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Deutschland / Weltweit Festakt mit Keks
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Festakt mit Keks
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00:16 26.10.2014
Foto: Festabend im Kuppelsaal: Bahlsen feiert 125. Geburtstag.
Festabend im Kuppelsaal: Bahlsen feiert 125. Geburtstag. Quelle: Dröse
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Hannover

Selbst die Bundeskanzlerin ließ es sich nicht nehmen zu gratulieren. Lange Zeit sah es sogar danach aus, als würde Angela Merkel ihren Parteifreund Werner Michael Bahlsen zum 125-jährigen Bestehen seines Konzerns höchstselbst besuchen. Aber wie immer kam die Weltpolitik dazwischen.

So blieb es bei einer Videobotschaft, der die gut 500 Gäste beim Festakt im Hannover Congress Centrum gestern Abend lauschten. „Unternehmerische Weitsicht und gelebte Verantwortung“ im Hause Bahlsen lobte die Kanzlerin ebenso wie den Gründer Hermann Bahlsen, der stets seiner Zeit voraus gewesen sei – nicht zuletzt mit der frühen Einführung einer Betriebskrankenkasse.

Hermann Bahlsens Weitsicht hatte allerdings auch ihre Grenzen. So gründete er sein Unternehmen am 1. Juli 1889 – für einen Kekshersteller ein mehr als unpassender Zeitpunkt, um öffentlichkeitswirksam Geburtstag zu feiern. Mitten im Hochsommer haben Keks- und Schokowaren nun wirklich keine Saison. Deshalb feiern die Hannoveraner nun also nach – gestern mit einem glamourösen Festakt, heute mit mehr als 2000 Mitarbeitern ganz formlos.

Videoinstallationen im Kuppelsaal, viele historische Bahlsen-Geschichten und -Produkte, schräge Werbespots aus Ländern wie Saudi-Arabien oder China, Talkrunden über Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung, Breakdance zu klassischer Musik – und natürlich der berühmte goldene Keks aus dem Stammhaus, argwöhnisch bewacht von einer Leibgarde: Der Konzern hatte sich eine Menge einfallen lassen, um seine Gäste zu unterhalten.

Zu denen zählten einige Hochkaräter aus Politik und Wirtschaft. So wie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Ministerpräsident Stephan Weil, der sich in Bezug auf den „pick-up!“-Riegel als suchtgefährdet bezeichnete. Aus Bahlsens Kollegenkreis zeigten sich Party- und Printenkönig Hermann Bühlbecker (Lambertz), Andreas Coppenrath und Bastian Fassin (Katjes) in Hannover. Auch die Bankenchefs Jürgen Fitschen (Deutsche Bank) und Gunter Dunkel (Nord/LB) nahmen Bahlsens Einladung an – obwohl das Unternehmen zumindest als Kreditnehmer uninteressant ist, hat es doch keine langfristigen Schulden.

Für Ehrengäste und Mitarbeiter war es zudem eine seltene Gelegenheit, die Unternehmerfamilie einmal gemeinsam zu sehen: Die vier Kinder der Bahlsens, Johannes, Andreas, Verena und Julia, sind teils so weit von Zuhause entfernt aktiv, dass Familientreffen schwerfallen.

Selfie mit goldenem Keks

Am Freitag kommen 2000 Bahlsen-Mitarbeiter aus aller Welt zu einer Feier. Extra dafür nahm der Gebäckhersteller seinen goldenen Keks von der Fassade des Stammhauses in Hannover ab, damit die Firmenangehörigen ein Selfie mit dem berühmten Symbol machen können.

Das Verschwinden des Kekses hatte vor einiger Zeit weltweit für Schlagzeilen gesorgt, später tauchte das Firmensymbol überraschend an anderer Stelle wieder auf. Die Keksdiebe wurden nie ermittelt.

Wie Bahlsen einst Geschichte schrieb

Der Tag sollte in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen – und in die Annalen des Bäckereiwesens: Am 1. Juli 1889, vor gut 125 Jahren also, ließ Hermann Bahlsen (1859–1919) seine „Hannover Cakes-Fabrik H. Bahlsen“ ins Handelsregister eintragen. Immer wieder erwies sich Bahlsen in der Folgezeit als innovativer, schöpferischer Unternehmer.

Der Klassiker: Als wohl erfolgreichstes Produkt erwies sich seit 1891 der Leibniz-Keks, der den Namen des großen Gelehrten auch bei Nichtakademikern bekannt machte. Später holte die Firma Salzstangen nach Deutschland und brachte Produkte wie „Erdnusslocken“ oder „Ohne Gleichen“ auf den Markt.

Das Fließband: Bahlsen setzte auf industrielle Massenproduktion. Im Jahr 1905 lief in seiner Fabrik in der Keksverpackung die erste „Fließförderanlage“ Europas – Jahre, ehe Henry Ford ähnliches im Autobau einsetzte.

Die Wortschöpfung: Auch das Wort „Keks“ erfand Bahlsen. Als Eindeutschung des englischen „Cakes“ fand es sogar Aufnahme in den Duden.

Die Verpackung: Im Jahr 1904 stellte Bahlsen die Frischhalteverpackung „TET“ vor. Mit ihr ließ sich Gebäck dauerhaft knusprig halten.

Die Siedlung: Für seine Arbeiter schuf der Patriarch Bahlsen zahlreiche soziale Einrichtungen. Die vor 100 Jahren teils im ägyptischen Stil geplante TET-Stadt wurde jedoch nie gebaut.

dpa/be/lr

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