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Deutschland / Weltweit Bund bekommt Geld nicht mehr geschenkt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Bund bekommt Geld nicht mehr geschenkt
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00:19 14.06.2015
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Anleihen auf dem Markt: Ein Händler verfolgt an der Frankfurter Börse die Kursentwicklung, während Finanzminister Wolfgang Schäuble im Bundestag eine Rede hält.
Anleihen auf dem Markt: Ein Händler verfolgt an der Frankfurter Börse die Kursentwicklung, während Finanzminister Wolfgang Schäuble im Bundestag eine Rede hält. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Umgekehrt müssen aber Darlehensnehmer auch wieder höhere Zinsen bezahlen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen gilt unter Finanzprofis als eine der wichtigsten Kennzahlen des Anleihenmarktes. Sie war erst am 20. April auf das Allzeittief von 0,075 Prozent gefallen. Ein Anleger bekam also praktisch keinen Zins mehr, wenn er der Bundesrepublik Deutschland für zehn Jahre Geld lieh. Auch für andere Papiere waren die Zinsen dramatisch geschrumpft, und der Zinsrückgang zeigte sich in der ganzen Euro-Zone – mit Ausnahme von Griechenland.

Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht. „Bunds beschleunigen von null auf hundert in knapp acht Wochen“, kommentierte die Norddeutsche Landesbank im Fachjargon den für diesen Markt gewaltigen Zinsanstieg. Die Nord/LB-Experten halten allerdings das Ausmaß des jüngsten Anstiegs für übertrieben – ebenso wie den vorherigen beispiellosen Rutsch der Zinsen.

Tatsache ist, dass sich der Wind an den Kapitalmärkten gedreht hat. Dafür haben vor allem die jüngsten Teuerungsdaten aus der Euro-Zone gesorgt. Demnach ist die Phase der Nullinflation oder sogar sinkender Preise vorbei. Die höheren Inflationserwartungen führen dazu, dass Investoren wieder höhere Renditen für ihre Geldanlagen haben wollen – was am Anleihenmarkt zu entsprechenden Reaktionen führt.
Daran ändern auch die fortgesetzten Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank nichts. Sie kauft jeden Monat für 60 Milliarden Euro Zinspapiere der Euro-Staaten auf, um so Geld in den Markt zu pumpen und die Zinsen am Boden zu halten. Die Ankündigung hatte die Zinsen zunächst stark ins Rutschen gebracht, aber nun scheint dieser Effekt auszulaufen.

Baugeld ist spürbar teurer geworden

Geldanleger bekommen damit wieder höhere Renditen, wenn sie zum Beispiel Bundesanleihen oder Pfandbriefe kaufen. Bei den Zinsen der Banken und Sparkassen für Spar-, Tages- und Termingelder hat sich bisher nicht viel getan, sie liegen meist nur knapp über 0 Prozent. Dagegen zeigen sich Auswirkungen bei den Hypothekenzinsen. Baugeld ist seit einigen Wochen spürbar teurer geworden. Nach den Daten des Informationsdienstes FMH Finanzberatung hat sich der Durchschnittszins für zehnjährige Immobiliendarlehen inzwischen wieder auf 1,64 Prozent erhöht. Er war erst vor etwa sechs Wochen auf das Allzeittief von 1,23 Prozent gesunken. Bei manchen Anbietern hat die Kondition inzwischen wieder die 2-Prozent-Marke erreicht.

Im langjährigen Vergleich sind die Zinssätze für Geldanlagen und Darlehen jedoch weiterhin äußerst niedrig. Daran dürfte sich nach Ansicht von Experten auch so schnell nichts ändern, da die Zentralbanken einen zu raschen Anstieg wohl verhindern werden.