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Deutschland / Weltweit Bessere Chancen für Berufseinsteiger
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Bessere Chancen für Berufseinsteiger
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11:38 30.05.2012
Von Stefanie Nickel
Foto: Berufseinsteiger haben bessere Chancen für eine Festanstellung.
Berufseinsteiger haben bessere Chancen für eine Festanstellung. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Junge Berufseinsteiger sind vor allem eines: Sie sind willig. Sie haben gelernt, flexibel zu sein und hart zu arbeiten. Das Phänomen einer Generation, die ständig auf dem Sprung ist, immer bereit für eine Fortbildung, ein Praktikum oder ein Jobangebot irgendwo neu anzufangen, ist nicht neu. Aber: Müsste sich die „Generation Praktikum“ in Zeiten des Konjunkturaufschwungs nicht selbst abschaffen? Schließlich suchen doch immer mehr Unternehmen händeringend nach geeigneten Fachkräften und schielen dafür auch auf den ausländischen Arbeitsmarkt.

Die Bundestagsfraktion der Linken wollte es genauer wissen und hakte bei der Bundesregierung nach. Aus der 20-seitigen schriftlichen Antwort des Arbeitsministeriums geht hervor, dass 2011 der Anteil der befristeten Neueinstellungen tatsächlich erstmals deutlich zurückgegangen ist. Waren 2010 bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren noch 57 Prozent aller Neueinstellungen befristet, sank dieser Anteil 2011 auf 41 Prozent. Auch insgesamt ist der Anteil der befristeten Neueinstellungen leicht von 49 auf 46 Prozent zurückgegangen.

Das Bundesarbeitsministerium gibt sich entsprechend euphorisch: Der langfristige negative Trend sei „scharf gebrochen“ worden, sagte ein Sprecher. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der Menschen, die einen Job auf Zeit haben, in Deutschland in allen Altersgruppen kontinuierlich gestiegen – von 32 auf 46 Prozent. Jugendliche und junge Erwachsene bekamen die unbefristeten Verträge besonders selten. „Die aktuellen Zahlen zeigen ganz deutlich, dass es keinen linearen Trend hin zu mehr befristeten Stellen gibt.“ Das Arbeitsministerium gibt dann auch die Devise aus: „Die Zeiten haben sich verändert. Unternehmen müssen sich wieder verstärkt um kluge Köpfe bemühen.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund allerdings sieht keinen Anlass zur Freude: „Von einer Trendwende kann keine Rede sein, bisher handelt es sich nur um eine punktuelle Entwicklung“, sagt Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied. Sie verweist auf den Anstieg der Leiharbeiter und Niedriglöhner bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der Tat hat sich die Anzahl der Leiharbeiter unter den 15- bis 24-Jährigen von 2000 bis 2010 auf mehr als 130.000 fast verdoppelt.

Und auch die Zahl der Niedriglöhner ist um fünf Prozentpunkte gestiegen. Fast jeder zweite junge Mensch bezieht einen Lohn, der nah an der Armutsgrenze liegt. „Das Prekariat hat sich in Wahrheit noch ausgeweitet“, sagt Buntenbach. Ziel der Bundesregierung müsse es daher sein, dafür zu sorgen, dass die 1,5 Millionen jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ihre Ausbildung nachholen – mit speziellen Sonderprogrammen. „Der Konjunkturaufschwung und der Fachkräftebedarf werden nicht von selbst für bessere Beschäftigungsverhältnisse sorgen.“