Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Funkes Kampf um Millionengehalt erzürnt Ex-Aktionäre
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Funkes Kampf um Millionengehalt erzürnt Ex-Aktionäre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:24 06.05.2010
Demonstranten gegen die Klage des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, stehen vor dem Justizpalast in München.
Demonstranten gegen die Klage des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, stehen vor dem Justizpalast in München. Quelle: ap
Anzeige

„Es ist uns bewusst, dass das ein emotional besetztes Thema ist, aber wir sind hier nicht bei „Richterin Barbara Salesch““, mahnt er das Publikum und verbittet sich mögliche Zwischenrufe. Krenek weiß, dass mit Funke eine Reizfigur der Finanzkrise im Fokus des Verfahrens steht. Dass ausgerechnet der Manager, unter dessen Führung die HRE an den Rand der Pleite geriet und mit vielen Milliarden gerettet werden musste, um sein Gehalt streitet, erzürnt nicht nur Kleinanleger und Aktionärsschützer, sondern auch viele Bürger.

Seit seinem Rauswurf vor rund eineinhalb Jahren muss sich Funke mit einer Lawine der Empörung auseinandersetzen. Von „Gier“ und „Maßlosigkeit“ über „katastrophale Fehlentscheidungen“ bis hin zu „völligem Realitätsverlust“ reichen die Vorwürfe, die ihm gemacht werden. „Sie tragen hier die komplette moralische Verantwortung für das Ungemach, das uns Kleinaktionären angetan wurde“, lässt Ex- Anlegerin Ulrike Struzek Funke in einem Brief wissen, den sie ihm zum Prozessauftakt zukommen lässt. Der Gescholtene erspart sich den Auftritt bei Gericht am Donnerstag. Er ist zu dem Termin nicht geladen und lässt sich lieber von seinem Anwalt vertreten.

Für das Gericht tun die Anwürfe in dem Zivilverfahren derweil nichts zur Sache, wie Richter Krenek klarstellt. In dem Prozess gehe es nicht um die Finanzkrise selbst oder um eine Schuld am Beinahe- Zusammenbruch der Bank, sondern um die Rechtmäßigkeit einer fristlosen Kündigung. Und die dürfe in einem Rechtsstaat noch immer jeder vor Gericht überprüfen lassen.

In den kommenden Monaten muss die Kammer nun prüfen, ob Funke und die beiden früheren HRE-Vorstände, die mit ihm gegen ihren Rauswurf vor Gericht gezogen sind, tatsächlich „schwere Versäumnisse“ begangen haben, wie ihr ehemaliger Arbeitgeber ihnen vorwirft. So hat die frühere Führungsspitze aus Sicht der HRE die Übernahme der irischen Pfandbriefbank Depfa vorab nicht genau genug unter die Lupe genommen und bei der Refinanzierung nicht angemessen umgesteuert, als es eng wurde. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die Depfa die HRE in den Abwärtsstrudel gerissen, weil sie langfristige Kredite nicht mehr kurzfristig refinanzieren konnte.

Nach dem ersten Prozesstag kann Funke zunächst einmal weiter auf aus seiner Sicht ausstehende Gehalts- und Pensionszahlungen hoffen. Auf Basis vorliegender Dokumente könnte die Kündigung unwirksam gewesen sein, deutet Krenek an. Entschieden ist damit allerdings noch nichts, weil die Kammer wohl erst einmal den Rat von Sachverständigen einholen und Zeugen hören muss, um abschließend zu beurteilen, ob Funke & Co. ihre Pflichten verletzten.

Die früheren HRE-Aktionäre werden den Fortgang des Verfahrens, das sich voraussichtlich noch bis ins kommende Jahr hinziehen wird, in jedem Fall weiter mit Argusaugen beobachten. Denn sie erhoffen sich auch wichtige Informationen für ihre eigenen Klagen gegen die HRE, die der verstaatlichte Immobilienfinanzierer wiederum für unbegründet hält. Dabei haben sie nach wie vor ein klares Ziel vor Augen, wie Bohdan Kalwarowskyj sagt, der mit dem Kauf von HRE-Aktien für seine Kinder mehrere tausend Euro verlor: „Wir versuchen, die HRE samt (Bankenrettungsfonds) SoFFin in die Knie zu zwingen.“

dpa