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Deutschland / Weltweit Neuer Rückschlag für Pannenflughafen
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00:15 31.05.2014
Wegen des Korruptionsverdachts gegen seinen Technikchef in der Kritik: Hartmut Mehdorn.
Wegen des Korruptionsverdachts gegen seinen Technikchef in der Kritik: Hartmut Mehdorn. Quelle: dpa
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Schönefeld

Eine Korruptionsaffäre droht den Zeitplan für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER weiter zurückzuwerfen. Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hat seinen Technikchef wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit beurlaubt und kämpft nun gegen weitere Verzögerungen. Die Auswirkungen auf das Projekt sollten so gering wie möglich gehalten werden, kündigte Mehdorn am Mittwoch an. „Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter.“

Der Bund und Berlin als Miteigentümer forderten von Mehdorn, alles dafür zu tun, dass keine wesentlichen Verzögerungen entstehen. Offenbar ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen Mehdorns Technikchef Jochen Großmann wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Er sollte die Brandschutzanlage im neuen Terminal in Gang bringen und damit das Haupthindernis für die Inbetriebnahme des Flughafens überwinden. Der Ingenieur muss mit der fristlosen Kündigung rechnen.

Die Affäre bringt Mehdorn zusätzlich unter Druck. Die Grünen forderten die Ablösung des 71-Jährigen. „Wowereits Krisenmanager Hartmut Mehdorn ist gescheitert, den Saustall BER auszumisten“, kritisierte Bundestagsfraktions-Chef Anton Hofreiter. Der Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats, Klaus Wowereit (SPD), stützte auf seiner China-Reise jedoch Mehdorn. Niemand sei gefeit vor kriminellen Handlungen, sagte der Berliner Regierende Bürgermeister in Peking. Mehdorn habe korrekt und unverzüglich gehandelt. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.

Ermittler hatten am Dienstag die Wohnung und Büros Großmanns in Dresden und Berlin durchsucht und fünf bis sechs Umzugskartons voller Unterlagen sowie Datenträger beschlagnahmt. Sie suchen Beweise dafür, dass Großmann für die Vergabe eines Planungsauftrags 500 000 Euro verlangt habe. Geflossen sei das Geld aber nicht, sagte der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Frank Winter. Die dortige Anklagebehörde ist für alle Korruptionsfälle in Brandenburg zuständig.
Großmann war im Sommer 2013 als Berater nach Schönefeld gekommen, Mitte April stellte Mehdorn den Ingenieur fest an. Die beschlagnahmten Dokumente erstreckten sich auf die Zeit von Oktober 2013 bis Februar 2014. An den Plänen Großmanns für einen Umbau der Entrauchungsanlage hält Mehdorn fest. „Wir werden auch in neuer personeller Zusammensetzung den beschrittenen Weg weitergehen“, teilte er mit. Der Entwickler der umstrittenen Entrauchungsanlage, Alfredo Di Mauro, hat Mehdorn seine Hilfe angeboten. „Ich stehe ab sofort parat“, sagte er. Di Mauro war erst vor wenigen Wochen entlassen worden, weil Großmann dessen Planungen für fehlerhaft hielt.

Burkhard Fraune