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Deutschland / Weltweit Commerzbank behält die rote Laterne
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Commerzbank behält die rote Laterne
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09:49 03.07.2013
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Martin Blessing scheint machtlos gegen den Kursverfall zu sein.
Martin Blessing scheint machtlos gegen den Kursverfall zu sein. Quelle: dpa
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Erst vor mehreren Wochen hatte das Geldhaus seine Aktien umgestellt. Aus zehn alten Aktien wurde eine neue. Zweck der Übung war es, den Sturz unter die Marke von einem Euro zu verhindern. Danach folgte eine Kapitalerhöhung im Volumen von 2,5 Milliarden Euro. Wer jedoch geglaubt hatte, dass damit der Absturz der Aktie vorbei sein könnte, hat sich getäuscht. Das Papier setzte seinen jahrelangen Abwärtstrend ungebremst fort.
Allein am Dienstag rutschte die Aktie um mehr als 4 Prozent unter 6,20 Euro. Damit hat sich das Papier der Großbank innerhalb eines Monats um mehr als 20 Prozent verbilligt. Auf drei Monate gerechnet ist das Minus größer als 30 Prozent, im Vergleich zum Jahreshoch am 11. Januar hat sich der Kurs – auf die neue Basis umgerechnet – sogar mehr als halbiert.

Doch das ganze Desaster ist damit noch nicht beschrieben. Schließlich gehörte die Commerzbank-Aktie schon in den Jahren zuvor zu den schwächsten deutschen Aktien. Wer im Juli 2008 eingestiegen war, hat heute von 100 Euro nicht einmal 5 Euro übrig. Ein solcher Kursverfall ist zumindest unter den Dax-Werten ohne Beispiel.

Er ist vor allem eine Folge einer verfehlten Unternehmensstrategie früherer Jahre. Der Hauptfehler war die Übernahme der Dresdner Bank kurz vor dem Ausbruch der Weltfinanzkrise. Als völliger Reinfall entpuppte sich im Nachhinein auch der Ehrgeiz, unter der Marke Eurohypo
den größten europäischen Immobilienfinanzierer zu schaffen.

Die Fehler der Vergangenheit sind zwar lange erkannt, und der Vorstand arbeitet seit Jahren daran, die Bank wieder profitabel zu machen, aber der Erfolg ist bislang ausgeblieben. Diesem Zweck dienten auch mehrere Kapitalerhöhungen und ein massiver Personalabbau.
Die Börse quittierte jedoch all dies mit weiteren Kursabschlägen. Den Grund für den jüngsten drastischen Wertverfall vermuten Experten im sogenannten Abbaubereich – also den Geschäftsfeldern, von denen sich die Bank verabschiedet hat. Dazu gehört auch ein umfangreiches Portfolio an Schiffsfinanzierungen, das nach und nach veräußert oder liquidiert werden soll. Dies ist jedoch wegen der anhaltenden Krise auf den Schifffahrtsmärkten schwieriger als gedacht. An den Märkten geht die Befürchtung um, dass hier neue böse Überraschungen lauern.

Albrecht Scheuermann 02.07.2013
02.07.2013