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Deutschland / Weltweit EADS: Rote Zahlen und ein geplatzter Jahrhundertdeal
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit EADS: Rote Zahlen und ein geplatzter Jahrhundertdeal
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21:05 09.03.2010
Das Tankflugzeug KC-30 während der Luftbetankung eines US-B2-Kampfjets.
Das Tankflugzeug KC-30 während der Luftbetankung eines US-B2-Kampfjets. Quelle: dpa
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Im Militärgeschäft lastet das Sorgenkind Airbus A400M auf der Bilanz, der Riesenflieger A380 schreibt auf absehbare Zeit rote Zahlen und der Kampf um den milliardenschweren Tankflugzeug- Auftrag aus den USA ist verloren. Europa reagierte entrüstet.

Das Aus für EADS im Kampf um das „Jahrhundertgeschäft“ mit der US- Luftwaffe schlug auch in der Politik hohe Wellen: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und die französische Regierung warfen der amerikanischen Regierung vor, den EADS- Konkurrenten Boeing deutlich zu bevorzugen. Die EU-Kommission nannte es höchst bedauerlich, dass sich das Konsortium aus Northrop Grumman und EADS nicht imstande sehe, für den Auftrag zu bieten.

Northrop Grumman und EADS hatten wenige Stunden zuvor ihren Rückzug aus dem Bieterwettbewerb über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar verkündet. Beide Konzerne begründeten dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Ausschreibung sei voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben. „Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden“, sagte Brüderle.

2009 stürzte das Unternehmen mit mehr als 119 000 Mitarbeitern trotz gut laufender Geschäfte mit etablierten Produkten tief in die Verlustzone. Die Anteilseigner, darunter auch der Großaktionär Daimler, sollen erstmals in der Konzerngeschichte keine Gewinnausschüttung erhalten. Im Vergangenen Jahr belastete den EADS- Konzern vor allem das Debakel beim Militärtransporter Airbus A400M. Unter dem Strich stand ein Verlust von 763 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,6 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Die EADS-Aktie notierte kurz vor Börsenschluss in Paris mit 2,6 Prozent im Minus.

Hauptgrund für den Verlust im vergangenen Jahr war eine erneute Rückstellung von 1,8 Milliarden Euro für den Transporter A400M. Das Flugzeug hatte den Zeit- und Kostenrahmen gesprengt, die Kosten sind von anfänglich 20 Milliarden Euro für 180 Flugzeuge auf mehr als 25 Milliarden Euro gestiegen. Die Staaten, die Transporter bestellt haben, wollen sich mit 3,5 Milliarden Euro an den Zusatzkosten beteiligen. EADS hatte schon zuvor 2,4 Milliarden Euro für die A400M beiseitegelegt.

Dennoch wehrte sich EADS-Chef Louis Gallois gegen den Eindruck eines Desasters. „Wir liefern ein Ausnahmeflugzeug, es wird ein Erfolg“, sagte er. Trotz der Mehrkosten sei die A400M eine vergleichsweise günstige Maschine. Ziel seien “400 bis 500 Exporte“, sagte Gallois. „Ein solches Flugzeug ist etwas für 50 Jahre.“

EADS musste allerdings eingestehen, auch der Riesen- Passagierflieger Airbus A380 sei noch nicht aus der Krise. Im vergangenen Jahr legte EADS für das Flugzeugprogramm 240 Millionen Euro zur Seite, die ineffiziente Produktion des Fliegers belastete das Ergebnis. Nennenswerte Verbesserungen erwartet Finanzvorstand Hans Peter Ring erst in zwei bis drei Jahren. Von operativ schwarzen Zahlen ist das A380-Programm nach seinen Angaben noch weit entfernt.

Der EADS-Umsatz blieb 2009 mit 42,8 Milliarden Euro fast stabil. Der Auftragseingang schrumpfte um gut die Hälfte, der Auftragsbestand ging jedoch nur um drei Prozent auf 389 Milliarden Euro zurück. Dabei hatte Airbus wegen der Luftfahrtkrise schwerer zu leiden als die übrigen Sparten.

Für 2010 rechnet das Management nicht mit einer Entspannung der Ertragslage. Die Nachfrage könnte auch noch im Jahr 2011 schwach bleiben, wie EADS-Chef Gallois sagte. Airbus soll in diesem Jahr bis zu 500 Flieger ausliefern, darunter 20 Exemplare der A380. Die Produktion der A320-Familie wird auf 36 Maschinen pro Monat hochgefahren - allerdings erst Ende des Jahres.

dpa