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Deutschland / Weltweit EZB nimmt Kurs auf Normalisierung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit EZB nimmt Kurs auf Normalisierung
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21:53 04.03.2010
Jean-Claude Trichet (r), Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), und der griechische Vizepräsident Lucas Papademos (l) sitzen am Donnerstag (04.02.2010) bei der turnusgemäßen Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main auf dem Podium.
Jean-Claude Trichet (rechts), Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), und der griechische Vizepräsident Lucas Papademos sitzen am bei der turnusgemäßen Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main auf dem Podium.
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Noch mindestens bis zum Herbst können sich die Banken des Euro-Raums auf die Geldversorgung durch die Europäische Zentralbank (EZB) verlassen. Allerdings beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt, im Kampf gegen die Finanzkrise ergriffene außergewöhnliche Maßnahmen schrittweise zurückzuführen.

So werden Banken von Ende April an wieder in ein Bietverfahren eintreten müssen, wenn sie sich für drei Monate Geld bei der EZB leihen wollen. Bisher ist der Leitzins für sie ein fester Zinssatz. Nach der Rückkehr zum „Auktionsmodus“ gilt er nur noch als Mindestgebot. Damit wird die Liquiditätsbeschaffung für Banken tendenziell teurer und eine Rückkehr zur normalen Geldversorgung der Finanzhäuser fortgesetzt. Die Entscheidung wurde jedoch nicht einstimmig von den 16 Ratsmitgliedern gefällt, sondern nur mit einer „überwältigenden Übereinstimmung“, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte.

Einig waren sich die Mitglieder des EZB-Rates darin, den Leitzins bei einem Prozent zu belassen. Dadurch sei eine ausreichende Liquiditätsversorgung der Banken gewährleistet, während langsam der Weg in Richtung Normalität zurückgelegt werde. Trichet äußerte sich nicht zu Erwartungen an den Märkten, dass die EZB auch wegen der Sorge um die Staatsfinanzen Griechenlands und anderer Staaten des Euro-Raumes womöglich erst im kommenden Jahr den Leitzins wieder anheben könnte.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass das von der griechischen Regierung verkündete zusätzliche Sparpaket an den Finanzmärkten neues Vertrauen in das Land rechtfertigen werde. „Griechenland ist heute in einer wesentlich besseren Verfassung als davor“, sagte Trichet.

Sollten auch die Finanzmärkte den Sparanstrengungen vertrauen, hätte die EZB eine Sorge weniger. Damit würde sich die Gefahr in Luft auflösen, dass sich griechische Staatsanleihen bald nicht mehr als Sicherheit für Zentralbankgeschäfte eignen könnten. Dazu müssen die Anleihen mindestens von einer der großen Ratingagenturen mit der Note A bewertet sein. Derzeit beurteilt nur noch Moody’s griechische Papiere so positiv.

Bis zum Ende des Jahres gilt zwar noch eine Ausnahme, die der EZB auch die Annahme schlechterer Papiere gestattet. Doch sollte Moody’s in den kommenden Monaten den Daumen über Griechenland senken, verlören griechische Staatsanleihen enorm an Attraktivität, weil sie damit nicht mehr „zentralbankfähig“ wären. Dies könnte das Land vor das Problem stellen, sich nicht länger Geld am Kapitalmarkt leihen zu können.

Martin Dowideit