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Deutschland / Weltweit GM mit größtem Börsengang aller Zeiten wieder in Freiheit
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit GM mit größtem Börsengang aller Zeiten wieder in Freiheit
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20:20 18.11.2010
General-Motors-Chef Daniel Akerson (Mitte) freut sich über den guten Start an der New Yorker Börse.
General-Motors-Chef Daniel Akerson (Mitte) freut sich über den guten Start an der New Yorker Börse. Quelle: ap
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Mit dem wohl größten Börsengang aller Zeiten hat der US-Autobauer General Motors (GM) seine Unabhängigkeit zurückgewonnen. Nur ein gutes Jahr nach der Beinahepleite konnte sich der Konzern aus der staatlichen Obhut lösen. Die Aktie des Opel-Mutterkonzerns sprang am Donnerstag gleich zu Handelsbeginn in New York um 6 Prozent auf glatte 35 Dollar hoch.

„Das ist ein großartiger Tag für jeden, der mit GM verbunden ist“, sagte Konzernchef Daniel Akerson. Er läutete im großen Handelssaal an der Wall Street das Comeback des fast pleitegegangenen Autogiganten ein. Vorausgegangen war eine harte Sanierung. Die Investoren rissen sich um die Papiere. GM hatte die Aktien mit 33 Dollar bereits teurer angeboten als ursprünglich geplant. Der Großteil des eingenommenen Geldes von bis zu 23,1 Milliarden Dollar geht an den US-Staat als Mehrheitseigner.

Die Regierung hatte GM mit einer Finanzspritze von 49,5 Milliarden Dollar vor dem Untergang bewahrt. „Wir werden diese Hilfe nie vergessen“, sagte Akerson. „Wir wissen, wo wir standen.“ Das Comeback ist bemerkenswert: Das Unternehmen ließ die Verluste der Vergangenheit hinter sich und gilt heute wieder als einer der aussichtsreichsten Autobauer der Welt. Nur die deutsche Tochter Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall gelten noch als Sorgenkinder, weil die Europäer sich mit Autokäufen zurückhalten.

Akerson will das Europageschäft mit den gleichen Mitteln auf Vordermann bringen, die schon in Nordamerika gewirkt haben: Kapazitäten runterfahren, Kosten senken. Im Klartext bedeutet das die Streichung von 8000 Stellen. Bei den Autos vom Corsa bis zum großen Insignia sieht Akerson dagegen wenig Handlungsbedarf. „Europa ist in guter Verfassung, was die Modellpalette angeht.“

Nach einer aktuellen Studie des Center for Automotive Research haben die staatlichen Finanzspritzen bis heute 1,4 Millionen Jobs bei Zulieferern und Herstellern gerettet. Der Steuerzahler hatte auch den kleineren Rivalen Chrysler stützen müssen. Der strebt mittelfristig ebenfalls wieder an die Börse, schreibt momentan aber noch Verluste. Nur die Nummer zwei im Land, Ford, überlebte aus eigener Kraft.

Bis dato hatten die USA 61 Prozent der GM-Anteile gehalten. Die nun verbleibenden mindestens 33 Prozent sollen nach und nach abgestoßen werden. Kanada und die Autogewerkschaft UAW haben ebenfalls Aktien abgegeben. Der vierte im Bunde, die Gläubiger der alten GM, wartet auf bessere Kurse. Der Großteil der neuen Investoren kommt aus Nordamerika. Staatsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, die ein Faible für die Autoindustrie haben und etwa bei VW oder Daimler engagiert sind, sicherten sich ebenfalls ein Stück an GM.

dpa