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Deutschland / Weltweit Deutschland fehlen bis zu 500.000 Wohnungen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Deutschland fehlen bis zu 500.000 Wohnungen
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18:44 23.04.2015
„400.000 bis 500.000 Wohnungen fehlen im bezahlbaren Bereich.“
„400.000 bis 500.000 Wohnungen fehlen im bezahlbaren Bereich.“ Quelle: Oliver Berg
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Berlin

Deutschland wächst. Allein vergangenes Jahr um knapp 300 000 Menschen, das sind etwa so viele, wie in Münster wohnen. Doch es gibt da ein Problem: Die Menschen sind hier, aber die neue Großstadt ist noch nicht gebaut. Über Jahre wurden zu wenige neue Häuser hochgezogen, in einigen Großstädten sehen Experten eine neue Wohnungsnot. Bei Besichtigungsterminen stehen die Interessenten dort Schlange bis auf den Gehweg, die Mieten steigen. Wer nicht mithält, kann oft nur wegziehen.

„400 000 bis 500 000 Wohnungen fehlen im bezahlbaren Bereich“, meint Lukas Siebenkotten, der Direktor des Deutschen Mieterbundes, und sieht trotz steigender Neubauzahlen keine Entspannung. Denn auch für die wachsende Zahl von Flüchtlingen werden Wohnungen gebraucht. „Da müssen Sie locker noch mal 100 000 drauflegen.“ Mehr als 1,2 Millionen Menschen zogen 2013 nach Deutschland, drei Viertel davon EU-Bürger. Viele zieht es in die Städte. Im vergangenen Jahr beantragten 200 000 Menschen Asyl in Deutschland. Für dieses Jahr rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit 300 000 weiteren Anträgen, die Bundesländer mit noch mehr.

Doch die Zeit der Containerdörfer, Notunterkünfte und Zelte darf nicht von Dauer sein, da sind sich Vertreter von Mietern und Vermietern einig. „Das ist Desintegration, das führt zu Parallelwelten“, warnt Axel Gedaschko, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Flüchtlinge müssten in normale Mietwohnungen ziehen.

Damit das die Mieter-Konkurrenz in den Ballungszentren nicht noch zusätzlich verschärft, hofft Mieterbund-Direktor Siebenkotten auf mehr Bürgermeister wie Oliver Junk. Der Rathauschef von Goslar hatte bundesweit Aufsehen mit seinem Vorstoß erregt, dass er mehr Flüchtlinge in seine Stadt holen wollte, als er muss. Denn Städte wie Goslar kämpfen mit Abwanderung und Leerstand. „Das einfachste Wachstumsprogramm für Goslar heißt Zuwanderung“, meint Junk.

Im großen Stil neue bezahlbare Wohnungen zu bauen, sei ohnehin nahezu unmöglich geworden, kritisieren die Verbände. Ein Wust von Normen und Vorschriften, höhere Baulandpreise und wachsende Ansprüche künftiger Mieter hätten das Bauen seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent verteuert. Mindestens 10 Euro kalt pro Quadratmeter müsse man dafür verlangen - nicht 7 bis 8, was viele für „bezahlbar“ hielten.

„Wir haben den Punkt schon lange überschritten, an dem wir etwas bauen können, das alle bezahlen können“, fügt Andreas Ibel hinzu, der Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. „Die Regelungswut des Staates muss ein Ende erreichen.“ Das Bündnis fordert vom Staat Steuererleichterungen, Wohnungsbauförderung, billiges Bauland und einen neuen sozialen Wohnungsbau.

Von Burkhard Fraune