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Deutschland / Weltweit Gewerkschaften kündigen Bahnstreiks im Regionalverkehr an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Gewerkschaften kündigen Bahnstreiks im Regionalverkehr an
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22:46 12.10.2010
Quelle: dpa
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Vom 25. Oktober an müssen Pendler und Reisende damit rechnen, dass Regionalzüge nur noch unregelmäßig fahren. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA haben mehrstündige Warnstreiks angekündigt. Damit spitzt sich der Streit vor allem über einen Branchentarifvertrag zu.

„Wir haben von unseren Spitzengremien den eindeutigen Auftrag bekommen, unsere Tarifforderungen nun mit Arbeitskampfmaßnahmen zu unterstützen“, erklärten die Vorsitzenden der Gewerkschaften Transnet und GDBA, Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel, gestern in Fulda. Die Aktionen sollen nicht nur Nadelstiche werden, sondern „wehtun“. Wann und wo gestreikt werde, werde in den kommenden Tagen entschieden werden, hieß es. „Es wird bundesweit gestreikt“, sagte ein GDBA-Sprecher. „Alle Regionen sind betroffen – auch der Bereich Hannover.“

Die Warnstreiks sollen alle maßgeblichen Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) treffen, also neben der Deutschen Bahn (DB) und ihren Töchtern auch Konkurrenten wie Abellio, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn. Die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber sei gescheitert, man lasse sich nicht länger hinhalten, sagten Kirchner und Hommel. Insgesamt elfmal wurde bisher über einen Branchentarifvertrag und die Tariferhöhung verhandelt. In beiden Bereichen sei zuletzt keine Bewegung zu erkennen gewesen.

Die DB weist diesen Vorwurf zurück. Man habe kein Verständnis für die Warnstreiks. Ein „vernünftiger Kompromiss“ sei machbar, meinte Personalvorstand Ulrich Weber mit Blick auf den nächsten Verhandlungstermin am 29. Oktober. Der Staatskonzern sei bereit, aktiv an einem Branchentarifvertrag mitzuwirken. Man werde den Vertrag unterschreiben, wenn die Vereinbarung für mindestens die Hälfte der Arbeitnehmer außerhalb der DB gelte.

Ein Branchentarif soll verhindern, dass die Konkurrenz um Verkehrsverträge vor allem über die Löhne ausgetragen wird. Einige Privatbahnen zahlen deutlich weniger Lohn an ihre Beschäftigten als der Marktführer Deutsche Bahn und verschaffen sich so Wettbewerbsvorteile bei Ausschreibungen von Nah- und Regionalstrecken der Länder. Auch die DB profitiere davon, da der Konzern über Billigtöchter ebenfalls Lohnunterschiede ausnutze, kritisierten Kirchner und Hommel. Daher richteten sich die Warnstreiks auch gegen die DB. Nach Angaben der Gewerkschaften soll der Branchentarif ein Gehaltsniveau sichern, das für neun Zehntel der Beschäftigten im SPNV gilt.

Der Artikel wurde aktualisiert.

Thomas Wüpper/vmd