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Deutschland / Weltweit Fiat will nun doch alle vier Opel-Werke erhalten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Fiat will nun doch alle vier Opel-Werke erhalten
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08:58 05.05.2009
Sergio Marchionne
Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne. Quelle: Damien Meyer/afp
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Es werde sich zeigen, ob die Vorschläge tragfähig seien, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Montagabend in der ARD-Sendung „Beckmann“. Fiat-Chef Sergio Marchionne stellte unterdessen klar, dass im Fall eines Einstiegs alle Opel-Werke in Deutschland erhalten werden sollen.

Mit Blick auf den von Fiat geplanten Superkonzern mit Chrysler und Opel sagte Rüttgers: „Es gibt eine alte Erfahrung: Größe allein ist kein Wert.“ Vor allem der Nutzen der beabsichtigten Übernahme des US-Autobauers Chrysler durch Fiat sei ihm unklar. „Das war ja bisher, um es vorsichtig zu sagen, nicht die beste Adresse“, ergänzte der Ministerpräsident, in dessen Bundesland das Opel-Werk Bochum liegt.

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel reagierte ebenfalls zurückhaltend. „Unsere Skepsis ist noch nicht ausgeräumt“, sagte er der in Essen erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Es blieben entscheidende Fragen ungeklärt. Der Betriebsrat kritisierte, dass der Fiat-Chef die Motorenfertigung in Kaiserslautern in Frage stelle. Von der Getriebeproduktion hingen auch in Bochum rund 600 Arbeitsplätze ab, warnte Einenkel.

Fiat-Chef Marchionne sagte der „Bild“-Zeitung (Dienstagsausgabe), er wolle alle deutschen Opel-Werke nach einer möglichen Fusion erhalten. Die Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern würden gebraucht, um genügend Autos herzustellen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte sein Gespräch mit Marchionne am Montag so interpretiert, dass die Zukunft des Komponentenwerks in Kaiserslautern auf dem Spiel stehen könnte.

Marchionne sagte der „Bild“-Zeitung weiter, dass die Opel-Werke jedoch effizienter und die Belegschaften verkleinert werden müssten. „Wenn alle vier Werke bleiben, kostet das natürlich Geld. Wir wollen diese Kosten aber übernehmen. Ich kann Ihnen heute aber noch nicht sagen, wie viele Mitarbeiter wir brauchen.“ Fiat wolle die Marke Opel weiterentwickeln und „so bedeutend machen wie früher“, ergänzte der Fiat-Chef. „In den richtigen Händen“ habe Opel eine „sehr gute Zukunft“ vor sich.

Der Fiat-Chef hatte sein Konzept am Montag Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) vorgestellt. Guttenberg drang auf eine schnelle Entscheidung über die Zukunft Opels. Dies dürfe nicht auf ewig hinausgeschoben werden, sagte er am Montagabend im „heute journal“ des ZDF. Der Wirtschaftsminister hielt auch eine Entscheidung noch in diesem Monat für möglich. Die Bundesregierung habe nach den Gesprächen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne keinerlei Vorfestlegung getroffen, betonte Guttenberg. Er sei „gespannt“ auf das Konzept des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna, der sich ebenfalls für Opel interessiert.

afp