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Deutschland / Weltweit Bundesregierung schaltet sich in Übernahmekampf bei Hochtief ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Bundesregierung schaltet sich in Übernahmekampf bei Hochtief ein
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14:03 15.10.2010
Der Hochtief-Betriebsrat hatte an die Bundesregierung appelliert, es müsse zum Schutz von Unternehmen eine Lücke im Wettbewerbsrecht geschlossen werden.
Der Hochtief-Betriebsrat hatte an die Bundesregierung appelliert, es müsse zum Schutz von Unternehmen eine Lücke im Wettbewerbsrecht geschlossen werden. Quelle: afp
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in den Übernahmekampf bei Hochtief eingeschaltet und vor einer Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern gewarnt. Der spanische Konkurrent ACS will das Essener Unternehmen übernehmen. Das Management des Konzerns und die Beschäftigten hatten die Politik um Hilfe gebeten.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, Hochtief sei ein Aushängeschild deutscher Technologiekompetenz. „Schon deshalb ist die Bundesregierung und das Kanzleramt daran interessiert, dass die industriellen Strukturen von Hochtief und auch der Sitz von Hochtief in Essen bleiben.“

Die Regierung verfolge das Thema sehr aufmerksam und sei in Kontakt mit dem Unternehmen. „Und sie geht davon aus, dass alle Aktivitäten, die da nun noch eintreten mögen, in Einklang mit europäischem Recht sind“, betonte Seibert.

Dagegen hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mehrfach betont, er wolle sich bei Hochtief nicht einmischen. „Ein aktives Eingreifen der Politik ist ordnungspolitisch nicht angezeigt“, sagte er zuletzt am Rande einer Japan-Reise. Er lasse sich aber fortlaufend über die Situation bei Hochtief informieren.

Am Donnerstag hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Hochtief-Zentrale in Essen besucht und die Regierung zum Eingreifen aufgefordert. Gabriel kritisierte, in Deutschland würden Regeln gelten, die ein gutes Unternehmen nicht vor der Übernahme durch ein schlechtes Unternehmen schützten. Das müsse geändert werden. „Was hier passiert ist, ist volkswirtschaftlicher Unsinn.“ Hochtief sei derzeit ein Schnäppchen, dass an der Börse unterbewertet sei.

„Wir brauchen so schnell wie möglich eine Gesetzesinitiative“, forderte Gabriel. Dazu brauche man die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung. Sie müsse auch der spanischen Regierung klarmachen, dass sie nicht deutsche Arbeitnehmer, die über EU-Mittel Steuergelder nach Spanien gebracht hätten, arbeitslos machen dürfe.

Der Hochtief-Betriebsrat hatte an die Bundesregierung appelliert, es müsse zum Schutz von Unternehmen eine Lücke im Wettbewerbsrecht geschlossen werden. ACS dürfe sich nicht auf Kosten von Hochtief sanieren, sagte Betriebsratschef Siegfried Müller.

Unterdessen reichte ACS sein Übernahmeangebot für Hochtief überraschend noch nicht bei der Finanzaufsicht Bafin ein. Die Frist sei um vier Wochen verlängert worden, sagte am Freitag eine Bafin- Sprecherin in Bonn. ACS habe um Verlängerung gebeten. Das sei ein normaler Vorgang, hieß es. ACS besitzt als Großaktionär knapp 30 Prozent der Hochtief-Aktien und strebt die Mehrheit an. Hochtief will den Übernahmeversuch abwehren.

Hochtief beschäftigt in Deutschland 11.000 Mitarbeiter, weltweit sind es 66.000. Der Konzern macht rund 18 Milliarden Euro Umsatz. ACS beschäftigt 143 000 Mitarbeiter und hat zuletzt 15,6 Milliarden Euro umgesetzt. Zusammen würden die Nummer zwei und drei am europäischen Markt zum Branchenprimus aufsteigen.

apd/dpa