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Deutschland / Weltweit FBI spürt mutmaßlichen Anlagebetrüger Stanford in Virginia auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit FBI spürt mutmaßlichen Anlagebetrüger Stanford in Virginia auf
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23:52 20.02.2009
Das Logo der Stanford Financial Group in Zürich. Quelle: Sebastian Bozon/afp
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Agenten hätten Stanford in der Region Fredericksburg Gerichtsunterlagen im Zusammenhang mit den Ermittlungen der US-Finanzaufsicht SEC überreicht, teilte das FBI am Donnerstag in Washington mit. Bislang sei kein Haftbefehl ausgestellt worden, sagte ein FBI-Sprecher und hob hervor, dass in einem Zivil- und nicht in einem Strafverfahren ermittelt werde.

Die SEC wirft dem Milliardär und drei seiner Unternehmen vor, „ein betrügerisches, mehrere Milliarden schweres Investmentsystem“ aufgebaut zu haben, in dessen Zentrum der Verkauf von Zertifikaten im Wert von acht Milliarden Dollar gestanden haben soll. Die Anleger sollen bei dem mutmaßlichen Betrug von der Stanford International Bank „mit ungerechtfertigten und unwahrscheinlichen Zinsversprechen“ geködert worden sein.

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Die US-Finanzaufsicht bringt Stanford zudem mit einem weiteren betrügerischen Fondsprogramm mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro in Verbindung, bei dem „grundlegend falsche“ Angaben gemacht worden sein sollen. Stanford sei „in einen Betrug von schockierendem Ausmaß verwickelt, der seine Tentakel über die ganze Welt verbreitet hat“.

Stanfords Unternehmen unterhalten Niederlassungen in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und in der Karibik. Neben der auf der Karibikinsel Antigua ansässigen Stanford International Bank (SIB) besitzt der Milliardär auch das Börsenmaklerunternehmen Stanford Group Company (SGC) und die Investmentberatung Stanford Capital Management.

Eine US-Anwaltskanzlei reichte am Donnerstag vor einem Gericht in Texas eine Sammelklage von Kunden der SIB ein. Bereits am Dienstag war in den USA das Vermögen von Stanford, seinen Banken und zwei seiner Top-Manager eingefroren worden. Ermittler versuchen zudem, an sein Auslandsvermögen heranzukommen, was sich angesichts der weltweiten Verzweigung der Finanzgruppe als schwierig erweisen dürfte. Stanford war besonders in der Karibik und in Lateinamerika erfolgreich. In fünf lateinamerikanischen Ländern unternahmen die Regierungen bereits erste Schritte, um aufgebrachte Kunden zu beruhigen.

Venezuela verstaatlichte am Donnerstag die Niederlassung der Stanford Bank im Lande, will sie aber umgehend wieder verkaufen. In Ecuador und in Peru wurden die Stanford-Banken vom Börsenhandel ausgeschlossen. 30 Tage lang dürfe in Ecuador kein Vertreter der Stanford Financial Group Wertpapiergeschäfte an der Börse abwickeln, erklärte Börsenchefin Monica Villagomez.

Für den gleichen Zeitraum untersagten die Aufsichtbehörden in Lima den Wertpapiermaklern der Stanford Group Peru „vorsorglich“ ihre Vermittlergeschäfte; in Kolumbien willigte der Stanford-Vertreter auf Drängen der Bankenaufsicht ein, seine Börsengeschäfte auszusetzen. In Panama übernahm die Bankenaufsicht die Verwaltung der Stanford-Bank.

Die Finanzgruppe des 1950 in der Nähe des texanischen Dallas geborenen Stanford hat eigenen Angaben zufolge 50.000 Kunden in mehr als 130 Ländern und verwaltet ein Vermögen von 50 Milliarden Dollar. Das Familienunternehmen wurde bereits 1932 in Zeiten einer Wirtschaftskrise gegründet. Stanford hatte sich neben seinen Finanzgeschäften auch als weltweiter Sponsor des Cricket-Sports einen Namen gemacht.

Der Betrugsfall ist der größte derartige US-Fall, seit im Dezember der New Yorker Investor Bernard Madoff festgenommen wurde. Dieser soll seine Kunden um bis zu 50 Milliarden Dollar geprellt haben. Nach Angaben der SEC hat die Stanford International Bank „fälschlicherweise“ angegeben, keine Verbindungen zum Madoff-System zu unterhalten.

afp