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Deutschland / Weltweit Praktiker stellt Insolvenzantrag
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Praktiker stellt Insolvenzantrag
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13:48 11.07.2013
Foto: Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Praktiker-Insolvenz nicht betroffen.
Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Praktiker-Insolvenz nicht betroffen. Quelle: dpa
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Hamburg

Mit einem Kurssturz haben die Aktien der Baumarktkette Praktiker am frühen Donnerstag auf die drohende Insolvenz reagiert. Zuletzt brachen die Papiere um rund 70 Prozent auf 0,11 Euro ein, nachdem sie bereits zur Wochenmitte um knapp 20 Prozent abgestürzt waren. Die Baumarktkette steht vor dem Aus. Verhandlungen über weitere Finanzierungen der Sanierung seien gescheitert, teilte Praktiker am Mittwochabend in Hamburg mit. Einzelne Gläubigergruppen hätten nicht zugestimmt. Damit ist die Praktiker AG überschuldet und zahlungsunfähig. Praktiker ist eine der größten deutschen Baumarktketten. Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Insolvenz nicht betroffen, wie es in einem Schreiben des Konzerns heißt.

Die Baumarktkette Praktiker

Nach 35 Jahren im harten Wettbewerb der Baumarktbranche steht Praktiker vor der Pleite. Die Kette gehörte bis 2005 zur Metro, die sich nach einem Börsengang komplett von dem Unternehmen trennte. 2006 griff die Praktiker-Holding beim Baummarktfilialisten Max Bahr zu, der als ertragsstärkere Marke im Konzern nicht von der aktuellen Zahlungsunfähigkeit betroffen ist. Nach eigenen Angaben hat Praktiker 17.820 Vollzeitstellen, beschäftigt werden rund 20.000 Mitarbeiter. 2012 lag der Umsatz bei rund 3,0 Milliarden Euro - und die Schuldenlast bei knapp 500 Millionen Euro. Praktiker betreibt nach eigenen Angaben knapp 430 Bau- und Heimwerkermärkte, davon rund 300 in Deutschland.

Praktiker hat knapp 18.000 Vollzeitstellen, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon über 300 in Deutschland. Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Der Baumarkt-Konzern war unter anderem durch eine fehlgeschlagene Rabattstrategie in eine schwere Krise geraten und hatte erst im vergangenen Jahr seine Finanzierung für die nächsten Jahre sichern können. Eigentlich wollte der erst im Herbst 2012 installierte Vorstandschef Armin Burger das Geschäft in diesem Jahr auf ein solides Fundament stellen. Doch Praktiker musste im ersten Quartal einen Umsatzrückgang hinnehmen, die Verluste wuchsen an. Ursache für die schwachen Zahlen waren vor allem der lange Winter und der damit verzögerte Start in die Frühjahrssaison.

Durch die Geschäftsentwicklung seien die "positiven Effekte" der Neupositionierung überlagert worden, heißt es im Schreiben des Praktiker-Vorstands. "Der Konzern geriet dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation". Es sei nicht gelungen, eine tragfähige Anschlussfinanzierung zu finden. Unter der Holding Praktiker AG sind einzelne Firmen wie Praktiker Deutschland, eine Servicefirma aber auch die Ertragsperle Max Bahr zusammengeführt. Bei der Praktiker-Sanierung sollte eigentlich Max Bahr zur tragenden Säule des Unternehmens werden. So sollten etliche Praktiker-Filialen auf diese Marke umgestellt werden. Praktiker sollte als Discount-Schiene mit verkleinertem Angebot dienen.

Handelspleiten in Deutschland

September 2012: Der insolvente Versandhändler Neckermann wird geschlossen. Zum 1. Oktober verlieren rund 2000 Beschäftigte des Traditionsunternehmens in Frankfurt und Sachsen-Anhalt ihre Jobs. Das Unternehmen war 1950 als Neckermann Versand KG gegründet worden.
Juni 2012: Für die ehemals größte deutsche Drogeriekette Schlecker ist endgültig Schluss. Der monatelange Überlebenskampf nach dem Insolvenzantrag Ende Januar war vergeblich. Etwa 25 000 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.
Dezember 2009: Beim Versandhändler Quelle gehen nach 82 Jahren endgültig die Lichter aus. Im Juni hatte der Arcandor-Konzern Insolvenzantrag für sich sowie die Töchter Karstadt Warenhaus und Quelle gestellt. Anders als bei Karstadt findet sich für Quelle kein Investor. Mit der Internetseite Quelle.de kehrt der Markenname im August 2011 zwar zurück. Allerdings steckt dahinter ein anderes Geschäftsmodell - eine Plattform für Händler.
Juli 2008: Die Warenhauskette Hertie meldet wegen Finanzproblemen des britischen Haupteigentümers Insolvenz an. Im März 2009 wird das Insolvenzverfahren eröffnet, Mitte August schließen die letzten 20 Kaufhäuser. Die Firmengeschichte begann 1882.    

April 2002: Das 1929 gegründete Hamburger Technik-Kaufhaus Brinkmann beantragt erneut Insolvenz. Das Traditionsunternehmen wird liquidiert. Bereits ein Jahr zuvor war die Brinkmann-Kette in Insolvenz gegangen.

dpa

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