 Prozent auf 6588,18 Punkte ein. Die Nervosität spiegelte sich enormen Schwankungen der Kurse wider. Die Schwankungsbreite am deutschen Markt kletterte auf den höchsten Stand seit Mitte 2010, als die Schuldenkrise in der Eurozone die Märkte durcheinander wirbelte. An der Wall Street hatte der Dow Jones am Vortag - also vor der dramatischen Zuspitzung in den Atomanlagen von Fukushima - noch vergleichsweise wenig verloren. Am Dienstag fielen die Kurse bereits zum Start um rund 2 Prozent.

Der Vertrauensverlust sei enorm angesichts der katastrophalen Probleme in einigen Atomkraftwerken, hieß es von Analysten. Andere Experten wiederum bezeichneten die Kursverluste teilweise als übertrieben. Nomura-Analyst Alexis Albert wies etwa darauf hin, dass sich die Auswirkung der Katastrophe auf die Umsätze für die Autokonzerne weltweit in Grenzen halten und 2,4 Prozent nicht übersteigen dürfte. Stratege Mikio Kumada von LGT Capital betonte, dass verlässliche Prognosen angesichts der nach wie vor ungeklärten Situation in den Kraftwerken schwer fielen. Nach derzeitiger Einschätzung sollten die Auswirkungen auf die Finanzmärkte eher kurzfristiger Natur sein. „Zu diesem Schluss kommt, wer die Börsenentwicklung nach vergangenen Naturkatastrophen analysiert“, sagte er.

Die japanische Notenbank hatte indes ihre Finanzspritzen abermals aufgestockt, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo nannte als Sofortmaßnahme der Notenbank eine Zahl von acht Billionen Yen (rund 70 Milliarden Euro). Am Vortag hatte die Summe bei 15 Billionen Yen (rund 130 Milliarden Euro) gelegen. Damit hatten die Währungshüter so viel kurzfristige Mittel wie noch nie an einem Tag zur Verfügung gestellt, um das Finanzsystem zu stabilisieren.

dpa