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Deutschland / Weltweit Große Koalition für das Elektroauto
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Große Koalition für das Elektroauto
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22:54 02.05.2010
Von Stefan Winter
Tankwartin Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin will dem Elektroantrieb auf dem Gipfeltreffen Anschub geben.
Tankwartin Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin will dem Elektroantrieb auf dem Gipfeltreffen Anschub geben. Quelle: dpa
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In Politik und Industrie wächst die Sorge, dass andere Länder bei dieser Zukunftstechnik davonziehen könnten, und so hat man sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum „Leitmarkt“ für Autos mit Elektroantrieb zu machen. Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.

Die Industrie verweist allerdings vorsorglich darauf, dass die Politik dieses Ziel gesetzt habe – also auch auf dem Weg dorthin helfen müsse. Seit Monaten rechnen Branchengrößen wie Martin Winterkorn von VW und Dieter Zetsche von Daimler vor, dass allein den deutschen Herstellern Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe bevorstünden. Zuletzt ließ sich VDA-Präsident Matthias Wissmann vernehmen: Die Ziele der Politik seien „nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen erreichbar“.

Diese dürfte ihm die Kanzlerin am Montag beim Start der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ in Berlin zusichern, aber mehr wohl nicht. „Es wird nicht um Details der Förderung gehen“, heißt es in der Industrie – schon gar nicht, seit Griechenland Milliardenhilfe braucht. Im Konjunkturpaket II sind bereits 500 Millionen Euro für die Elektromobilität vorgesehen, als Pionierkunden für die ersten Autos stehen Behörden bereit. Über weitere Hilfen, vor allem in der Forschung, wolle die Bundesregierung erst im Herbst reden, hieß es zuletzt.

Bis dahin sollen sich die Beteiligten erst einmal sortieren, denn neben der Autobranche und den Energiekonzernen sitzen allein vier Bundesministerien mit im Boot. Ein „sehr komplexer Apparat“ sei da zu koordinieren, sagt ein Beteiligter.

Diese Aufgabe kommt auf den ehemaligen SAP-Chef Henning Kagermann zu, der die Galionsfigur der Initiative sein soll. Unter Kagermanns Führung sollen mehrere Arbeitsgruppen die Probleme der Elektromobilität angehen. An Themen herrscht kein Mangel. Ganz vorn steht die Entwicklung der Batterietechnologie, die bei Weitem noch nicht für sorglosen Alltagsbetrieb ausreicht. Gleichzeitig ist der Rückstand der deutschen Industrie gegenüber der asiatischen Konkurrenz hier am größten. Die zweite große Baustelle ist das Stromnetz, das auf völlig neue Anforderungen ausgerichtet werden muss. Und nicht zuletzt geht es um die Kraftwerke: Im heutigen Energiemix würde bei der Stromproduktion nicht weniger Kohlendioxid erzeugt als bei der Benzinverbrennung.