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Deutschland / Weltweit Das Geschäft mit dem langen Leben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Das Geschäft mit dem langen Leben
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08:21 11.06.2014
Von Albrecht Scheuermann
Symbolbild Quelle: Soeren Stache
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Hannover

Langfristige Rentenzusagen sind für denjenigen, der sie erfüllen muss, eine riskante Sache – zumal die Menschen immer älter werden und deshalb auch länger Rente beziehen. Die Versicherungsmathematiker haben dafür den schönen Begriff „Langlebigkeitsrisiko“ geprägt. Dieses macht es schwierig, den Finanzbedarf aus solchen zugesagten Rentenleistungen zu kalkulieren – zumal die Renten oftmals für mehrere Jahrzehnte gezahlt werden müssen. Die Hannover Rück sieht genau darin ihre Chance. Sie nimmt anderen Unternehmen oder Versicherern das Langlebigkeitsrisiko aus ihren Betriebsrenten-Verpflichtungen ab – gegen entsprechenden Beitrag natürlich. Jetzt hat der Rückversicherer ein weiteres großes Geschäft dieser Art in Großbritannien an Land gezogen.

Hannover Rück habe „eine weitere Blocktransaktion für Langlebigkeitsrisiken abgeschlossen“, wurde am Dienstag mitgeteilt. Dabei geht es um 7311 Betriebsrentner des Erdölkonzerns Total. Die entsprechenden Pensionsverpflichtungen hat Total auf die britische Pension Insurance Corporation (PIC) übertragen. Ihren Gesamtwert gibt Hannover Rück mit 2 Milliarden Euro an. Für diese Verpflichtungen übernimmt nun Hannover Rück das „biometrische Risiko“ – also das Risiko, dass den Total-Betriebsrentnern ein langes Leben beschieden ist. Das sogenannte Investmentrisiko aus diesen Verträgen, also das Risiko aus der Kapitalanlage, bleibt dagegen bei PIC.

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Das mit Wirkung zum 1. Juli 2014 abgeschlossene Geschäft bringt dem Rückversicherer noch im Jahr 2014 eine Bruttoprämie von 43 Millionen Euro. Für das erste volle Jahr 2015 dürfte der Beitrag in etwa doppelt so hoch ausfallen, hieß es. Der hannoversche Rückversicherer hat schon allerhand Erfahrung mit solchen Transaktionen. Seit 2007 betätigt er sich auf diesem Gebiet, wie eine Sprecherin mitteilte. Bislang hat sich Hannover Rück dabei auf den britischen Markt konzentriert. Die Liste der dortigen „Langlebigkeitskunden“ reicht, um nur einige zu nennen, vom Flugzeugbauer British Aerospace über den Flachglashersteller Pilkington bis zu Rolls-Royce. Das Gesamtvolumen der von Hannover Rück abgesicherten Pensionsverpflichtungen belaufe sich mittlerweile auf 12 Milliarden Euro, sagte die Sprecherin.

Gemeinsam ist allen Geschäften, dass Hannover Rück nur schon fließende Betriebsrenten rückversichert – nicht dagegen die künftigen Verpflichtungen der Unternehmen gegenüber Arbeitnehmern, die noch im Job sind. Außerdem beschränkt sich Hannover Rück auf gewerbliche Arbeitnehmer – also diejenigen, die im Blaumann oder mit Helm zur Arbeit kommen. Verwaltungsangestellte bleiben dagegen außen vor. „Hannover Rück möchte die Laufzeiten im Auge behalten“, erklärte die Sprecherin. Diese seien bei gewerblichen Arbeitnehmern überschaubarer, weil sie im Durchschnitt früher sterben als Büroangestellte.

In Deutschland hat Hannover Rück bislang keine derartigen Geschäfte abgeschlossen. Dies liege auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Großbritannien sei uns in diesem Markt zehn Jahre voraus, hieß es. Aber auch Frankreich, Holland oder Kanada seien schon weiter als Deutschland.

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