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Deutschland / Weltweit Maschmeyer verliert Millionen bei Cum-Ex-Geschäft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Maschmeyer verliert Millionen bei Cum-Ex-Geschäft
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08:01 20.10.2014
Foto: Carsten Maschmeyer hat in Cum-Ex-Geschäfte einer Schweizer Bank investiert und verlor 19 Millionen Euro.
Carsten Maschmeyer hat in Cum-Ex-Geschäfte einer Schweizer Bank investiert und verlor 19 Millionen Euro. Quelle: Karlheinz Schindler
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Hannover

Carsten Maschmeyer hatte selbst vor einigen Monaten Strafanzeige gegen Führungskräfte der Schweizer Bank Sarasin erstattet. Diese könnte dazu beigetragen haben, dass die Justiz nun im großen Stil tätig geworden ist. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Hausdurchsuchungen veranlasst – es geht um den Verdacht des schweren Betruges.

Der Fall zeigt zweierlei: Zum einen die Skrupellosigkeit von manchen Finanzunternehmen. Zum anderen, dass Finanzprofis genauso auf die Nase fallen können wie Kleinsparer. Maschmeyer, der als Gründer und Chef des Finanzvertriebs AWD zu einem mehrere Hundert Millionen Euro großen Vermögen gekommen ist, hatte auf den Rat seines langjährigen Geschäftspartners Eric Sarasin vertraut. Beide hatten ein freundschaftliches Verhältnis und waren „per Du“.

Der Schweizer Bankier hatte den Hannoveraner 2010 auf eine angeblich hochinteressante Geldanlage angesprochen. Es ging um Fonds, die in dividendenstarke europäische Aktien investieren sollten. Die Jahresrendite sollte bei 10 Prozent liegen, das maximale Verlustrisiko bei 2 Prozent, hieß es. Maschmeyer ließ sich überzeugen und investierte zusammen mit seiner Familie insgesamt 40 Millionen Euro. Mit dabei war auch der ehemalige 96-Trainer Mirko Slomka mit einer halben Million Euro.

Eigentlich sollte das Geld im September 2011 zurückgezahlt werden, doch schon bald kam es zu ersten Auffälligkeiten. Zuerst hieß es von Seiten der Schweizer Bank, dass es „in unserem Buchungssystem zur Abrechnung Ihrer Anlagen einen Fehler gegeben haben könnte“. Dann kam es zu Verzögerungen bei der Auszahlung und immer neuen Vertröstungen. Zu guter Letzt bekamen Maschmeyer und seine Mit­investoren im Oktober 2012 nur 21 Millionen Euro zurücküberwiesen.

Erst die Nachforschungen nach dem Verbleib des Geldes öffneten Maschmeyer die Augen, so seine Angaben in der Strafanzeige. Er hatte in Fonds investiert, die mit sogenannten „Cum-Ex-Geschäften“ den deutschen Fiskus ausplündern sollten. Die Einzelheiten sind trickreich. Im Prinzip geht es darum, dass man sich im Ausland deutsche Kapitalertragsteuer auf Dividenden erstatten lassen kann, die man gar nicht gezahlt hat.  

Inzwischen wurde das Steuerrecht geändert, sodass solche Geschäfte nicht mehr möglich sind. Zuvor hatten sie einige Beliebtheit erlangt. Etliche Banken, darunter die Hypovereinsbank, sowie Fondsgesellschaften sollen sie der gehobenen Kundschaft schmackhaft gemacht haben. Insgesamt könnte der Schaden für den Steuerzahler einen Milliardenbetrag erreichen. Allein bei den Kölner Ermittlungen geht es um 460 Millionen Euro an Steuererstattungen, der Staatsanwalt hat 30 mögliche Täter im Visier.

von Albrecht Scheuermann

20.10.2014
19.10.2014