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Deutschland / Weltweit Deutschlandgeschäft stärkt Telekom den Rücken
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Deutschlandgeschäft stärkt Telekom den Rücken
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14:36 05.08.2010
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann.
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann. Quelle: dpa
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Schlechter Service, Kundenverluste und schwächelnde Geschäfte über alle Sparten und Länder: Seit Jahren kämpfte die Telekom gegen ihr angekratztes Image, Konkurrenten und Geschäftseinbußen. Jetzt verkündet Vorstandschef René Obermann: „Unser Kundenservice hat sich deutlich verbessert, wir sind wieder wettbewerbsfähig“.

Vor allem die deutschen Geschäfte im Mobilfunk und Festnetz haben an Stärke zurückgewonnen. „Wir sind vor vier Jahren angetreten, die Zukunft des Deutschland-Geschäftes zu sichern. Das ist uns gelungen“, sagte Vorstandschef René Obermann am Donnerstag bei der Vorlage Halbjahresbilanz des größten europäischen Telekommunikationskonzerns. Der Umsatz sei stabilisiert und das Ergebnis gesteigert worden.

Mit einem Konzernüberschuss von 1,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2010 gegenüber Verlusten von 0,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum drehte die Telekom die Zahlen deutlich in den schwarzen Bereich. Im zweiten Quartal verdiente der Bonner Riese allerdings mit 475 Millionen Euro knapp 9 Prozent weniger. Grund: Die britische Mobilfunktochter, die die Bonner im vergangenen Jahr in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Orange eingebracht hatte, wurde nicht mehr in den Zahlen berücksichtigt. Dies war auch die Ursache für den leichten Umsatzrückgang im ersten Halbjahr von 2,5 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro.

Vor allem über die erreichte Stabilisierung der Geschäfte im Festnetz zeigte sich Obermann zufrieden: Die Anschlussverluste seien inzwischen auf ein Rekordtief gefallen. Im Breitbandgeschäft habe es die Telekom geschafft, ihren Marktanteil von 6 Prozent im Jahr 2006 auf 52 Prozent im zweiten Quartal 2010 zu steigern.

Nach seinem Amtsantritt im November 2006 hatte der Konzernchef dem Unternehmen ein strikten Spar- und Effizienzkurs verordnet; Kosten in Milliardenhöhe sollten eingespart werden. Arbeitsplätze wurden gestrichen, viele Mitarbeiter verließen die Telekom oder wurden in neue Gesellschaften des Unternehmens versetzt. Die Verbesserung des Service hatte sich der Vorstand auf die Fahnen geschrieben. Die Zahl der Kundenbeschwerden sei seit Ende 2007 um mehr als die Hälfte gesunken, resümierte Obermann.

Im Mobilfunk sieht der Telekom-Chef den Konzern in Deutschland als eindeutigen Marktführer. „Wir haben unsere Wettbewerber klar übertroffen.“ Mit einem Anstieg der Mobilfunkumsätze im zweiten Quartal um 6,1 Prozent in Deutschland sei die Wende vollzogen worden. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verzeichnete sogar ein Zuwachs von 14,3 Prozent. Im Mobilfunk hatte die Telekom Ende Juni rund 37 Millionen Kunden, 2,1 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang sei aber auf die Ausbuchung inaktiver Prepaid-Karten zurückzuführen. Die Telekom profitiert weiterhin vom Verkauf des Apple-Handys iPhone. Das neue iPhone 4 kam erst Ende Juni in den Handel. „Die Nachfrage ist derzeit so hoch, dass wir sie nicht befriedigen können“, sagte Obermann.

Angeschoben wurden die Geschäfte vor allem auch durch das starke Wachstum im mobilen Internet. In diesem Bereich erlöste die Telekom im ersten Halbjahr 2,1 Milliarden Euro, ein Anstieg um fast 28 Prozent. Obermann sieht noch viel Potenzial: „Ich glaube, dass wir erst an der Obergrenze dieses Marktes kratzen“.

Doch trotz der positiven Nachrichten bleiben weiterhin Baustellen: So laufen die Mobilfunkgeschäfte in Osteuropa derzeit nicht so, wie es der Vorstand wünscht. Auch in den USA ist die Wende noch nicht geschafft. Die einstige Perle des Konzerns T-Mobile US schaffte dort im zweiten Quartal bei den Vertragskunden zwar wieder ein deutliches Kundenwachstum, doch das EBITDA schrumpfte um knapp 5 Prozent. Und auch der Kurs der T-Aktie ist noch längst nicht dort, wo ihn die Anleger sehen wollen. Am Donnerstag notierte das Papier bei 10,50 Euro, noch weit unter seinem Ausgabekurs von 14,36 Euro von vor 14 Jahren.

dpa