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Deutschland / Weltweit Behrendt geht von Bord
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Behrendt geht von Bord
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07:17 25.06.2014
Von Jens Heitmann
Michael Behrendt gibt seinen Posten als Hapag-Lloyd-Chef auf. Quelle: Angelika Warmuth
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Hannover

Die Bemerkung war als kleiner Gag gedacht. Er sei froh, sagte Michael Behrendt, für die Taufe seines neuen Containerschiffes eine prominente Patin gewonnen zu haben – und sicher, dass der Namensvetter vom Mutterkonzern TUI seiner Gattin dafür gern das Ruder überlasse. Man lachte und scherzte, und Gabi Frenzel taufte den jüngsten Frachter von Hapag-Lloyd auf „Hanover Express“. Im November 2007 war der Hinweis auf Hannover noch als „Wertschätzung für die Kunden in unserem Nachbar-Bundesland“ gedacht, wie es damals hanseatisch herablassend hieß.

Nur zwei Monate später war der Frohsinn am feinen Ballindamm verflogen: Da verkündete Michael Frenzel seinen Plan zur Verschmelzung von Hapag-Lloyd mit der TUI und den Umzug der Konzernzentrale an die Alster – so schnell wie unter der Herrschaft der Hannoveraner hatten sich für die Hamburger Traditionsreederei die Perspektiven noch nie verschoben. Dass am Ende auch aus dieser TUI-Idee nichts wurde, dürfte für Behrendt das Bild abgerundet haben: Reeder und Reiseleute passten einfach nicht zusammen.

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In Hannover brauchte man für diese Erkenntnis ein bisschen länger, am Ende aber musste ihr auch die TUI Tribut zollen. Für den Konzern ist die Beteiligung an Hapag-Lloyd inzwischen noch ein Restposten, den sie möglichst schnell zu möglichst viel Geld machen will. In Hamburg ist die Erleichterung darüber groß – wenn Michael Behrendt am heutigen Mittwoch von Bord geht, wird er von vielen als Retter „seiner“ Reederei gefeiert werden. Ohne den 63-Jährigen, so geht die Legende, gäbe es Hapag-Lloyd als unabhängiges Unternehmen nicht mehr.

Als Behrendt 2002 auf die Brücke kam, fuhren die Containerschiffe noch üppige Gewinne ein. Weil die TUI drei Jahre später den Zukauf der kanadischen CP Ships finanzierte, rückte Hapag-Lloyd unter die Top 5 der Branche. Aber auch den Marktführern half ihre Größe nicht, als der Welthandel im Zuge der Finanzkrise einbrach. Die TUI, seinerzeit selbst in der Krise, plante den Verkauf ihrer Tochter an die Konkurrenz aus Singapur – und stieß in Hamburg auf Widerstand, hinter dem sie zu Recht Behrendt vermutete. „Dann wäre in Hamburg eine Regionalzentrale für Europa mit 100 Leuten übrig geblieben, also letztlich das Ende von Hapag-Lloyd“, erinnert er sich. „Ich habe mir damals immer gesagt, dass ich nicht derjenige sein will, der bei Hapag-Lloyd das Licht ausmacht.“

Diese Gefahr besteht nun nicht mehr. Die Reederei steht vor der Fusion mit der Containersparte der chilenischen CSAV; im Herbst ist Hapag-Lloyd dann die viertgrößte Linie der Welt. Das entspannt offenbar auch die Beziehungen zu Hannover: Zum Abschied des Fast-Schon-Pensionärs Behrendt kommt auch der Ruheständler Michael Frenzel.