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Deutschland / Weltweit Autofahrer verschmähen E10 weiterhin
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Autofahrer verschmähen E10 weiterhin
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20:17 22.03.2011
Viele Autofahrer halten E10 für Etikettenschwindel und tanken stattdessen lieber weiter das alte Superbenzin oder teureres Super Plus. Quelle: dpa
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Die Autofahrer stört das nicht: Sie tanken ohnehin lieber Superbenzin mit 5-prozentigem Ethanolanteil. Das Absatzziel von 95 Prozent ist auch zwei Wochen nach dem „Benzingipfel“ in Berlin, wo sich Politik, Wirtschaft und Verbraucherschützer auf eine bessere Werbung für die Spritsorte verständigt haben, in weiter Ferne.

Nach eigener Aussage haben die Tankstellenbetreiber ihre Zusage eingehalten. „Wir haben schon seit Einführung von E10 die entsprechenden Listen ausliegen“, sagt ein Aral-Sprecher. Gemeint sind die Aufstellungen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) über E10-verträgliche Fahrzeuge, an die sich die Autobranche auch haftungsrechtlich halten will. Die Tankstellen hingegen könnten keine rechtlich bindende Auskunft darüber erteilen, welches Auto welchen Sprit verträgt, stellt der Aral-Sprecher klar.

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Beim Esso-Konzern heißt es, die Marketingmittel mit Flyern, DAT-Listen und Frage-Antwort-Katalogen im Internet seien ausgereizt. Trotzdem halten sich bei den Verbrauchern hartnäckig Vorbehalte gegen die Verträglichkeit und Umweltfreundlichkeit von E10.

Die Tankstellenbetreiber ziehen daraus ihre Konsequenzen. „Wir haben die Einführung von E10 im Norden und Westen vorerst verschoben“, sagt der Aral-Sprecher. Bundesweit sei der Biosprit an etwas weniger als 50 Prozent der Aral-Stationen zu haben. Auch Shell und Esso haben sich von ihrem Ziel verabschiedet, bis zum Quartalsende flächendeckend auf E10 umzustellen. Ein Drittel der Esso-Tankstellen bietet E10 an.

An einigen ausgewählten Tankstellen hat der Konzern den E10-Preis jüngst testweise gesenkt. Damit wurde der Kraftstoff im Vergleich zum Super noch billiger. Über Ort, Zeitraum, Erkenntnisse und Fortsetzung dieses Experiments gibt Esso derzeit keine Auskunft.

In der Regel kostet E10 deutlich weniger als das herkömmliche Superbenzin. „Der Preisabstand beträgt zwischen 4 und 6 Cent je Liter“, sagt Stephan Zieger vom Bundesverband Freier Tankstellen. Eine Ausnahme bilden viele Jet-Tankstellen des Konzerns ConocoPhillips, wo Super und E10 preislich gleich behandelt werden. Branchenführer Aral hat sich hingegen für Super-Plus mit 98 Oktan als gesetzlich vorgeschriebene Alternativsorte entschieden. Dieses ist 5 bis 8 Cent teurer als E10. Das einfache Super mit 95 Oktan bietet der Konzern an E10-Tankstellen nicht mehr an.

Dagegen wiederum will der Münchener Automobilklub ADAC klagen. „Wir werden einige große Ketten exemplarisch in München anzeigen“, sagt ein Sprecher. Es könne nicht sein, dass Verbrauchern als Alternative zu E10 nur teures Super Plus angeboten werde. Dem Erfolg von E10 stehe Super mit einem Preisnachteil von 3 bis 5 Cent auch nicht im Wege.

Sören Hendrik Maak/dpa

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