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Deutschland / Weltweit IG BCE will 2012 deutliches Lohnplus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit IG BCE will 2012 deutliches Lohnplus
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13:55 06.12.2011
Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Quelle: dpa
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Hannover

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) verlangt in der bevorstehenden Tarifrunde 2012 ein kräftiges Lohnplus für die rund 550 000 Chemie-Beschäftigten. „Wir werden für eine deutliche Verbesserung der Einkommen sorgen“, kündigte Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis am Montagabend in Hannover an. „Niemand auf Arbeitgeberseite sollte sich da falschen Einschätzungen hingeben. Es gibt keinen Finanzkrisen-Abschlag.“

Zur genauen Höhe der Forderung wollte IG-BCE-Tarifexperte Peter Hausmann noch keine Angaben machen: „Mit dieser Frage werden wir uns Mitte Februar beschäftigten“, sagte er. In den Tarifverhandlungen für 2011 hatte die Gewerkschaft 6 bis 7 Prozent mehr Entgelt gefordert - am Ende stand ein Plus von 4,1 Prozent.

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Die Angleichung der Löhne von Zeitarbeitern und Stammbelegschaften will die IG BCE durch eine Einigung mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister voranbringen. Ein Abkommen sehe Zuschläge über mehrere Stufen für Zeitarbeiter in der Chemie vor, wenn diese mindestens drei Monate beim selben Unternehmen beschäftigt sind.

Damit das Modell rechtskräftig wird, müssten jedoch zuerst weitere Branchen zustimmen, stellte Vassiliadis klar. „Wir sind nicht gegen Zeitarbeit. Dass sie aber systematisch zur Kosten- und Lohnkonkurrenz gemacht wird - das nennen wir Missbrauch.“ Die Bemühungen der Bundesregierung für einen Mindestlohn in der Leiharbeit blieben derweil halbherzig. Auch flexiblere Ruhestandsregelungen ab einem Alter von 60 Jahren und eine Beschränkung von Minijobs seien nötig.

Die Folgen des Atomausstiegs für die Energieerzeuger seien beträchtlich, räumte Vassiliadis ein. Dies rechtfertige indes nicht massive Einsparungen und den Abbau tausender Stellen etwa bei den Energieriesen Eon und RWE. „Die Großen der Branche haben versucht, das unmittelbar mit der Energiewende zu begründen. Das ist aber nicht ganz sachgerecht“, kritisierte er. Die Gewerkschaft werde um jeden Job kämpfen, Kündigungen seien mit der IG BCE nicht zu machen.

Die Förderung der deutschen Solarwirtschaft müsse angesichts der Billigkonkurrenz aus Asien neu aufgestellt werden, schlug Vassiliadis vor. Nicht abgerufene Mittel des Deutschlandsfonds könnten in  ein „Nothilfe-Programm“ für Photovoltaik-Anbieter fließen. Vor allem preisgünstige Rivalen aus China setzen der Branche zunehmend zu.

frx/dpa