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Deutschland / Weltweit Firmen spüren erste Kratzer in Bilanzen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Firmen spüren erste Kratzer in Bilanzen
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11:06 10.05.2014
Exportorientierte Firmen spüren zunehmend die Schwäche der russischen Währung. Quelle: Arno Burgi
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Frankfurt/Main

Die deutsche Wirtschaft ist in bester Stimmung - selbst die Krise in der Ukraine kann die Zuversicht der Unternehmen bisher nicht bremsen. Exportorientierte Firmen spüren allerdings zunehmend die Schwäche der russischen Währung, sie ging schon vor dem Konflikt auf Talfahrt. Um ein Fünftel ist der Wert des Rubels zum Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2013 gefallen. Die Folge: Produkte „made in Germany“ werden in Russland merklich teurer.

„Viele Exporteure sehen bereits deutliche Bremsspuren in ihrem Russlandgeschäft“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Auch wenn sich der Ukraine-Konflikt nicht weiter verschärft, rechnen wir mit rund 10 Prozent Minus im Gesamtjahr - das sind mehr als 3 Milliarden Euro.“ Dem Statistischen Bundesamt zufolge gibt es seit einem Jahr durchweg monatliche Rückgänge bei den deutschen Ausfuhren nach Moskau. Die russische Wirtschaft schwächelt seit einiger Zeit. Im ersten Quartal 2014 schrumpfte sie laut Internationalem Währungsfonds (IWF) sogar um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal - auch ohne harte Wirtschaftssanktionen. Das macht sich bemerkbar.

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Für den Konsumgüterhersteller Henkel ist Russland mit einem anteiligen Umsatz von gut einer Milliarde Euro der viertgrößte Markt. Die Rubel-Schwäche bremste die Erlössteigerung im ersten Quartal. In der Ukraine - bislang einer der wichtigsten Wachstumsmärkte des Unternehmens - verkaufte der Dax-Konzern sogar weniger.

Der Sportartikel-Riese Adidas bekommt den Verfall der russischen Währung ebenfalls zu spüren. Der Umsatz ging auch deswegen im ersten Quartal zurück. Das Land gehört zu Adidas' bedeutendsten Märkten. Der Arzneimittel-Hersteller Stada startete zwar mit einem Umsatzplus ins Jahr. In Russland - Stadas zweitgrößtem Markt - sanken die Erlöse aber um 13 Prozent. In Euro gerechnet hätte es dagegen ein Plus von 4 Prozent gegeben. Den Geldautomaten- und Kassensystem-Anbieter Wincor Nixdorf trifft es derweil gleich doppelt. Die Paderborner leiden einerseits unter der Rubel-Schwäche, außerdem verschoben wegen der politischen Unsicherheit schon einige Kunden ihre Investitionen.

Der Handelskonzern Metro wiederum legt den geplanten Teil-Börsengang des Russlandgeschäfts von Cash & Carry vorläufig auf Eis. Zugleich betonen die Düsseldorfer allerdings, dass sich das Geschäft in dem Land weiter positiv entwickle. Insgesamt sieht Thomas Harms, Partner beim Beratungsunternehmen Ernst & Young (E&Y), nur begrenzte Auswirkungen des Konflikts - zumindest für die 30 deutschen Börsenschwergewichte: „Russland ist für die meisten Dax-Konzerne nur ein Markt unter vielen.“ Sie erzielten geschätzt gerade einmal 2 Prozent ihres Umsatzes in dem Land.

Im Einzelfall kann es Unternehmen aber durchaus schmerzhaft treffen. Für die deutschen Maschinenbauer ist Russland der viertgrößte Exportmarkt mit einem Volumen von 7,8 Milliarden Euro. „Die Exportzahlen sind bereits seit dem zweiten Halbjahr 2013 rückläufig“, sagt Ulrich Ackermann vom Branchenverband VDMA. Die russische Wirtschaft stecke seit geraumer Zeit in schwerem Fahrwasser. „Das hat nicht erst mit der Krise angefangen.“

Die Verunsicherung sei derzeit groß, viele Maschinenbauer hielten sich mit Geschäften zurück: „Niemand weiß, was politisch kommt und ob harte Wirtschaftssanktionen beschlossen werden.“ Die Unternehmen warteten erst einmal ab. „Aber sie planen keinen Rückzug.“

Welche Konsequenzen schärfere Strafen gegen Russland haben könnten, lässt sich schwer absehen. Der IWF stellte unlängst eine düstere Prognose auf und warnte vor einer Rezession im größten Land der Welt. Dennoch ist Harms zuversichtlich: „Wenn Russland in diesem Jahr in die Rezession rutscht, führt das zwar zu Umsatzeinbußen, die durch die Rubel-Abwertung noch verstärkt werden. Insgesamt halten sich die Auswirkungen für die meisten Unternehmen aber in Grenzen.“

dpa