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Deutschland / Weltweit Bezahlen per Funk kommt doch noch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Bezahlen per Funk kommt doch noch
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21:42 11.01.2012
Von Helmuth Klausing
Nach Kreditkarten-Unternehmen gehen jetzt auch deutsche Banken und Sparkassen mit einem eigenen System für kontaktlose Bankkarten mit Funkchip auf den Markt.
Nach Kreditkarten-Unternehmen gehen jetzt auch deutsche Banken und Sparkassen mit einem eigenen System für kontaktlose Bankkarten mit Funkchip auf den Markt. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Von Mitte April an haben dann 1,3 Millionen Kunden von Sparkassen und Volksbanken in diesem Gebiet die Möglichkeit, Beträge bis 20 Euro an der Supermarkt- oder Tankstellenkasse quasi im Vorbeigehen zu bezahlen. Das teilte der Verband Deutsche Kreditwirtschaft am Mittwoch in Frankfurt mit.

Ursprünglich war der Testlauf schon für Mitte vergangenen Jahres vorgesehen, dann sollte er im Januar 2012 beginnen. Warum es die Verzögerungen gab, wurde nicht bekannt. In Branchenkreisen hieß es, man habe wohl noch nach weiteren teilnahmewilligen Einzelhändlern gesucht. So habe Edeka erst am Dienstag dieser Woche definitiv die Teilnahme zugesagt.

Zum Start des zunächst auf ein Jahr angelegten Pilotprojekts haben drei Handelspartner fest zugesagt: Edeka Minden-Hannover will zunächst 100 Geschäfte im Testgebiet mit den Leseterminals ausrüsten, bis zum Jahresende sollen 150 weitere folgen. Mit dabei sind auch Esso mit seinen Tankstellen und der Handelskonzern Douglas, zu dem neben den gleichnamigen Parfümerien auch Thalia-Buchläden und die Schokoladengeschäfte von Hussel gehören.

Das neue Bezahlsystem unter dem Namen „Girogo“ unterscheidet sich nicht wesentlich von der altbekannten Geldkarte. Mit höchstens 200 Euro können Kunden am Geldautomaten einen Chip auf ihrer Bankkarte (früher: ec-Karte)aufladen und damit Beträge bis zu 20 Euro begleichen. Die Karte muss beim Bezahlen aber nicht mehr in ein Lesegerät hineingeschoben werden, sondern wird nur noch aufgelegt. Ein Funkchip in der Karte bucht den Betrag dann ab. Das soll den Bezahlvorgang erheblich beschleunigen. Unterschrift oder Eingabe einer PIN entfallen.

„Unsere Kunden profitieren beim kontaktlosen Bezahlen durch deutlich kürzere Wartezeiten an der Kasse“, sagte Wolfgang Mücher, Finanzchef bei Edeka Minden-Hannover. „Das neue Verfahren kommt insbesondere Kunden mit kleinem Einkauf und Verbrauchern in den Innenstädten entgegen, die sich in den Pausen oder vor der Arbeit mit Snacks und Getränken versorgen.“ Allerdings profitiere auch der Handel. „Wir bewegen Tonnen von Münzgeld“, erläuterte Mücher. „Das ist ein gewichtiges Problem.“ Diese Menge könnte sich durch den Einsatz der „Girogo“-Karte verringern. Auch die Kreditinstitute verdienen an dem System mit. Bis zu 3 Cent pro Transaktion wollen sie dem Handel für den Einsatz der Karte berechnen.

Wie es nach dem Test weitergeht, ist unterschiedlich: Die Sparkassen haben bereits angekündigt, im August mit der bundesweiten Einführung des „Girogo“-Systems anzufangen. Noch in diesem Jahr sollen 16 Millionen von insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Karten gegen die neuen Funkkarten ausgetauscht werden. Die Volksbanken wollen den Test erst auswerten. Erst 2013 werde entschieden, wie es weitergeht, hieß es gestern beim Verband der Volksbanken und Raiffeisenkassen.

Inzwischen steigen auch Kreditkartenanbieter auf die Funkchiptechnik um. Mastercard setzt auf sein System „Paypass“, Visa hat „Pay Wave“ ins Leben gerufen und arbeitet dabei mit unter anderem mit der Targobank und der Volkswagen-Bank zusammen. Zudem rüsten immer mehr Handyhersteller ihre neuen Modelle ebenfalls mit den Funkchips aus. In Verbindung mit entsprechenden Apps lassen sich solche Handys künftig auch zum Bezahlen einsetzen.