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Deutschland / Weltweit Daimler-Aktionäre kritisieren Allianz mit Renault und Nissan
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Daimler-Aktionäre kritisieren Allianz mit Renault und Nissan
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08:13 15.04.2010
Dieter Zetsche vor dem Prunkstück der Mercedes-Palette. Die Aktionäre fürchten Imageschäden durch Renault.
Dieter Zetsche vor dem Prunkstück der Mercedes-Palette. Die Aktionäre fürchten Imageschäden durch Renault. Quelle: dpa
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Berlin/Stuttgart. Bei Daimler kehrt nach einem miserablen Jahr mit tiefroten Zahlen das Selbstbewusstsein zurück. Der Konzern habe seine strategischen Hausaufgaben gemacht, rief Vorstandschef Dieter Zetsche den 5000 Aktionären auf der Hauptversammlung zu und stellte für dieses Jahr wieder profitables Wachstum in Aussicht. „Wir wollen 2010 etwa doppelt so schnell wachsen wie der globale Pkw-Markt“, sagte er in Berlin. „Wir haben uns nicht darauf beschränkt, in der Krise den Kopf über Wasser zu halten.“

Das vor wenigen Tagen geschlossene Bündnis mit Renault und Nissan stieß bei den Aktionären allerdings auf wenig Begeisterung. Daimler sei offenbar nicht fähig, die großen Aufgaben der Zukunft allein zu meistern, lautete die Kritik. Zudem fürchten viele Anteilseigner einen Imageverlust für den Stuttgarter Premiumhersteller durch die Kooperation mit den Massenmarken.

„Wie ein roter Faden“ zögen sich Fehlschläge durch die Geschichte der Allianzen Daimlers, sagte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Er habe Zweifel, dass Daimler einen Nutzen aus der neuen Kooperation ziehen könne. Ulrich Wecker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, die Kooperation sei eher eine „Notgeburt als ein Wunschkind“. Mit Blick auf die gescheiterte Chrysler-Fusion sagte ein weiterer Aktionärsvertreter: „Burger und Spätzle passen nicht zusammen. Spätzle mit Baguette und Sushi erscheint uns auch nicht attraktiver.“ Zetsche verteidigte das Bündnis und betonte dessen Bedeutung für die Entwicklung des Konzerns.

In der Belegschaft fürchten viele wegen der neuen Allianz um ihre Jobs und machten ihrem Ärger gestern auf einer Betriebsversammlung Luft. Der Betriebsratschef des Stammwerks Untertürkheim, Wolfgang Nieke, forderte eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. Die Stimmung ist auch gespannt, weil der Vorstand weiter vehement die Kosten drücken will. 5 Milliarden Euro pro Jahr hat Finanzchef Bodo Uebber als Ziel gesetzt. Zetsche bekräftigte in Berlin die Prognose, dass der Konzern in diesem Jahr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als 2,3 Milliarden Euro erreichen werde. Im vergangenen Jahr standen 1,5 Milliarden Euro Verlust zu Buche. „Grundsätzlich sehen wir für Daimler aber ein sehr viel höheres Ertragspotenzial.“ Für den Gesamtmarkt rechnen die Stuttgarter 2010 mit einer Steigerung der Pkw-Verkäufe von 3bis 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daimler will um bis zu 8 Prozent zulegen. 2009 war der Absatz der Daimler-Pkw-Sparte noch um 14 Prozent auf 1,1 Millionen Wagen zurückgegangen.

dpa/afp