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Deutschland / Weltweit Dunkel: „Keine Landesbank ist wie die andere“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Dunkel: „Keine Landesbank ist wie die andere“
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11:50 25.09.2010
Gunter Dunkel, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB)
Gunter Dunkel, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB)
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Wie ist die derzeitige Geschäftslage der Nord/LB, Herr Dunkel?

Nach dem ersten Halbjahr haben wir uns vorsichtig zufrieden geäußert. Daran hat sich nichts geändert. Es gibt zwar nach wie vor Risiken im Kreditportfolio, und auch die Beteiligung an der DnB Nord belastet uns weiterhin. Dennoch erwarte ich für das Gesamtjahr ein solides positives Ergebnis.

Wie steht es mit der Aufarbeitung der Skandifinanz-Affäre?

Die interne Aufarbeitung dieser sehr unschönen Angelegenheit ist abgeschlossen. Zudem haben wir entschieden, die Skandifinanz in Zürich zu schließen. Sie wird voraussichtlich bis Ende 2011 abgewickelt. Das Privatkundengeschäft wird eingestellt, das Forfaitierungsgeschäft übernimmt unsere Luxemburger Tochter. Zudem haben wir alle notwendigen Schritte eingeleitet, um Ansprüche gegen Beteiligte durchzusetzen. Zwei Mitarbeiter des Züricher Instituts wurden entlassen. Wie der Stand der Ermittlungen bei der Züricher Staatsanwaltschaft ist, kann ich Ihnen nicht sagen.

Vor Kurzem sind die neuen Eigenkapitalregeln für Banken – bekannt unter dem Begriff „Basel III“ – veröffentlicht worden. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Norddeutsche Landesbank, wenn diese Vorschriften so in Kraft treten?

Die Beschlüsse machen eine strukturelle Kapitalstärkung notwendig. Das bedeutet, dass unser Eigenkapital insgesamt zwar ausreicht, aber seine Zusammensetzung geändert werden muss. Wir brauchen mehr hartes Kernkapital, also vor allem Stimmrechtskapital.

Was heißt das konkret?

Ein beträchtlicher Bestandteil unseres Eigenkapitals sind stille Einlagen. Diese werden künftig nur noch zum Teil als hartes Kernkapital anerkannt. Also müssen wir und unsere Träger überlegen, wie aus diesen Eigenkapitalformen hartes Kernkapital werden kann.

Ihre Träger, allen voran das Land Niedersachsen und sein Sparkassenverband, könnten doch frisches Kapital zur Verfügung stellen?

Sie haben eindeutig erklärt, dass dies nicht infrage kommt.

Die Bank könnte doch auch ihren Geschäftsumfang einschränken, um den Kapitalbedarf zu verringern. Der Präsident des Sparkassenverbandes, Thomas Mang, fordert schon seit Längerem eine Redimensionierung …

Wenn man darunter ein zurückhaltendes Neugeschäft und damit einen behutsamen Abbau von Risikopositionen versteht, dann tun wir das schon lange. Um das klarzustellen: Wir unterstützen den Kurs der Sparkassen, die Risiken der Landesbanken zu begrenzen, voll und ganz.

Wann sind Entscheidungen in der Kapitalfrage zu erwarten?

Unsere Träger wollen bis Jahresende eine Lösung finden. Entscheidungen dürften im ersten Quartal 2011 getroffen werden.

Sind Sie davon überzeugt, dass die Bank auch unter den Bedingungen von „Basel III“ ein tragfähiges Geschäftsmodell hat?

Eindeutig ja. Allerdings werden wir an etlichen Ecken noch daran feilen müssen. Dies betrifft auch unsere Unternehmenskultur. Wir brauchen eine höhere Veränderungsschnelligkeit und eine stärkere Ergebnisorientierung.

Wie beurteilen Sie insgesamt die zahlreichen neuen Regeln für das Bankgeschäft, die als Reaktion auf die Weltfinanzkrise schon beschlossen oder im Werden sind?

Insgesamt gehen die politischen Bestrebungen in die richtige Richtung. Das Bankensystem wird dadurch stabiler. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass wir in Deutschland wieder der Musterknabe sein wollen und es deshalb übertreiben.

Welche Auswirkungen haben die neuen Bankenregeln für den Wettbewerb in der Branche?

Ich erwarte, dass er sich verschärft. Als Folge der Krise hat er nachgelassen, sodass wir derzeit höhere Margen erzielen können. Aber das wird nicht so bleiben.

Ist die Krise schon vorbei?

Nein. Zwar sind die Kreditrisiken wieder im Griff, aber nun machen die stark zunehmenden Staatsschulden in einigen Ländern Sorge. Darin stecken auch substanzielle Risiken für die Banken. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten bleibt groß.

Derzeit ist wieder viel von der Konsolidierung unter den Landesbanken die Rede. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert einen neuen Anlauf zu Fusionen, die Institute und ihre Eigentümer in München und Düsseldorf verhandeln bereits darüber. Fühlen Sie sich auch angesprochen?

Wir beobachten die Entwicklung natürlich aufmerksam und sind bereit, jede gute Idee zu prüfen. Allerdings messen wir sie in jedem Fall an der Alternative, also daran, was wir im Alleingang stemmen können. Bisher war das Ergebnis der Prüfung stets so, dass ein Zusammenschluss ausschied. Das heißt nicht, dass wir dies für alle Zukunft ausschließen. Aber derzeit sehe ich darin keine sinnvolle Option.

Hat die Finanzkrise nicht den Druck erhöht, dass es nun nach langer Diskussion endlich zu einer Bereinigung des Landesbankensektors kommt? Schließlich hat sich gezeigt, dass es einigen Instituten an einem vernünftigen Geschäftsmodell mangelt.

Die Diskussion über die Landesbanken geht schon deshalb in die Irre, weil immer von „den“ Landesbanken die Rede ist. Dabei muss jede für sich betrachtet werden, keine ist wie die andere. Deshalb kann es auch nicht „die“ Lösung für alle Landesbanken geben.

Glauben Sie, dass die Nord/LB in zehn Jahren noch als selbstständige Bank existiert?

Ja. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Geschäftsmodell es uns ermöglicht, auch in zehn Jahren noch eine führende Rolle als selbstständige Bank in Norddeutschland zu spielen.

Interview: Albrecht Scheuermann