Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Scania empfiehlt Ablehnung des VW-Angebots
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Scania empfiehlt Ablehnung des VW-Angebots
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:09 18.03.2014
VW will die restlichen Anteile an der schwedischen Lkw-Tochter für fast sieben Milliarden Euro einsammeln. Quelle: dpa
Anzeige
Stockholm

Der schwedische Lkw-Hersteller Scania stellt sich wie erwartet gegen die Übernahmeofferte seiner Konzernmutter Volkswagen. Der unabhängige Teil des Scania-Verwaltungsrates, in dem auch VW-Vorstände und VW-Patriarch Ferdinand Piëch sitzen, empfahl den Aktionären am Dienstag, das Angebot aus Wolfsburg auszuschlagen. Es sei trotz üppigen Aufschlags zu schlecht, Scania sei mehr wert, teilte das Unternehmen mit. Der Spezialist für Luxuslaster will nun sogar seine Quartalszahlen vorziehen, um noch in der laufenden Phase des Übernahmeangebots aus Wolfsburg seine Zugkraft zu demonstrieren.

Die ablehnende Haltung hatte sich bereits Ende Februar angebahnt, nachdem der VW-Konzern bekanntgegeben hatte, die restlichen Anteile an der schwedischen Lkw-Tochter für fast sieben Milliarden Euro einsammeln zu wollen. So möchte Volkswagen in den Besitz von mehr als 90 Prozent der Aktiengesamtzahl gelangen und plant, Scania am Ende von der Börse zu nehmen. VW ist bereits seit 2000 an Scania beteiligt und hält direkt und indirekt insgesamt 89,2 Prozent der Stimmrechte und 62,6 Prozent des Kapitals an dem Nutzfahrzeugunternehmen. VW will mit der Komplettübernahme den ungestörten Zugriff auf Scania, um seine schleppende Nutzfahrzeugallianz im Konzern voranzubringen.

Anzeige

Der Scania-Verwaltungsrat - eine Art Mischform aus Vorstandsetage und Aufsichtsratskontrolleuren - hält die Offerte für zu gering, obwohl die Wolfsburger gut 50 Prozent Aufschlag auf den Durchschnittskurs der Papiere einpreisen. Scania teilte am Dienstag mit: „Mit Blick auf die langfristigen Aussichten für Scania, die Wachstumsperspektiven, technologische Exzellenz und das Synergiepotenzial, ist das Komitee der Überzeugung, dass das Angebot den langfristigen elementaren Wert von Scania nicht widerspiegelt (...) und empfiehlt den Scania-Aktionären daher, ihre Anteile VW nicht anzudienen.“

Aktie ist rekordverdächtig hoch

NordLB-Analyst Frank Schwope ist von der Entwicklung kaum überrascht. „Das ist die übliche Rhetorik“, sagte der Branchenkenner am Dienstag. Angebote erst einmal selbstbewusst als zu niedrig einzuordnen, sei ein gängiger Reflex - auch, um möglichen Klagen von Aktionärsseite vorzubeugen. Schwope geht davon aus, dass die Mehrheit der Aktionäre die Offerte aus Wolfsburg trotzdem kaum ausschlagen dürfte. Der Aufschlag von gut 50 Prozent auf den jüngsten Durchschnittskurs sei verlockend. Die Papiere liegen derzeit schon rekordverdächtig hoch.

Einen eigenen Preisvorschlag machte das Scania-Gremium nicht. Es sagte dem Konzern aber eine rosige Zukunft voraus, weil die Nachfrage nach Lastwagen sowohl in Europa als auch in Wachstumsregionen wie Südamerika oder Asien demnächst kräftig anziehen dürfe. Diese guten Perspektiven würdige das VW-Angebot nicht ausreichend.

Gerade der europäische Lkw-Markt lag zuletzt ziemlich am Boden. In der Wirtschaftsflaute scheuten viele Spediteure teure Investitionen in neue Lastwagen. Allerdings rechnen alle Hersteller damit, dass die Speditionen ihre alternden Flotten früher oder später austauschen müssen. Dann dürfte der Markt wieder spürbar anziehen.

Damit die Scania-Aktionäre eine bessere Entscheidungsgrundlage haben, wird der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Quartal früher als geplant vorlegen: Bereits am 11. April - zum ursprünglichen Termin am 25. April läuft die Frist für das VW-Angebot aus. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte das Angebot vorige Woche bei der Bilanz-Vorlage als „sehr gut“ bezeichnet. Er sei „guter Dinge“, dass VW die angepeilte Marke von 90 Prozent des Scania-Kapitals erreiche. Sollten die Wolfsburger dieses Ziel verfehlen, würden sie wie angekündigt „nicht eine Aktie erwerben“. Scania habe jedoch auch in seiner jetzigen Struktur eine sehr gute Perspektive, sagte Pötsch.

dpa

Deutschland / Weltweit Geländewagen sichert viele Jobs - VW baut Tiguan künftig in Hannover
Lars Ruzic 20.03.2014