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Deutschland / Weltweit Inflation nagt an Gehaltszuwächsen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Inflation nagt an Gehaltszuwächsen
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21:49 06.02.2012
Die Löhne sind 2011 preisbereinigt nur um ein Prozent gestiegen. Quelle: dpa
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Wiesbaden/Berlin

Das war langsamer als im Jahr davor: 2010 waren die Reallöhne noch um durchschnittlich 1,5 Prozent geklettert – im Krisenjahr 2009 hingegen um 0,4 Prozent gesunken. Höhere Kaufkraftgewinne wurden durch steigende Verbraucherpreise verhindert: Diese zogen wegen teurer Energie mit 2,3 Prozent mehr als doppelt so stark an wie 2010. So blieb von dem Lohnplus von 3,3 Prozent nur ein realer Zuwachs von einem Prozent übrig.

Mit einem Zuwachs von mehr als 4 Prozent stiegen die Löhne in der ersten Jahreshälfte 2011 sehr stark – „vor allem durch den weiteren Abbau der Kurzarbeit sowie höhere Tarifabschlüsse und Sonderzahlungen“, schrieben die Statistiker. Im Schlussquartal zogen die Preise dagegen etwas stärker an als die Löhne. Das hatte es zwei Jahre lang nicht mehr gegeben.

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Für tarifgebundene Gehälter ist der Zuwachs 2011 allerdings nicht so hoch ausgefallen, wie das Statistische Bundesamt allgemein berechnet hat. Nach Berechnungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind die Tarifgehälter im vergangenen Jahr real gesunken, weil die nominalen Tariflöhne und -gehälter durchschnittlich nur um 2 Prozent gestiegen seien.

Trotz der erwarteten Konjunkturflaute rechnen Experten für das laufende Jahr mit einem realen Lohnzuwachs in ähnlicher Höhe. „Die Unternehmen haben einen hohen Arbeitskräftebedarf und konkurrieren untereinander um Mitarbeiter“, sagte der Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Hagen Lesch: „Gute Karten haben vor allem Hochqualifizierte in der Industrie.“ Besonders in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik werde gutes Personal händeringend gesucht. „Wegen der schwächeren Konjunktur dürfte zudem die Inflation nachlassen“, sagte Lesch. Nach Berechnungen der Deutschen Bank dürfte die Teuerungsrate 2012 auf etwa 1,5 Prozent fallen.

Die ersten Tarifabschlüsse in diesem Jahr lassen Arbeitnehmer auf ordentliche Lohnzuwächse hoffen. Die 130 000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post bekommen ab 1. April 4 Prozent mehr Geld, 33 000 Mitarbeiter der Deutschen Lufthansa bekommen seit Jahresbeginn 3,5 Prozent mehr. Die 14 000 Beschäftigten der Stahlindustrie an der Saar erhalten ab März 3,8 Prozent mehr. Die Löhne und Gehälter in der Schuhindustrie erhöhen sich in diesem Jahr um 3,3 Prozent, in der Papierindustrie um 3 Prozent.

Die IG Metall will heute ihre Empfehlungen zur Lohnrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bekannt geben. Im Gespräch war zuletzt ein Plus von bis zu 6,5 Prozent.

Rene Wagner