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Deutschland / Weltweit Gläubigerversammlung in Essen besiegelt Ende von Hertie
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Gläubigerversammlung in Essen besiegelt Ende von Hertie
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21:05 21.05.2009
Der Insolvenzverwalter der insolventen Kaufhauskette Hertie, Biner Bähr, am Mittwoch bei der Gläubigerversammlung in Essen.
Der Insolvenzverwalter der insolventen Kaufhauskette Hertie, Biner Bähr, am Mittwoch bei der Gläubigerversammlung in Essen. Quelle: Volker Hartmann/ddp
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Stumm, ohne jede Regung nahmen die rund 100 Hertie-Gläubiger am Mittwoch den Bericht des vorläufigen Insolvenzverwalters Biner Bähr zur Kenntnis. Eineinhalb Stunden lang referierte der Rechtsanwalt in einem halbleeren Saal im Essener Messegebäude über die Misere der traditionsreichen Warenhauskette. Anschließend musste Bähr zahlreiche Detailfragen enttäuschter Gläubiger beantworten - und stritt sich auf offener Bühne mit Vertretern der Hertie-Besitzer von Dawnay Day. Am Ende stand mit 84,6 Prozent ein klarer Beschluss, Hertie zu schließen.

„Keine Ahnung“ habe die ebenfalls insolvente britische Immobiliengruppe vom Warenhausgeschäft gehabt, kritisierte Bähr in der turbulenten Sitzung. Seit dem Kauf der Hertie-Häuser von Karstadt im Jahr 2005 sei es den neuen Besitzern vor allem darum gegangen, Geld aus den Warenhäusern zu ziehen. Dawnay Day verlange für die Warenhäuser überzogene Mieten, die teils bei bis zu 25 Prozent des Umsatzes lagen, sagte Bähr verbittert.

Dawnay Day hatte sich mit Immobilien verspekuliert und war 2008 selbst in die Insolvenz gegangen. Im Juli 2008 folgte die Hertie-Pleite. Seither ist die niederländische Dawnay-Day-Tochter Mercatoria Acquisitions für die Verwertung der Hertie-Gebäude zuständig und strebt an, die Häuser einzeln zu verkaufen. Erst am Dienstag hatte sich eine Investorengruppe aus den Rettungsgesprächen zurückgezogen. Die Mietforderungen seien zu hoch gewesen.

An den horrenden Mieten seien im Insolvenzverfahren alle Verhandlungen mit Investoren gescheitert, kritisierte Bähr. Er rügte zudem die Strategie der Besitzer, die Warenhäuser einzeln verkaufen zu wollen. „Ich verstehe das nicht“, sagte Bähr kopfschüttelnd.

Auf dem Immobilienmarkt werde man keine guten Preise erzielen, wenn die verbliebenen 54 Häuser zum Verkauf stehen würden. Die Hertie-Immobilien seien rund 187 Millionen Euro wert. Bei einem Notverkauf ließe sich dieser Betrag aber wohl kaum realisieren.

Auch der Vorsitzende des Hertie-Gesamtbetriebsrats, Bernd Horn, griff Dawnay Day an. Soviel Unwillen zu einer konstruktiven Lösung hätten die Hertie-Beschäftigten noch nicht erlebt. Dawnay Day habe Hertie „ausbluten“ lassen, sagte Horn.

Mehrere Rechtsanwälte der Hertie-Eigner wiesen die Kritik zurück. Ohne finanzkräftige Investoren habe es keinen Sinn, die „Agonie“ bei Hertie um einige Monate zu verlängern, sagte Dawnay-Day-Jurist Detlev Stoecker. Man habe zudem nicht Geld aus Hertie rausgezogen, sondern 180 Millionen Euro in die Kaufhäuser investiert.

Die Juristen attackierten den vorn auf einer Bühne sitzenden Insolvenzverwalter. Sie warfen ihm Einseitigkeit und „Verblendung“ vor. Im Gegenzug attestierte Bähr den Kontrahenten „Frechheit“. Er lasse sich aber „nicht aus der Contenance bringen“, so Bähr.

Eine Vertreterin der Gläubiger rief Bähr und die Dawnay-Day-Vertreter daraufhin zur Ordnung: „Wir sollten die Diskussion versachlichen.“ Zum ersten und einzigen Mal applaudierten die Gläubiger.

Eine Hertie-Lieferantin unter den Gläubigern beschwerte sich, im Handelsregister seien gleich vier verschiedene Firmen unter dem Namen Hertie verzeichnet. „Wer ist denn nun Hertie?“, fragte die Frau. Eine befriedigende Antwort bekam sie nicht. Auch die anderen Gläubiger, Produkt-Lieferanten von Schuhen bis zu Textilien, reagierten oft mit Kopfschütteln auf die Debatten. Viele klagten, sie hätten schon 2006 auf Zahlungsprobleme hingewiesen.

Bähr warb dennoch zunächst für eine Fortsetzung der Rettungsbemühungen. Bei einer schnellen Schließung hätten die Gläubiger nämlich keine Chance auf Erfüllung ihrer Forderungen. Die Warenhäuser sollten mit einem verschlankten Sortiment die „bürgerliche Mitte“ anlocken.

Der Anwalt forderte aber vergeblich ein Einlenken von Dawnay Day. Als im Laufe der rund fünfstündigen Sitzung keinerlei Bewegung bei den Besitzern erkennbar war, empfahl Bähr das Ende für Hertie. Die „Liquidierung“ sei „furchtbar“ für die 2600 verbliebenen Mitarbeiter und die 4500 Gläubiger, sagte Bähr. Es wurden Forderungen von rund 223 Millionen Euro angemeldet. Das Unternehmen hat aber nur noch 23,5 Millionen Euro Kontoguthaben.

„Ich hätte Bill Gates als Investor präsentieren können, Dawnay Day hätte sich dennoch nicht bewegt“, sagte der Insolvenzverwalter.

ddp

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