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Deutschland / Weltweit An den Grenzen des Nulltarifs
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit An den Grenzen des Nulltarifs
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19:17 24.09.2013
Von Stefan Winter
Quelle: dpa / Symbolbild
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Die Anschubfinanzierung lieferte vor Jahren eine Konventionalstrafe des ehemaligen Partners GM, später bekam Fiat eine Chrysler-Beteiligung praktisch zum Nulltarif – die US-Regierung hatte die Sanierung mitbezahlt und war 2009 froh, nach der Insolvenz einen Partner für Amerikas drittgrößten Autobauer zu finden.

Doch das „Prinzip Nulltarif“ stößt an Grenzen: Der zweite Chrysler-Eigentümer Veba, ein Gesundheitsfonde der amerikanischen Autogewerkschaft UAW, will für seine Anteile echtes Geld sehen – und droht Marchionne einen Strich durch die Rechnung zu machen. Inzwischen gehören Fiat 58,5 Prozent der Chrysler-Anteile, Marchionne führt beide Unternehmen als transatlantischer Pendler, und Chrysler macht sogar Gewinn – so viel, dass die Amerikaner zu Fiats Lebensversicherung geworden sind. Die restlichen Anteile gehören seit der Insolvenz dem Gewerkschaftsfonds. Fiat will sie kaufen und Veba ist ausstiegsbereit, doch die geforderten 5 Milliarden Dollar sind Marchionne viel zu viel für 41,5 Prozent an Chrysler – und zu viel für die Fiat-Kasse. Die Ratingagentur Moody’s bewertet die Kreditwürdigkeit der Italiener mit dem „Ramschstatus“ Ba3.

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Seit Monaten pokern beide Seiten, die Vorstellungen liegen weit auseinander: UAW bewertet Chrysler insgesamt mit rund 10 Milliarden Dollar, Fiat hält weniger als die Hälfte für angemessen. Jetzt scheint der Gewerkschaftsfonds die Geduld zu verlieren: Veba will Chrysler an die Börse bringen, um dort einen besseren Preis zu erzielen. Ein Viertel der Anteile könnten die Amerikaner verkaufen, auf den Rest hat Fiat ein Vorkaufsrecht. Montagabend hat Veba Chrysler dazu gezwungen, die formalen Schritte für einen Börsengang einzuleiten. Chrysler selbst warnte davor und verwies darauf, dass Fiat überzeugt sei, „dass eine börsengehandelte Chrysler-Gruppe die Vorteile einer Allianz von Fiat und Chrysler verhindern oder verzögern wird“.

Tatsächlich wäre Fiats Mehrheit viel zu knapp, um die Integration weiter voranzubringen. Freie Aktionäre dürften sich auch an Marchionnes Doppelrolle in Turin und Detroit stören. Vor allem aber würde die knappe Mehrheit nicht ausreichen, um auf Chryslers Kasse zuzugreifen – was Fiat bitter nötig hätte. Nun kann Marchionne nur hoffen, dass die Investoren für das Chrysler-Paket noch weniger bieten als er. Jüngst gab er sich noch siegessicher: „Lasst den Markt sprechen“, sagte Marchionne in einem Interview.