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Deutschland / Weltweit „Forschung ist in Deutschland optimal“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit „Forschung ist in Deutschland optimal“
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08:37 07.09.2012
Foto: Christian Lamprechter
Intels Deutschlandchef Christian Lamprechter lobt im Interview die Forschungslandschaft.
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Berlin

Intel hatte zuletzt ein verlangsamtes Umsatzwachstum, der Gewinn ist zurückgegangen. Worin liegt das Problem?
Insgesamt hatten wir zwei sehr starke Jahre 2010 und 2011 mit mehr als 40 Milliarden Dollar Umsatz 2010 und 54 Milliarden 2011, und es war klar, dass wir dieses Wachstum nicht halten können. Außerdem haben wir noch im ersten Quartal die Auswirkungen der Flutkatastrophe in Thailand und ihre Folgen für die Festplattenproduktion gespürt. Zudem leiden wir an einer schwachen Nachfrage in Westeuropa und Nordamerika. Deshalb haben wir unsere Umsatzerwartung für 2012 nach unten korrigiert.

Intel ist im Geschäft mit Prozessoren für Tablet-Computer und Smartphone-Alleskönnerhandys schwach. Was tun Sie dagegen?
Wir haben letztes Jahr die Ultrabook-Kategorie ins Leben gerufen, eine Kombination aus Notebooks und Tablets – sprich: Produktivität, Sicherheit, schnelle Leistung verbunden mit schnellen Bootzeiten und schmaler Form. Bei Smartphones haben wir schon 2011 die Partnerschaft mit Google bekannt gegeben und dieses Jahr weitere Partner gewonnen, etwa Motorola, Lava in Indien, Lenovo in China und Orange in England und Frankreich. Wir haben auch gesagt, dass das für uns nicht ein Hundertmeterlauf ist, sondern ein Marathon.

Ist es sinnvoll, dass Patente so stark geschützt werden wie im aktuellen Patentstreit zwischen Apple und Samsung?
Das geistige Eigentum muss beschützt werden. Es gibt aber Grauzonen bei der Frage, was ist eine Innovation und was ist nah an der menschlichen Natur – etwa bei den neuesten Konzepten, mit den Geräten über die Augen zu interagieren.

Welche Stellung hat Deutschland innerhalb des Konzerns?
Intel hat drei strategische Säulen – und Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen alle drei Kernbereiche vertreten sind. Bei energieeffizienten Plattformen ist der Standort in Braunschweig mit 120 Beschäftigten federführend. In der Sparte Connectivity – also die Frage, wie verbinde ich meine Geräte – haben wir durch die Aquisition von Infineon Wireless massiv dazugewonnen. Deutschland ist einer der Hauptstandorte rund um das Thema LTE-Mobilfunktechnik, Modems für Telefone und Ultrabooks. Zur dritten Säule, Sicherheit, haben wir vor Kurzem mit der TU Darmstadt ein Labor eröffnet. Daneben betreiben wir seit Februar in Karlsruhe ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für automobile Komponenten. Dieses Jahr kommen Mercedes und BMW bereits mit den ersten Intel-basierten Bordcomputern auf den Markt.

Intel Deutschland ist sehr stark in Forschung und Entwicklung. Warum hier und nicht beispielsweise in Ungarn oder Rumänien?
Die Universitäten in Deutschland sind sehr offen, mit der Industrie zu kooperieren. Auch die Automobilhersteller waren sehr interessiert, sich mit uns zusammenzusetzen. Nicht zuletzt gibt es in Deutschland hervorragende Ingenieure, die sich auch gut im internationalen Kontext bewegen können. Für das Zentrum in Karlsruhe gab es innerhalb des Konzerns viel Konkurrenz, aber es war relativ schnell klar, dass Deutschland die beste Alternative ist.

Viele Chiphersteller haben Werke in Deutschland. Eine von Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Emirat Dubai geplante Chipfabrik in Frankfurt (Oder) ist 2003 gescheitert. Wird es einen neuen Anlauf für ein Werk geben?
Intel stellt mittlerweile seine Fabriken nur noch dort hin, wo der Konzern bereits ein Fabriknetz hat. Grundsätzlich sind wir aber absolut überzeugt, dass das Standbein Forschung und Entwicklung in Deutschland optimal ist. Das ist eine nachhaltige Investition und ein Pfund, auf das wir als deutsche Intel-Mitarbeiter sehr stolz sind. Allein in diesem Jahr haben wir bereits mehrere hundert Mitarbeiter neu eingestellt.

06.09.2012
Lars Ruzic 06.09.2012