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Deutschland / Weltweit Blohm + Voss geht an Finanzinvestor
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21:08 12.12.2011
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Düsseldorf/Hannover

Das SegelschulschiffGorch Fock“ wurde dort gebaut, das Schlachtschiff „Bismarck“ und zuletzt die größte Jacht der Welt, die „Eclipse“ des russischen Unternehmers Roman Abramowitsch. Doch der ThyssenKrupp-Konzern ist mit dem Schiffbau schon lange nicht mehr glücklich und betreibt seit Jahren den Ausstieg. Die Emder Nordseewerke wurden weitgehend an den Maschinenbauer Siag Schaaf verkauft, der zivile Teil der HDW in Kiel ging an Abu Dhabi Mar. Mit den Arabern wurde auch monatelang über Blohm + Voss verhandelt, die Gespräche platzten jedoch im Sommer.

Star Capital plane erhebliche Investitionen, sagte Unternehmenschef Tony Mallin, ohne Details zu nennen. Eine Garantie für den Erhalt der 1500 Arbeitsplätze habe sein Haus nicht zugesagt. „Wir haben niemanden irgendwelche Garantien gegeben“, betonte Mallin. Sein Unternehmen habe Arbeitsplätze gesichert, die sonst verloren gegangen wären. Zuvor hatte ThyssenKrupp-Werftenchef Hans Christoph Atzpodien die Hamburger Mitarbeiter zu beruhigen versucht. „Die Arbeitsplätze sind sicher, keine Bange“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Wie lange das gelten wird, ließ er allerdings offen. Der Konzern hatte stets erklärt, ein neuer Eigentümer müsse der Werft und ihren Mitarbeitern bessere Entwicklungschancen bieten können als ThyssenKrupp.

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Arbeitnehmervertreter sehen das skeptisch: „Wir erwarten von Star Capital Partners, dass sie sich zu den Standorten Hamburg und Kiel bekennen sowie für alle Betriebe eine Perspektive bieten“, erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Weder ThyssenKrupp noch Star Capital machten Angaben zum Kaufpreis. Blohm + Voss sei aber nicht verschenkt worden, sagte Atzpodien. Im zivilen Bereich baut und repariert Blohm + Voss Schiffe und fertigt Jachten. Vor allem wohlhabende Asiaten hätten ein großes Interesse an den bei Blohm + Voss gebauten Jachten, sagte Mallin. Der Bau von Schiffskomponenten verfüge über eine starke Marktposition, und auch das Geschäft mit der Ausrüstung zur Ölförderung habe eine gute Perspektive. Das Management soll an Bord bleiben.

Zuletzt hatte sich auch die auf den Jachtbau spezialisierte Lürssen-Gruppe für das Unternehmen interessiert, sie war aber sowohl beim Management als auch beim Betriebsrat abgeblitzt. Sie trauten dem Mittelständler offenbar nicht die nötige Finanzkraft zu. Für Star Capital ist die Transaktion, die im ersten Quartal abgeschlossen werden soll, die sechste Übernahme in Deutschland. Der Investor betreibt unter anderem Seniorenheime, das Bahnunternehmen Abellio und die Kabelnetzfirma Pepcom.

ThyssenKrupp will sich – wie schon bei HDW in Kiel – auf den Marineschiffbau konzentrieren. Er ist lukrativer, und zudem dürfte dessen Verkauf ins Ausland am Veto der Bundesregierung scheitern. Pläne, auch diesen Bereich zu veräußern, gebe es derzeit nicht, sagte Atzpodien. Der Konzern baut U-Boote und Fregatten. Bei HDW sind rund 2200 Mitarbeiter im Marineschiffbau beschäftigt, bei der schwedischen Werft Kockums weitere 1000. Die Hamburger Tochter Blohm + Voss Naval mit 500 Mitarbeitern bleibt ebenfalls im Konzern. Das Unternehmen fertigt Anlagen für Marineschiffe. Es soll künftig wie ein Projektentwickler arbeiten, Baukapazität also nach Bedarf bei Werften einkaufen.

Der teilweise Ausstieg ist für ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ein wichtiger Schritt bei der Neuordnung des Mischkonzerns. Er hat unter anderem die Edelstahlsparte und Autozulieferer zum Verkauf gestellt. Werden die Pläne so umgesetzt, wechseln 35.000 Mitarbeitern den Arbeitgeber.

Tom Käckenhoff und Stefan Winter