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Deutschland / Weltweit GM überdenkt Opel-Verkauf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit GM überdenkt Opel-Verkauf
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07:52 25.08.2009
GM-Chef Fritz Henderson: Will er doch nicht verkaufen?
GM-Chef Fritz Henderson: Will er doch nicht verkaufen? Quelle: Bill Pugliano/afp
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Wie die Zeitung „Wall Street Journal“ am Montagabend auf ihrer Website berichtete, versucht GM jetzt, 4,3 Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro) selbst aufzubringen, um Opel behalten und selbst umstrukturieren zu können. Der Alternativplan soll demnach bis Anfang September fertig sein.

Auf Wunsch von GM-Chef Fritz Henderson solle der Plan „bis zur nächsten Sitzung des Verwaltungsrats Anfang September“ fertig sein, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf drei Informanten. Henderson habe am Freitag die derzeitigen Optionen vor dem neuen GM-Verwaltungsrat vorgetragen, um dessen Unterstützung für das Angebot des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna zu bekommen, für das die Bundesregierung eine Kreditbürgschaft von 4,5 Milliarden Euro geben will. „Der Rat hat den Magna-Deal abgelehnt und darauf hingewiesen, wie stark ein derartiger Verkauf die GM-Strategie in Europa beeinträchtigen würde“, heißt es im „Wall Street Journal“. Zudem seien „Bedenken hinsichtlich spezifischer Details im Zusammenhang mit der Finanzierungszusage der Bundesregierung“ geäußert worden.

Das GM-Management sei aufgefordert worden, die Optionen zu überdenken und weitere Szenarios zur Abwägung vorzubereiten, darunter ein Plan, wie neue Milliarden aufgebracht werden könnten, die es GM erlauben würden, Opel zu behalten. Eine weitere abzuwägende Option, „wenngleich abseitig“, sei die mögliche Insolvenz von Opel.

Nach dem monatelangen Tauziehen um die Zukunft von Opel wäre ein Verbleib Opels im US-Mutterkonzern die absolute Kehrtwende. Bei den Verhandlungen um die Rettung von Opel geht es derzeit um eine staatliche Kreditbürgschaft von 4,5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung nur gewähren will, falls ihr Wunschkandidat, der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna, den Zuschlag behält. Der GM-Mutterkonzern bevorzugt hingegen den belgischen Finanzinvestor RHJ International (RHJI).

US-Präsident Barack Obama will sich nicht in die Entscheidung über die Opel-Übernahme einschalten, wie sein Sprecher Bill Burton am Ferienort der Familie Obama auf der Insel Martha’s Vineyard erläuterte. Obama sei der Ansicht, die Entscheidungen über das Schicksal von Opel müssten bei GM gefällt werden. Obama habe sich „niemals in die Angelegenheiten der Autobauer einmischen wollen“, sagte Burton. Diese müssten selbst wissen, wie sie die Krise überstünden. Die US-Regierung ist Mehrheitseigner bei GM. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Wochenende mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton über die Entscheidung zur Übernahme Opels gesprochen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte dem Düsseldorfer „Handelsblatt“ vom Dienstag, die Bundesregierung werde für eine Übernahme des Autobauers Opel durch RHJ kein Finanzierungskonzept liefern. „Eine staatliche Überbrückungshilfe bekommt ausschließlich Magna“. Es sei “ärgerlich“, dass der GM-Verwaltungsrat bisher keine Entscheidung getroffen habe. „Mein Eindruck ist, dass einige im Management von General Motors deshalb Sympathien für den Finanzinvestor RHJ International haben, weil damit leichter eine Rückkauf von Opel in ein paar Jahren möglich ist“, sagte der SPD-Politiker.

afp