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Deutschland / Weltweit Hochtief bangt trotz glänzender Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Hochtief bangt trotz glänzender Zahlen
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11:16 20.03.2011
Quelle: dpa
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Bei Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief wird kaum Feierlaune aufkommen: Betretene Mienen dürften in wenigen Tagen in Düsseldorf zu sehen sein, wenn der Branchenprimus seine Zahlen für 2010 vorlegt. Das wird aber vermutlich weniger an den glänzenden Ergebnissen als an der drohenden Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS liegen.

Mit Spannung werden vor allem die Ankündigungen von Hochtief-Konzernchef Herbert Lütkestratkötter zur Strategie des deutschen Bau-Giganten erwartet. Der wehrhafte Hochtief-Chef hat sich nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens in den vergangenen Wochen bereits mit ACS-Chef Florentino Pérez getroffen. Ergebnisse des Gesprächs wurden bislang noch nicht bekannt.

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Normalerweise könnte sich der Vorstand bei guten Zahlen zufrieden zurücklehnen: Erst im vergangenen Monat hatte Hochtief seine Gewinnprognosen für das abgelaufene Geschäftsjahr noch einmal deutlich erhöht. Bei Vorsteuergewinn und Überschuss wurden nicht näher bezifferte Werte „weit“ über dem Vorjahresniveau angekündigt.

Bereits 2009 hatte Hochtief beim Vorsteuerergebnis um mehr als 20 Prozent auf rund 600 Millionen Euro zulegen können. Der Konzerngewinn stieg sogar um fast 25 Prozent auf 195,2 Millionen Euro. Genaue Zahlen will Hochtief bei der Bilanz-Pressekonferenz am 23. März in Düsseldorf vorlegen.

Den Termin für die Bilanzvorlage hatte das Unternehmen erst vor kurzem überraschend vorgezogen. „Wir sind jetzt schon fertig und wollen mit den Zahlen raus“, sagte ein Hochtief-Sprecher als Begründung.

Doch auch steigende Börsenkurse werden den Übernahmekurs von ACS-Chef Pérez wohl kaum noch stoppen können. Der Chef des hoch verschuldeten spanischen Baukonzerns hat angekündigt, die Mehrheit bei Hochtief bis zur Jahresmitte übernehmen zu wollen.

Wie viele Anteile an Hochtief bereits im Besitz der Spanier sind, ist derzeit völlig unklar. Erst beim Erreichen der 50-Prozent-Schwelle wäre eine Pflichtmitteilung fällig. Zuletzt hatte ACS seinen Anteil an Hochtief bis auf gut 36 Prozent aufgestockt.

„An unserer Strategie hat sich nichts geändert“, versicherte eine ACS-Sprecherin auf Nachfrage. Zu weiteren Einzelheiten wollte sie keine Stellung nehmen. Doch die Zeit drängt. Nur bis kurz vor Ostern kann ACS noch Stimmrechte für die am 12. Mai stattfindende Hochtief-Hauptversammlung anmelden.

Sollte es bis zu dem Aktionärstreffen keine klaren Machtverhältnisse bei Hochtief geben, könnte bei der Abstimmung jede Stimme zählen. Nach einem monatelangen erbitterten Abwehrkampf durch die Hochtief-Führung könnte ACS versuchen, wichtige Positionen an den Schaltstellen zunächst im Hochtief-Aufsichtsrat und später im Vorstand neu zu besetzen.

Vor gut einer Woche hatte ein erster hochrangiger Hochtief-Manager die Reißleine gezogen und selbst seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt. Vorstand Peter Noé hat sein Amt zum 10. September dieses Jahres niedergelegt. Der Schritt wird dem 53-Jährigen mit einer Millionenabfindung versüßt. Laut Geschäftsbericht steht ihm wie allen seinen Vorstandskollegen nach einem Kontrollwechsel wie dem Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle durch ACS ein Sonderkündigungsrecht zu.

dpa