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Deutschland / Weltweit Das Bürgeramt im Internet
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21:56 19.03.2015
Von Isabel Christian
Mit der Ausweis-App 2 ist kein klobiges Lesegerät mehr nötig, um den Onlinepersonalausweis zu nutzen.
Mit der Ausweis-App 2 ist kein klobiges Lesegerät mehr nötig, um den Onlinepersonalausweis zu nutzen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Wer sich im Jahr 2015 auf den Weg ins Bürgeramt macht, sollte eine Lunchbox mitnehmen. Denn ob man zehn Minuten oder Stunden auf einem ungemütlichen Plastikstuhl herumrutschen muss, bis man endlich einen Antrag abgeben kann, ist immer noch Glückssache. Hannoveraner sind mit einer Wartezeit von bis zu einer Stunde in Kernzeiten gut dran, in Wuppertal dagegen wurde im vergangenen Jahr ein Rekord von sechs Stunden aufgestellt.

So viel Aufwand darf nicht sein, finden nicht nur Bürger, sondern auch Kommunen und die Bundesregierung. Mit dem 2013 in Kraft getretenen E-Government-Gesetz soll die Verwaltung schrittweise digitalisiert werden, um ihre Arbeitsprozesse schneller zu machen. Ein Rundgang durch die Messehalle für den öffentlichen Sektor auf der Cebit zeigt, wie weit die digitale Verwaltung schon fortgeschritten ist - und was noch auf die Bürger zukommen kann.

Mit der Bürgerportalssoftware von Komm-IT, einer Kölner Firma, ist es möglich, per Mausklick Meldebescheinigungen zu beantragen, wie Valentine Höhn am Messestand des Unternehmens zeigt. Gleiches gilt für Geburtsurkunden oder die Anforderung von Briefwahlunterlagen. Sogar die Kfz-Anmeldung kann online vorbereitet werden.

Onlinebewerbung für Kita-Plätze

Können Eltern sich bald online um einen Kita-Platz bewerben? Auf der Cebit stellt auch das Unternehmen Little Bird seine Software für die Träger von Kindertagesstätten vor. Eltern können sich auf der Plattform zum einen über die Kita-Angebote ihrer Stadt informieren und bei ihrer Wunscheinrichtung eine Anfrage nach freien Plätzen stellen. Für Verwaltung und Träger gibt Little Bird dagegen einen Überblick über den Betreuungsplatzbedarf und führt eine Vormerkliste, sodass die Kita-Platzvergabe transparenter wird. Bislang  kommt das Programm niedersachsenweit nur in Wolfsburg zum Einsatz, doch die Stadt Hannover habe auch schon Interesse gezeigt, sagt Vertriebsleiter Frank Tändler. „Ich weiß, dass die Stadt dieses Jahr eine Ausschreibung zu dem Thema machen will.“

Neu ist die Idee des Bürgerportals nicht, viele Kommunen nutzen schon webbasierte Programme, um ihren Bürgern Anträge online zu Verfügung zu stellen. Auch die Stadt Hannover bietet auf ihrer Webseite zahlreiche Onlinedokumente für Anträge an und hat in einer Studie ermittelt, dass dieser Service sehr gut ankommt. Doch das sei noch ausbaufähig, sagt Stadtsprecher Andreas Möser. Zum Beispiel durch das digitale Bezahlsystem, welches in der Software von Komm-IT schon eingebaut ist. Dadurch können etwa Bescheinigungen online bezahlt und per Post versandt werden. Der Besuch im Bürgeramt ist nicht jedes Mal nötig. „Technisch ist in der Verwaltung schon viel möglich, nur wissen Bürger das oft nicht“, sagt Valentine Höhn.

Als Schlüssel zur Identifizierung im digitalen Bürgeramt ist der neue Personalausweis vorgesehen. Doch der hat nach wie vor ein Akzeptanzproblem. Nur 30 Prozent von rund 33 Millionen Ausweisbesitzern hat die Onlinefunktion überhaupt freischalten lassen. Als Hauptgründe dafür nennt Stephan Klein vom Softwareentwickler Governikus aus Bremen die geringe Zahl an Onlineplattformen, die den Ausweis als Identitätsnachweis akzeptieren, und die Notwendigkeit eines speziellen Auslesegeräts. „Letzteres ist die größte Hürde“, sagt er.

Deshalb läuft seit Kurzem die Erprobungsphase für die Ausweis-App 2, ab Monatsende soll jeder sie nutzen können. Was aber hat sich geändert? Die Software ist benutzerfreundlicher geworden und nun auch auf Tablet und Smartphone anwendbar. Zudem können die Daten auf dem Ausweis nun auch per Tablet ausgelesen werden, im Laufe des Jahres soll das Smartphone als Lesegerät folgen. Das Bundesinnenministerium hofft, auf diese Weise mehr Bürger für die Onlinefunktion des Ausweises interessieren zu können.

Manchen allerdings geht die Digitalisierung der Verwaltung nicht weit genug. „Die Ämter arbeiten noch überwiegend analog, während die Lebenswelt immer digitaler wird“, klagt Franz Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Modernisierung im Sinne des E-Govenment-Gesetzes reiche nicht aus, die Politik müsse auch auf Anforderungen reagieren. „In der Industrie sagen Ventile, wann sie gewechselt werden müssen. In der Verwaltung ist es dagegen ein riesiges Problem, dem Bürger mitzuteilen, wann sein Ausweis abläuft.“