Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Mehr Absicherung für Beschäftigte der Chemieindustrie
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Mehr Absicherung für Beschäftigte der Chemieindustrie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:35 27.03.2015
Die Präsidentin des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC), Margret Suckale (von links), Hans-Carsten Hansen vom BAVC-Vorstand, Peter Hausmann vom Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis geben sich am 27.03.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) nach der Einigung im Tarifkonflikt der Chemieindustrie die Hand.
Die Präsidentin des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC), Margret Suckale (von links), Hans-Carsten Hansen vom BAVC-Vorstand, Peter Hausmann vom Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis geben sich am 27.03.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) nach der Einigung im Tarifkonflikt der Chemieindustrie die Hand. Quelle: dpa
Anzeige
Stuttgart

Müde Gesichter, tiefe Augenringe - die Verhandlungen in der Tarifrunde gingen bis spät in die Nacht. Am Freitagnachmittag brachten die Gespräche einen Durchbruch. Gewerkschaft und Arbeitgeber lagen diesmal besonders weit auseinander. Am Ende können sich die rund 550.000 Beschäftigten der Chemieindustrie nicht nur über ein Lohnplus, sondern einen kräftigen Beitrag für ihre Altersvorsorge freuen. Das Ergebnis gibt nach der Einigung in der Metall- und Elektroindustrie im Februar die Richtung für weitere Tarifeinigungen vor: „Demografie wird ein Dauerthema in der Tarifpolitik sein“, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans-Carsten Hansen.

Wie sieht die Einigung aus?
Von den auf Gewerkschaftsseite geforderten 4,8 Prozent Entgelterhöhung für 12 Monate ist mehr als die Hälfte - nämlich 2,8 Prozent übrig geblieben. Dafür haben die Arbeitgeber sich bei der Laufzeit durchgesetzt und statt der von ihnen geforderten 15 Monate sogar 17 Monate bekommen. Das bedeutet mehr Sicherheit für die Unternehmen. Die Arbeitnehmer haben dafür hohe Zahlungen in den so genannten Demografiefonds errungen.

Wo haben die Parteien eingelenkt?
Die Arbeitgeber haben einen Monat Aufschub ausgehandelt, in dem die Löhne noch nicht erhöht werden. Außerdem gibt es Ausnahmen für Firmen, denen es wirtschaftlich nicht gut geht. „Wir müssen in einem Tarifabschluss Vorsorge treffen, dass sich von der kleinen Schuhcremefabrik bis zur BASF alle wiederfinden“, sagte der Arbeitgeber-Verhandlungsführer Hansen.

Hat der Abschluss Signalwirkung?
Durchaus: Die Chemieindustrie zählt zu den wichtigsten deutschen Industriebranchen. Die Einigung ist der zweite große Flächentarifvertrag, der in diesem Jahr geschlossen wurde. Für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie haben sich die Tarifparteien vor gut einem Monat ebenfalls in Stuttgart auf ein Plus von 3,4 Prozent für zwölf Monate geeinigt.

Gibt es neben der Höhe des Abschlusses Parallelen?
In beiden Runden spielte Altersteilzeit eine große Rolle. In der Chemie-Runde zahlen die Arbeitgeber im Jahr 2016 etwa 550 Euro extra pro Beschäftigten, im Jahr 2017 sind es sogar 750 Euro. Mit dem Fonds soll der Übergang in Altersteilzeit, aber auch tarifliche Altersvorsorge und „lebensphasenorientierte Arbeitszeit“ finanziert werden. In der Metall- und Elektroindustrie wurden besondere Aufstockungsbeiträge für untere Entgeltgruppen in der Altersteilzeit ausgehandelt. 

Was ist aus der Forderung der Chemiegewerkschaft nach einer Drei-Tage-Woche für 60-Jährige geworden?
Das fällt unter das Thema „Demografiefonds“. Die Gewerkschaft will Arbeitszeiten „stärker an den unterschiedlichen Lebensphasen orientieren“ und damit vor allem ältere Beschäftigte entlasten. Mit der Aufstockung entstehen neue Gestaltungsspielräume, die auch in Richtung Drei- oder Vier-Tage-Woche für ältere Arbeitnehmer gingen, sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann.

dpa

Lars Ruzic 30.03.2015