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Deutschland / Weltweit CDU-Politiker verärgert Reiseveranstalter
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08:19 07.03.2012
Reiseveranstalter wie TUI sind verärgert über die Reisewarnung des tourismuspolitischen Sprechers der Bundesregierung. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Berlin

Viele deutsche Urlauber meiden bisher beliebte Reiseländer wie Griechenland und Ägypten wegen der dortigen politischen Unruhen. Bei der TUI sind die Buchungen für Griechenland um ein Drittel gesunken. Verärgert reagiert der Konzern auf die Warnungen des tourismuspolitischen Sprechers der Bundesregierung, Klaus Brähmig (CDU), vor Ägypten- und Malediven-Reisen wegen der dortigen Regime und Verhältnisse. Der Chef von TUI Deutschland, Volker Böttcher, warf Brähmig geschäftsschädigende Äußerungen vor. Besonders Ägypten werde als Partnerland der Messe durch solche Warnungen brüskiert.

Das beliebte Reiseziel am Nil hat seit Beginn des "arabischen Frühlings" viele Gäste verloren. Allein aus Deutschland kam nach Angaben des Deutschen Reiseverbands ein Drittel weniger Besucher ins Land der Pyramiden. Anders als in Tunesien und Marokko bessere sich die Buchungslage nur langsam, analog zur politischen Entwicklung. Besonders die Proteste in Kairo schreckten weiterhin viele Touristen ab.

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In Griechenland bleiben ebenfalls Gäste aus. Die anhaltende Debatte um die dortigen Wirtschaftsprobleme und die Finanzhilfen aus Deutschland drückt die Buchungszahlen mittlerweile tief ins Minus. Daran ändern bisher auch starke Preissenkungen nichts, die laut Marktführer TUI bis zu 10 Prozent betragen. Aus touristischer Sicht sei die hitzige Debatte "kontraproduktiv und völlig überzogen", klagt Böttcher. Griechenland bleibe ein gastfreundliches und sicheres Reiseland.

Mit Blick auf die Rückmeldungen aus den 450 eigenen Reisebüros der TUI Deutschland räumt Böttcher allerdings ein, dass es derzeit einige Vorbehalte bei deutschen Urlaubern gegenüber griechischen Reisezielen gebe. Die Buchungen beim hannoverschen Veranstalter liegen noch knapp unter dem Vorjahr. Allerdings war 2011 für die TUI auch ein Rekordjahr, zur ITB betrug das Plus damals 20 Prozent. "Vor allem die exklusiven und differenzierten Hotelprodukte entwickeln sich gut", sagte Böttcher.

Vor allem Spanien profitiert weiter von den Krisen in Nordafrika sowie Griechenland und erwartet laut Böttcher "ein weiteres starkes Jahr". So konnte Mallorca bereits zur vorigen ITB um mehr als 50 Prozent zulegen und konnte diesen hohen Buchungsstand 2011 beinahe halten. Auch die Türkei ist weiterhin stark gefragt, wegen der ähnlichen Sondereffekte im vorigen Jahr gibt es aber ebenfalls ein leichtes Buchungsminus auf hohem Niveau.

Die Äußerungen Brähmigs dürften auf der ITB noch für einige Debatten sorgen. Der CDU-Poliitiker hat kurz vor Beginn der Messe ungewöhnlich offen ein klares Bekenntnis der Reisebranche zu Menschenrechten gefordert. In den Katalogen sollten Veranstalter zum Beispiel angeben, ob in dem Reiseland eine Diktatur herrsche, ob Frauen diskriminiert oder Kinder ausgebeutet würden.

In Ägypten zum Beispiel würden koptische Christen benachteiligt und Schauprozesse gegen Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und andere Organisationen geführt, kritisierte Brähmig. Auch sollten sich Urlauber fragen, ob sie "tatsächlich in ein völlig abgeschottetes Resort fahren wollen, wo sie dann am Strand liegen, wenn wenige Kilometer weiter die Einheimischen abgeschlachtet werden", schrieb der CDU-Politiker in einem eigenen Beitrag in der "Berliner Zeitung".